7 Wochen ohne

7 Wochen ohne

7 Wochen ohne nennt sich seit 2003 die Fastenaktion der evangelischen Kirche. Beim Fasten geht es darum, auf etwas zu verzichten. Der tieferen Sinn dahinter ist, sich selber bewusster zu werden. Die Aktion der evangelischen Kirche greift diese Idee auf und führt sie gelungen in die Moderne.

Die diesjährige Fastenzeit steht unter dem Motto „Riskier was, Mensch! Sieben Wochen ohne Vorsicht“. Das kann man falsch verstehen, sicher. Gemeint ist aber, sieben Wochen lang zu versuchen, Ängste, die einen lähmen, zu überwinden. Blockaden überwinden, etwas riskieren. Sich einmischen. Sich trauen, für andere da zu sein. Sich aus dem Kokon, in dem wir uns eingesponnen haben zu befreien.

Sicherheit ist an sich nicht schädlich. Ein übertriebenes Sicherheitsdenken führt jedoch dazu, dass wir uns immer weiter einschränken. Es ist die Angst vor dem, was wir glauben das passieren könnte, die uns lähmt.

Bei mir sind das zum Beispiel die Meldung im Kölner Stadt-Anzeiger über Fahrradunfälle, verbunden mit meinen eigenen Stürzen. So gut es geht, und es geht verdammt gut, vermeide ich es mit dem Fahrrad zu fahren. Es könnte ja etwas passieren. Riskiere was bedeutet in dem Fall für mich, mir mein Fahrrad zu schnappen und einfach zu fahren – natürlich unter Berücksichtigung der Verkehrsregeln aber ohne mögliche Unfälle zu denken.

Riskier was. Für andere wäre es, endlich einen Menschen anzusprechen, den man immer schon ansprechen wollte aber sich nicht getraut hat. Weil man Angst hat verletzt zu werden. Weil man Angst hat, enttäuscht zu werden. Dabei gehören Verletzungen und Enttäuschungen zum Leben dazu. Es sind Erfahrungen, die wir machen müssen.

Etwas zu riskieren heisst Mut zu zeigen. Nur so überwinden wir Gräben und Denkmuster

Die eigene Routine zu durchbrechen, Dinge anders und neu denken – auch das passt zum diesjährigen Motto. Mir ganz persönlich gefällt die Aktion in diesem Jahr besonders gut. Sie führt mir ein Problem deutlich vor Augen. Das ständige Denken an mögliche Folgen, die ich glaube vermeiden zu müssen. Übertrieben Vorsicht ist ein gefährliches Gift. 7 Wochen ohne kann daher die Chance sein, sich selbst davon zu befreien. Eine anderen Form der Entschlackung, sozusagen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren