Aller Tage Abend, Teil III

Sandern zog es vor, nicht reinzukommen. Für Dittmann stand fest, dass sie erst Ruhe geben würde, wenn er sie nach oben in die Wohnung von Doll begleiten würde.

„Sie sind doch Polizist, Herr Dittmann.“

„Gewesen, Frau Sander.“

Eine Urkunde hatte es gegeben, für seine vielen Dienstjahre. Einen warmen, herzlich gemeinten Händedruck des Polizeipräsidenten.

Dittmann steckte die Wohnungsschlüssel ein bevor er die Tür hinter sich zu zuzog.

„Dann wollen wir mal. Frau Doll ist bestimmt nur verreist.“

Sander schüttelte lediglich mit dem Kopf. Sie ließ Dittmann den Vortritt. In für sein Alter angemessenen Schritten ging Dittman die Treppen hoch. Noch vor der letzten Stufe erkannte er die auf stehende Wohnungstür. Das sah Frau Dittmann nicht ähnlich. Schon allein wegen ihres Dackels achtete sie darauf, die Tür immer sorgfältig zu schließen. Das Tier durfte auch nie alleine die Treppe runter, sondern wurde immer von ihr getragen. Dackelrücken oder so etwas hatte Dittmann von Doll dafür mal als Erklärung zu hören bekommen.
Ihnen lief kein Dackel entgegen. Hinter ihm blieb Sander auf der Treppe stehen, immer noch mit ihrem Koffer in der Hand.

Vorsichtig betrat Dittmann den Flur der Wohnung.

„Hallo, Frau Doll.“

Niemand antwortet ihm. Zwei Schritte ging er in die Wohnung hinein, bevor das Halbdunkel in umschloss. Beim nächsten Schritt trat er auf etwas weiches. Dittmanns Rücken gab ein unangenehmes Knacken von sich, als er in die Hocke ging um nach dem zu tasten, auf das er getreten war. Stumpfes Haar, an einigen Stellen klebrig, kürzer als Frau Doll es getragen hatte. Sehr viele Haare. Ditmann fühlte weiter, bis er wusste, dass vor ihm auf dem Boden der offensichtlich tote Dackel von Frau Doll lag.

An der Wand tastet sich Dittmann weiter, bis er das Wohnzimmer erreicht. Die Wohnung glich der seinen vom Aufbau her, so dass ihm die Orientierung nicht schwer fiel. Auch ohne Licht zu machen erkannte er genug. Durch das Fenster drang genügend Tageslicht. Vor ihm auf dem Boden lag eine Tasche vom Flughafen. Sie musste Sander aus der Hand gefallen sein, als sie das erblickte, was auch Dittmann jetzt sah.

Der Mund von Frau Doll stand ein gutes Stück weit auf. Ihre Beine waren gespreizt. Der Körper noch vollständig bekleidet, worüber Dittmann froh war, denn auch zu Lebzeiten hatte Frau Doll keinen besonders schönen Anblick abgegeben. Die Ärmel von ihrem Pullover, der auf Grund seiner Hässlichkeit nur selbstgestrickt sein konnte, waren hochgeschoben. Auf beiden Armen verliefen in Höhe der Handgelenke Striemen, die sich mittlerweile blau verfärbt hatten.

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