Im Ziel gescheitert

Auch wenn heute erst der 11. November und selbst die Mitte des Monats noch etwas hin ist, haben einige am NaNoWirMo teilnehmenden bereits die 50.000 Wörter Grenze überschritten. Wer damit auch das Ende seiner Gesichte erreicht hat, kann den Rest des Monats genießen.

Diejenigen, die jenseits der 50k aber noch nicht mit ihrer Geschichte abgeschlossen haben wundern sich jetzt mitunter, dass sie deutlich langsamer voran kommen. Sie haben einen der größeren Stolpersteine beim schreiben entdeckt. Eine bestimmte Wortzahl ist nicht das Ziel, sondern die Geschichte. Es wird durchaus Schreiber geben, die unter der magischen Grenze bleiben und für sich trotzdem gewonnen haben, einfach weil ihre Geschichte fertig geworden ist. Umfangreichere Texte bergen dagegen die Gefahr des Versandens, insbesondere dann, wenn man ohne vorherige Planung ans Werk gegangen ist.

Die 50.000 Wörter sind erreicht, aber jetzt fehlt ein großes Stück Motivation weiter zu schreiben. Im Ziel gescheitert. Man darf sich offiziell zu den Gewinnern rechnen, aber das bringt einem ganz persönlich nichts. Es sei denn, man schafft es, die verdammte Geschichte zu Ende zu bringen. Dabei kann es erforderlich sein, weit aus mehr Wörter zusätzlich zu schreiben, als man bisher schon geschrieben hat. Mitunter wird man auch am 30. November nicht fertig sein.

Die Verlockung, nach Erreichen des Zieles erstmal ein paar Tage auszuspannen mag groß sein. In ihr liegt aber auch eine Gefahr. Man kommt aus dem Takt, unterbricht den Schreibfluss – das Schlimmste, was man sich selber antun kann. Deswegen bin ich nach wie vor der Meinung, dass es wesentlich sinnvoller ist, sich über die Zeit seine Kraft und Motivation einzuteilen. Sonst endet man genau wie diese Fälle von Marathonläufern, die nach einer Rekordzeit im Ziel zusammenbrechen. Der Erfolg nützt einem dann nichts mehr.

Der NaNoWriMo ist ein Monat der Erfahrungen. Eine sehr wertvolle ist die, sein eigenes Schreibtempo kennen zu lernen und realistisch für sich einzuschätzen, in welcher Weise man es über das Jahr verteilt aufrecht erhalten kann. In nur 30 Tagen einen Roman zu schrieben ist wirklich toll, eine enorme Leistung. Wenn man das Schreiben aber weiterhin ernsthaft verfolgen möchte, gehört Kontinuität unbedingt dazu. Und die lässt sich nicht aufrechterhalten, wenn man quasi mit der Brechstange in nur 11 Tagen 50.000 Wörter schreibt.

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