Sieben auf einen Streich

Alle seine Tour de France Siege wurden Lance Armstrong aberkannt. Ein Abstieg vom Helden zum Bösewicht, nicht nur, weil Armstrong selber gedopt hat, sondern allen Anschein andere dazu nötigte. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, ein sektenähnliches Netzwerk der Beeinflussung und Kontrolle aufgezogen zu haben.

Ebenso wie die Frage, ob zuerst die Henne oder das Ei da war, lässt sich dies auf die Tour de France münzen. Was war zuerst da, die Tour oder das Doping? Ein hartes Radrennen wie die Tour de France lässt sich medienwirksam nur vermarkten, wenn es auch Sieger gibt. Je größer die Herausforderung, desto strahlender der Sieger, desto mehr Gelder, die fließen, so die Kalkulation. Dabei geht jedes realistische Maß verloren.

Eine Zeitlang kann man über Armstrong Witze machen. Mondlandung wird wegen Doping annulliert, die Gesichte des Jazz muss neu geschrieben werden und ähnliches. Dabei zeigt der Witz eigentlich, wie sehr einem das Thema an die Nieren geht (eigentlich bei Epo ein schlechtes Bild…). Fahrradfahren kenne ich für meine Teil nicht nur aus dem Fernsehen, auch wenn ich bei weitem nicht Radsportler bin. Trotzdem kenne ich das besondere Gefühl der Geschwindigkeit, den Rausch, welchen man erleben kann. Auch weiss ich noch, wie hart Strecken sein können. Obwohl es jetzt zwanzig Jahre her sind und es nur das schottische Hochland war.

Die Tour de France ist zwar gemessen am Umfang recht lang, aber das es auch noch andere Extrem-Wettbewerbe gibt, zeigt der Ötztaler Radmarathon. An einem Tag absolvieren die Teilnehmer eine Strecke von 238 km mit insgesamt über 5500 Höhenmeter. Das Höhenprofil ist nicht nur für Laien beeindruckend bis beängstigend. Härte als Selbstzweck – wohl er, weil es sich gut verkauft und weil Menschen dazu neigen, sich unbedingt etwas beweisen zu wollen.

Aber ich schweife ab. Armstrong galt als besonders heller Stern, als er nach seiner Krebserkrankung wieder zurück auf die Bühne des Radsports ging. Sein Buch „Tour des Lebens. Wie ich den Krebs besiegte und die Tour de France gewann“ bekommt einen bitteren Beigeschmack. Ins Leere laufen wird zudem die Frage, welche Lehren aus dem Fall gezogen werden.

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