Genetisch nicht geeignet

Genetisch nicht geeignet

Die Überschrift ist falsch und eigentlich verbietet sich jegliche Art von Häme, wenn ein Mensch, dazu noch ein besonders junger, stirbt. Die Schlagzeile heute morgen im Kölner Stadt-Anzeiger erinnerte mich jedoch spontan an den Darwin Award.

Eine 17-Jährige wurde von einer Stadt-Bahn überrollt und so schwer verletzt, dass sie wenige Stunden später ihren Verletzungen erlag. Und das kam so: die jungen Damen wollte unbedingt noch ihre Bahn auf der anderen Seite des Gleises erreichen. Dazu kletterte sie auf die Kupplung eines vor ihre stehenden Zuges, der ungünstigerweise in dem Moment anfuhr. Sie fiel aufs Gleis und wurde vom Zug überrollt.

Unabhängig ob auf dem anderen Gleis die letzte für sie in Frage kommende Bahn stand oder nicht stellt sich die Frage, warum man in Gottes Namen so dumm sein kann, auf eine Zugkupplung zu klettern. Auch wenn es sich hart anhört, hält sich mein Mitleid in diesem Fall in Grenzen. Wie zu lesen ist, musste sie, um auf die Kupplung zu kommen, auch noch ein Absperrgitter welches die einzelnen Gleise trennt überwinden. Die Gitter sind extra zu dem Zweck angebracht worden, dass man eben nicht so einfach auf die andere Seite kommt. Auf die Kupplung selber muss man auch noch mal klettern, da diese sich gut einem Meter über dem Boden befindet.

Wenn man ebenerdig an einem regulären Übergang auf die andere Seite will und alle Signal in der Eile übersieht und überfahren wird – das ist zumindest nachvollziehbar, man hat einfach nichts gesehen, sich verschätzt oder nicht nachgedacht über das, was man da tut. Aber bewusst Hindernisse überwinden, einen Weg zwischen den Zügen einzuschlagen, der so gar nicht vorgesehen ist, da fehlen mir wirklich die Worte. Gleisanlagen sind kein Spielplatz.

Wer mir in Zusammenhang mit dem Unfall leid tut, dass sind die Zeugen und vor allem der Fahrer des Unglückszuges, der, als er vom Unfall erfuhr, einen Schock erlitt. Der Mann kann nichts dafür, wird sich aber sein Leben lang Vorwürfe machen. So was verfolgt einen bis in den Schlaf – und das nur, weil jemand nicht warten wollte.

4 Replies to “Genetisch nicht geeignet”

  1. Wenn ich die Überschrift lese gruselt es mich heftigst…bin mir sicher sie soll provozieren aber mir persönlich geht sie extrem viel zu weit!
    Und der unwillkürliche Gedankensprung führt dann in den Zeitraum so 1930/1940…

    1. Ja, sie war als bewusste Provokation gedacht. Die Erinnerungen an den erwähnten Zeitraum sind nachvollziehbar. Der Unterschied (siehe Darwin Award) besteht aber im freiwilligen Ausscheiden aus dem Leben auf Grund eigener Dummheit: „In the spirit of Charles Darwin, the Darwin Awards commemorate individuals who protect our gene pool by making the ultimate sacrifice of their own lives.“

      Natürlich ist der Unfall tragisch – aber selber verschuldet.

  2. Auf diese Diskussion will ich nicht aufspringen, habe da ne völlig andere Meinung zu. (und mit „freiwillig“ hatte das Ganze ja nun nichts zu tun)

  3. Wie sagt Fontane in“Effi Briest“: „Das ist ein weites Feld.“ – das trifft auch hier zu.
    Wenn einerseits das Wahlrecht für 16jährige verlangt wird, sollte insoweit auch soviel Vernunft vorhandensein, dass nicht durch Strassenbahnen hindurchgeklettert wird, wenn mit einem Anfahren zu rechnen ist (zumal wenn das durchklettern auch noch in der geschilderten Art und Weise erschwert wird und Verbotsschilder das Betreten der Gleiskörper verbietet, da Lebensgefahr besteht!). Ob hier von einem „freiwilligen Ausscheiden aus dem Leben“ gesprochen werden kann, möchte ich offen lassen; aber zumindest wurde ja eine erhebliche Möglichkeit einer schweren Verletzung billigend in Kauf genommen. Die Konsequenzen sind dann zu tragen, so dramatisch sie auch sind. Mitleid ist trotzdem eine adäquate Reaktion.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren