Auf Kosten der Kunden

Die große Kunst beim britischen Humor und einer der Gründe, warum er mir so gut gefällt, ist das Lachen über sich selbst. Wer über sich selber lachen kann, beweist Größe, stellt mitunter seine eigen Autorität in Frage.

Selbstironie erfüllt eine wichtige gesellschaftliche Funktion, Man erhebt sich nicht über andere, sondern stellt sich auf die gleiche Stufe oder macht sich sogar noch kleiner. Im Gegensatz dazu steht der deutsche Humor. Hierzuland lacht man gerne über Andere und deren Schwächen. Der Fokus liegt in der Regel auf Abgrenzung. Sich lustig machen über – eine eher typische deutsche Eigenschaft.

Dieser stark verkürzte Exkurs ist notwenig, um zu verstehen, warum mich die aktuelle Werbekampagne der DB Regio Nordrhein-Westfalen so enorm anwidert.

Erdacht hat die Kampagne die Düsseldorfer (sic!) Agentur Ketchum Pleon. Ziel sei es gewesen, wie das Branchenportal Horizont.net schreibt, Vorurteile gegenüber der Bahn aufzugreifen und diese humorvoll zu brechen. Genau das geht gehörig nach hinten los. Wer wie ich nahezu täglich mit der Bahn fährt, kennt vieles, was als „Vorurteil“ bezeichnet wird, aus eigenem Erleben. Gerade als Premiumkunde, zumindest in Bezug auf den Fahrpreis, fühlt man sich mit dieser Werbung von der Bahn nicht nur im Stich gelassen, sondern gehörig auf den Arm genommen. Lachen auf Kosten der eigenen Kunden – eine sehr sehr deutsche Idee. Ein britisches Unternehmen hätte sich eine Agentur an Bord geholt, die dafür sorgt, dass man über die Bahn lacht. Wenn das der Auftakt zu einer Dialog-Kampagne sein soll, kann man nur noch vom Schlimmsten ausgehen. Denn dieser angeblich Dialogversuch stellt allen Versuchen, mit dem Unternehmen Bahn in Kontakt zu treten, eine Aussage voran, die für den Kunden des Unternehmens zu gelten hat:

Stell dich gefälligst nicht so an.

Man kann schließlich froh sein, dass die Bahn sich dazu herablässt, einen von A nach B zu befördern. Zumindest weiss man durch die Kampagne endlich, welche Meinung die Bahn von ihren Fahrgästen hat. Für Mut zu dieser Ehrlichkeit könnte man ihr gratulieren. Ehrlich gesagt verzichtet ich lieber darauf. Und wenn ich denn eines Tages nicht mehr mit der Bahn fahren sollte, dann liegt das sicher an spielenden Kindern auf dem Bürgersteig.

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