Tagebuch eines Krimilesers, Teil II

öglicherweise ist es nicht beabsichtigt, aus dem „Tagebuch eines Krimilesers“ eine Serie zu machen. Obwohl Serien gerade in Bezug auf Krimis anzuraten sind. Nichts scheint sich so gut zu verkaufen wie „…die Fortsetzung von…“. Für Autoren ist das in gewisser Weise auch bequem.

Die Figuren sind bereits vorhanden, man kann sich ein paar neue Details ausdenken, überflüssige Nebenhandlungen vertiefen. Nur für eine neue Leiche muss man sorgen und wenn es der Abgabetermin noch zulässt auch noch ein passendes Motiv für den Mörder. Der Durchschnittsleser wird im Buchhandel zugreifen, auch wenn auf der Buchrückseite der Vorgänger gelobt wird.

Aber lassen wird das. Für mich sind Krimis ein Stück weit auch immer Arbeitsbücher. Entsprechend sehen die analogen Exemplare nach dem lesen auch aus. Anmerkungen und Klebezettel, um besonders gelungen oder herausragend schlechte Stellen zu markieren. Bei eBooks soll das komfortabler gehen, aber meine bisherigen Versuche führten nur zu einem verkratzen Display. Je nach verfügbarer Zeit, Schreibstil des Autors und zu markierender Stellen bin ich mit einem Krimi in maximal zwei Tagen durch. Wenn ich bedenke, wie lange man für das Schreiben benötigt, ist mir das schnelle Lesen schon etwas unangenehm.

Der gestrige Abend ging mit einem ausgelesen Buch und Anfang eines neuen zu Ende. Während der Kaffee in der Tasse kalt wurde, dachte ich noch mal die Entwicklung der Handlung nach. Vielleicht mag die Mehrzahl der Leser langatmige Handlungen, ich für meinen Teil gehören nicht dazu. Im Kopf sammle ich schon die Stelle, welche ich gnadenlos streichen würde. Nebenhandlungen sind nicht nur Folklore, sondern auch wichtig. Geschickte Autoren errichten damit nicht nur Stützen für die Haupthandlung, sondern schaffen Querverbindungen, den den Krimi spannender machen.

Wenn es in einem Krimi mehr als eine Hauptfigur gibt, ist eine gute Balance zwischen den Figuren ratsam. Den einzelnen Handlungspersonen muss genügen Luft zum agieren geben. Zu keiner Zeit sollte der Leser den Verdacht habe, die Figuren würde nur durch die Handlung getrieben. Auf diese Weise ohnmächtige Figuren verlieren ihre Glaubwürdigkeit, egal wie viel Mühe sich der Autor gegeben hat um sie mehrdimensional anzulegen. Je mehr Figuren auftauchen, desto schwieriger wird die Balance. Besonders dramatisch wird es, wenn nichtmal mehr klar ist, wer oder was die Protagonisten sind.

Zum Genre gehört es dazu, Ermittler und Leser mitunter auf die falsche Fährte zu führen. Die Umsetzung gelingt dabei leider nicht allen Autoren. Bei einigen Krimis setzen die ermittelnden Figuren so penetrant auf die falsche Spur, dass es schon richtig weh tut. Ärgerlich ist es auch, wenn gegen Ende noch mal neue Nebenfiguren auftauchen und sofort wieder verschwinden. Den einzigen erkennbaren Zweck, dem sie dienen, ist das Füllen zusätzlicher Seiten.

Ein Krimi mit einer ordentlichen Leiche sollte im Hinblick auf Motiv, Täter und Mordwaffe plausible Zusammenhänge schaffen. Die originellste Tötungsart ist sinnlos, wenn sich der Leser am Ende fragt, wie Mörderin an das Gift gekommen ist. Am Ende eines Krimis sollte der Mörder oder die Täterin überführt worden sein. Eine Verurteilung muss dabei nicht unbedingt geschildert werden. Aus Lesersicht wichtig ist lediglich die Annahme einer Form von Bestrafung wichtig. Kritisch wird es, wenn am Ende der Mord zwar aufgeklärt wurde, aber nur Verwirrung und Chaos zurückbleiben. Krimis dürfen durchaus ihre Leser aufwühlen. Eine Versöhnung in Form eines gelungene Endes ist aber wichtig. Nicht nur, weil es ansonsten der nächste Band einer Serie schwerer haben wird. Aber vielleicht erklärt das ja wiederum die Werbung mit dem Vorgänger.

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