Wenn Käse lügt

Die bei facebook eingeblendete Werbung ignoriere ich in der Regel. Sogar bei Produkten, die möglicherweise für mich interessant sein könnten. Ob mein Verhalten richtig ist, darüber lässt sich wohl streiten. Es soll aber nicht Thema heute sein, sondern eine Werbung, die ich entgegen meiner Gewohnheit nicht ignorieren konnte. Dabei gehöre ich nichtmal zur Zielgruppe für den „Veganic Pizza Cheese“.

Bei facebook und Twitter habe ich mich über das beworbene Produkt bereits gestern lustig gemacht. Zurecht, wie ich finde. Mir ging es dabei nicht darum, welche Ernährungsform die richtige ist oder um eine moralische Wertung, sondern um den Selbstbetrug von Menschen, die zu veganem Käse greifen. Wenn man auf tierische Produkte verzichtet, sollte man sie auch komplett weglassen und nicht versuchen, den Geschmack in imitierter Form doch noch zu bekommen. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie hart das ist. Aber niemand zwingt einem zu einer vegetarischen oder vegangen Ernährung.

Viel schlimmer als der Selbstbetrug ist jedoch noch das, woraus dieser „Käse“ gemacht wird:

Wasser, pflanzliches Öl (23%), Kartoffelstärke, modifizierte Stärke, Salz, Natriumpolyphosphat, vegane Aromen, Konservierungsstoff: Sorbinsäure, Beta-Carotin

Hinterfragen wir mal lieber nicht, was an dieser Stelle vegane Aromen sind. So genau möchte man das mitunter auch nicht wissen. Der Rest reicht mir zumindest völlig aus, um den Appetit zu verderben. Wer in den letzten Jahren nicht völlig hinter dem Mond gelebt hat, dürfte bei den Zutaten ein Déjà-vu bekommen. Richtig, da gab es doch eine Diskussion unter anderem bei foodwatch um den so genannten Analogkäse. Wenn man bei Google den Begriff eintippt, schlägt einem die Suchmaschine als Ergänzung „vegan“ vor. Ein Zufall ist das sicher nicht.

Veganer Pizzakäse ist, wenn man es genau nimmt kein Käse. Denn der besteht nun mal aus Dingen, die für Veganer nicht in Frage kommen. Allenfalls ist es ein Käseersatzprodukt, oder, um ehrlich zu sein: Schmelzfett. An dieser Stelle sei daher die Frage erlaubt, wie gesund eine vegane Ernährung noch ist, wenn man solche fragwürdigen Produkte zu sich nimmt. Analogkäse (und damit auch „Veganic Pizza Cheese“) ist ein Industrieprodukt. Mit heiler Natur hat das nicht zu tun. Hier wird meiner Meinung auf Kosten der eigenen Gesundheit Selbstbetrug begangen.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: wer meint, sich vegan ernähren zu müssen, darf das gerne tun. Aus Verantwortung für Tiere mag das auch angebracht sein. Ziel kann es aber nicht sein, sich selber zu schaden und Produkte zu sich zu nehmen, weil man eben doch Appetit auf „tierisches“ hat. Eine vegane Ernährung ist ohne „Veganic Pizza Cheese“ und ähnliches Zeug durchaus möglich – ich spreche da aus eigener Erfahrung. Wenn man jedoch feststellt, dass einem etwas fehlt im Speiseplan, sollte man diesen Hinweis ernst nehmen. Die vegane Ernährung ist dann möglicherweise nicht für einen geeignet.

Kommentar verfassen