Tödlicher Verlauf

Es gibt eine schwerwiegende Krankheit, auf die die meisten Menschen, gerade auch in Deutschland, mit Unverständnis reagieren. Wer nicht selber schon mal damit konfrontiert wurde, für den ist es gar keine richtige Krankheit.

Betroffene verschweigen daher aus (berechtigter) Angst vor den Reaktionen ihres Umfeldes, woran sie leiden. Gerade das aber verschlimmert in den meisten Fällen noch den Zustand. Die Rede ist nicht von AIDS oder Krebs, sondern von etwas ganz anderem: Depressionen. Der Tod bzw. Selbstmord der Schauspielerin Silvia Seidel hängt vermutlich auch damit zusammen. Bereits ihre Mutter sah nach schweren Depressionen keinen anderen Ausweg mehr als den Freitod.

Gerade in einer Lifestyle und Event-Kultur werden Depressionen aus der Wahrnehmung verdrängt. Immer gut drauf sein – Niedergeschlagenheit passt nicht dazu. Dabei nehmen die Auslöser von Depressionen weiter zu. Es gibt nicht nur eine genetische Disposition für die Krankheit, sondern ein ganzes Bündel von Ursachen, die alle zu Depressionen führen können. Leistungsdruck, Unzufriedenheit im Beruf, Überforderung, Prüfungsangst – vier von vielen Faktoren.

Seidel hat in einem Interview, welches sie letztes Jahr einer Illustrierten gegeben hat, geäußert, sie wüsste oft nicht, wovon sie ihre Miete zahlen soll. Auch finanzielle Sorgen bzw. Armut können Auslöser von Depressionen sein. Mehrfach wird Depression als Volkskrankheit bezeichnet. Allein in Deutschland leiden vier Millionen Menschen daran.

Depressionen mindern nicht nur die Lebensqualität, sondern führen im Extremfall auch zu Suizid. Für die Betroffenen ist der Umgang mit der Krankheit alles andere als leicht. Meist dauert es auch sehr lange, bis sie sich selber eingestehen, woran sie möglicherweise leiden und einen Arzt aufsuchen. Erschwert wird das immer auch durch Partner, Freunde und Bekannte. Je stärker der Erkrankte davon überzeugt ist, auf Unverständnis zu stoßen, desto größer wird der Sog, der ihn noch weiter nach unten in den Strudel der Depressionen zieht. Das Schlimme an der Erkrankung ist, wie verhältnismäßig leicht sie sich verbergen lässt – mangels sichtbarer körperlicher Symptome.

Den Betroffen helfen im Vorfeld einer ärztlichen Therapie, vor allem Aufklärung und Verständnis. Niemand muss sich schämen, weil er Depressionen – schon gar nicht ist man selber dran Schuld. Auch wenn unklar ist, ob der Tod von Silvia Seidel wirklich auf Depressionen zurück zu führen ist, sollte er zum Anlass genommen werden, wirksam über die Krankheit aufzuklären. Nicht nur in Illustrierten sollte das ein Thema sein, sondern auch schon in Schulen.

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