Gratiskultur im Meeting

Ob wir tatsächlich eine Mentalität haben, die dazu führt, möglichst alles kostenlos bekommen zu wollen, vom Kaffee zum Musik-Download, könnte zutreffen. Genetisch bedingt ist das auf jeden Fall nicht. Vor allem darf man dabei nicht einfach alles über einen Kamm scheren.

Ein Freigetränk in der db.lounge hat einen anderen Stellenwert als sagen wir mal der neuste Kino-Film, der sich per Zufall auf dem heimischen Fernseher „einfindet“. Im ersten Fall hat man als Kunde der deutschen Bahn über den Ticketpreis (1. Klasse), als Vielfahrer oder Inhaber einer bahncard 100 bereits viel Geld bezahlt – wenn auch für eine ganz andere Dienstleistung. Beim zweiten Fall handelt es sich schlicht und einfach um Diebstahl, nur dass er nicht im Laden um die Ecke mit physikalischen Gütern vollzogen wird, sondern rein virtuell ohne das angeblich jemand zu Schaden kommt.

Bleiben wir aber beim ersten Fall, denn an dieser Stelle soll es nicht um Urheberrecht gehen, sondern um etwas ganz anderes. Aufgerüttelt hat mich heute morgen ein Zitat von Hartmut Mehdorn (Früher mal bei der Bahn in leitender Position beschäftigt, jetzt Chef von Air Berlin) im Kölner Stadt-Anzeiger:

Sparen fängt im Kleinen an. Säfte, Kaffee und Kekse für Meetings gibt es nicht mehr.

Das muss man erstmal auf sich wirken lassen. Sparen, denkt man sich, ist eigentlich nicht verkehrt, vielleicht auch gerade richtig, wenn es um eine Firma geht, die tief in den roten Zahlen steckt und Verluste in dreistelliger Millionenhöhe macht. Das macht sie allerdings nicht, weil es Kleinigkeiten in Meetings gratis gibt bzw. gab. Ursache dafür sind andere Faktoren, die aber an dieser Stelle nichts zur Sache tun.

Es geht wirklich nur um Saft, Kaffee und Kekse. Stellen wir uns ein Meeting (oder Kunden-Termin) vor. Einmal mit und einmal ohne Getränke und Süßigkeiten. Lassen wir beide Bilder auf uns wirken. Der entscheidende Punkt ist der, dass wirklich etwas fehlt. Etwas, das zum guten Ton gehört, weil es eine Wertschätzung zum Ausdruck bringt und die Atmosphäre auflockert. Manche Dinge die kostenlos sind, erfüllen eine sehr wichtige Funktion. Auf den Punkt gebracht: „Ich möchte, dass sich meine Mitarbeiter oder Kunden in der Besprechung wohlfühlen.“

Wer an Kleinigkeiten wie Säfte, Kaffee und Kekse spart, spart an der falschen Stelle, denn diese Kleinigkeiten haben weniger mit der Gratiskultur oder -mentalität zu tun als mit einer Serviceleistung, die eine wichtige Funktion im sozialen Miteinander erfüllt.

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