Vereinnahmungen

Seit über zwanzig Jahre lese ich bereits die Süddeutsche Zeitung. Lese sie gerne. Eigentlich, denn in letzter Zeit schleichen Untertöne in einige Artikel, die mir nicht gefallen. Da wird hemmungslos gegen die iPhone-App polemisiert, eine Debatte um die Gratiskultur auf Stammtischniveau geführt – und dann das.

Das furchtbare Attentat in Norwegen wird zum Anlass genommen, bissige Seitenhiebe auszuteilen. Natürlich hat der Täter Ego-Shooter gespielt, diese auch noch lobend als gutes Training hervorgehoben. Genüsslich wird in SZ darüber schwadroniert. Killer mit Killerspielen gleichgesetzt. Solche Reflexe kennt man mittlerweile und die Vergleiche werden durch ständige Wiederholung nicht war.

Als besonders erbärmlich fand ich am vergangen Mittwoch im Artikel „Das Ende vom Anfang“ folgende Abschnitt:

Unter Islamkritikern herrscht meist ein schriller Ton, und unter etlichen Bloggern sowieso. Wenn Islamkritiker dann Blogs schreiben, entsteht eine of aufgeladene Atmosphäre.

Eine Steigerung. Islamkritiker, Blogger, bloggender Islamkritiker. Selbst wenn man die Steigerung in der Form nicht sieht, bleibt die Aussage, dass Blogger nur schrill können. Da ist sie wieder, die Abgrenzung zum Journalismus. Abgrenzung? Genau wie sich die sich der rechte Mob vom Islam abgrenzt, grenzt sich der Autor des SZ-Artikels von den Bloggern ab.

Ich weiss nicht, ob das nötig ist; ob meine Zeitung das nötig hat. Das im Freitags-Magazin der selben Zeitung ein langer Artikel über Thilo Sarrazin, so wie er privat ist, zu finden ist, stimmt mich traurig. Noch hab ich ihn nicht gelesen. Vermutlich werde ich mich wieder aufregen

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