Strucks Afghanistan

Diesmal war es der richtige Montag, auch Ort und Zeit passte. Gegen aller Befürchtungen fand die Lesung mit Peter Struck auch wie geplant statt.

Struck, der sich erst einmal ein Buch aus dem Publikum borgen musste, ist zwar kein brillanter Vorleser. Aber er kann fesselnd erzählen, sobald er sich von seinem eigenen Text löste. Es war auch genau das, was den Abend zu einem interessanten Erlebnis machte.

Das Zeitgeschehen ist aus der Presse hinlänglich bekannt. Man möchte, wenn man einer Person wie Struck zuhört, die Geschichten dazu und drum herum hören. Das das Verhältnis zu den USA am Anfang des zweiten Irak-Krieges sehr angespannt war, ist hinlänglich bekannt. Deutschland stieß mit seiner Haltung, sich nicht an den Kampfeinsätzen zu beteiligen, auf Unverständnis und Ablehnung. Insbesondere der damalige Verteidigungsminister Rumsfeld hetzte gegen die, die sich nicht der „Koalition der Willigen” anschließen wollten. Das diese Koalition ein bewusstes unterlaufen der NATO-Struktur darstellte, war von Peter Struck ebenso zu erfahren, wie das, worüber er sich bei einem seiner ersten Besuche im Pentagon am meisten Sorgen machte.

Nicht Rumsfeld war das schlimmste, was es zu überstehen galt, sondern die Poller am Eingang, die seinen Vorgänger Scharping samt Auto gestoppt hatten, worauf dieser ins Krankenhaus musste.

Über seinen Vorgänger im Amt des Verteidigungsministers verlor Struck nicht viele Worte, dagegen konnte er lebhaft darstellen, wie es zu der Entscheidung kam, ihn zum Nachfolger Scharpings zu machen. Eine Rolle, bei der seine Frau viel mehr als Struck selber ahnte, wie sehr sie sein und ihr Leben ändern würde. Erst nach dem Struck das Amt übernommen hatte sei ihm klar geworden, was es heißt, als eine Person der Sicherheitsstufe eins behandelt zu werden. Rund um sie Uhr Personenschutz, Einbau von Panzerglasfensterscheiben in seiner Wohnung in Uelzen, die so schwer sind, dass er heute die Terrassentür nur mit Mühe aufbekommt.

Sein großes Thema jedoch, über das er leidenschaftlich diskutierte, war und ist Afghanistan. Seine Aussage, warum Deutschland auch am Hindukutsch verteidigt wird, konnte er plausibel vermitteln. Nach wie vor steht er hinter der Entscheidung, deutsche Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Den Einwand einer Zuhörerin, dass dort nichts besser aber vieles schlechter geworden sei, parierter er mit Fakten. Tatsächlich hat sich in Afghanistan trotz der Anschläge durch die Taliban einiges geändert. Insbesondere die Rechte von Frauen seien gestärkt worden. Zudem gibt es erstmal einen freien Zugang zu Wasser für die gesamte Bevölkerung und vieles mehr. Ein Abzug der deutschen Truppen, die in der afghanischen Bevölkerung große Sympathie genießen, wäre eine Katastrophe. Die selbe Ansicht wurde vor ein paar Monaten von zwei Grünen-Politikern (Bente Scheller, Leiterin des Afghanistan Büros der Heinrich Böll Stiftung in Kabul und Winfried Nachtwei, MdB a.D., Menschenrechts- und Sicherheitsexperte), bei einer Veranstaltung in Bielefeld vertreten.

Zum Ende der Veranstaltung bekräftigte Struck noch einmal, dass er nie aus seiner Partei austreten würde und das er an eine wieder erstarkenden SPD fest glaubt.

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