Leben in der Lostrommel

Leben in der Lostrommel

Über die Bahn habe ich in der Vergangenheit bereits eine Menge geschrieben. Oft auch gelästert über Unzulänglichkeiten und Verspätungen. Das alles eigentlich viel schlimmer ist, als man als normaler Fahrgast ahnt, hat sich am Wochenende gezeigt. Am Samstag haben DER CHEF und ich eine der aufgenommenen Konserven von vergangenen Woche geschaut: Kontraste (ARD) vom 14.01.2010. Direkt der erste Bericht drehte sich um die ICES, bei denen die Bahn anscheinend auf Kosten der Sicherheit spart.

Wie regelmäßige Pendler, zu denen ich mich auch zähle, bereits seit längeren Vermuten, sind die vielen Zugausfälle und Verspätungen beim ICE nicht nur das Resultat „witterungsbedingter Störungen”.Wirkliche Ursache ist, dass die Züge nicht oder nur nachlässig gewartet werden.

Auf die Mängel an den Zügen reagiert die Bahn mit zwei Maßnahmen: Defekte Teile wie Bremsen werden einfach abgeschaltet. Schließlich hat ein Zug ja mehrere davon und zudem lässt sich die Sicherheit auch dadurch herstellen, dass man einfach auf den Strecken langsamer fährt. Was passiert, wenn dann der Zug trotzdem mal bremsen muss, weil Hindernisse auf den Schienen liegen, wurde in der Vergangenheit mehr als deutlich.

Ich für meinen Teil habe das Gefühl, von Montag bis Freitag meinen Leben zweimal täglich in die Lostrommel zu werfen und zu hoffen, dass auf der Strecke Bielefeld Essen und zurück nichts passiert. Die Bahn spielt mit dem Leben ihrer Kunden, ist mein Eindruck. Das ist einfach nur unverantwortlich und sollte umgehende Konsequenzen für sämtliche Verantwortlichen haben.

8 Replies to “Leben in der Lostrommel”

  1. Wenn Hindernisse plötzlich auf den Schienen auftauchen, ist es ohnehin egal wie schnell Du bist. Aber Du hast schon recht, es ist wie russisches Roulette.

    Und was das Abschalten einer Druckluftbremse angeht, das könnte ja mal Thema bei einem Twittagessen sein, sofern das jemanden interessiert.

  2. Die Diskussion um die Sicherheit der Bahn kommt ja gerade richtig in Gang. Befeuert durch die völlig überzogenen Anordnungen des Eisenbahnbundesamts. Würde man diese auf den Straßenverkehr anwenden, hieße das: Wenn bei einem einzelnen VW Golf ein technischer Mangel festgestellt wurde, werden alle VW Golfs dieses Landes per behördlicher Anweisung stillgelegt, bis an jedem Fahrzeug diese Komponente überprüft oder gar per se ausgetauscht wurde.

    Ich stelle mir da die uralte Frage: Cui bono?

    Wie man hört, hat ja die Automobilindustrie gerade gewisse Absatzschwierigkeiten.

  3. @elderdesign: „überzogenen Anordnungen des Eisenbahnbundesamts“? Das meinst du doch nicht ernst, oder? Ich für meinen Teil finde es wenig lustig, in einem Zug mit zum Teil abgeschalteten Bremsen zu sitzen. Es geht nicht darum, welche Anforderungen an Sicherheit gestellt werden, sondern das das Sicherheitssysteme einfach abgeschaltet und notwendige Wartungen nicht durchgeführt werden. Enschede schon vergessen???

  4. Nicht Sicherheitssysteme werden abgeschaltet, sondern eine von mehreren Druckluftbremsen. Bremsen können auf Grund von Störungen abgeschaltet werden. Das bedeutet aber nicht, dass der Zug nicht mehr bremsen kann und/oder ohne Bremsen fährt. Hier verwechselst Du Äpfel mit Birnen. In diesem Bericht wird leider wieder mit Halbwissen geglänzt, dass ich nur den Kopf schütteln kann. Allerdings wäre mit regelmäßiger Wartung so manche Störung vermieden worden. Wie gesagt, bei einem Twittagessen könnte ich zur Aufklärung beitragen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren