Was noch zu retten ist

Was noch zu retten ist

Bevor sich ein Politiker in den nächsten Tagen zur Rettung von Karstadt, eigentlich auch zur Rettung von Arcandor äußert, sollte er gut überlegen. Er sollte dabei nicht nur auf die kurzfristige Sicherung von Arbeitsplätzen und mögliche Wählerstimmen schielen, sondern auch in die Zukunft blicken.

Das Karstadt vom Metro-Konzern geschluckt wird, erscheint immer wahrscheinlicher. Alleine wird Karstadt nicht überlebensfähig sein. Umstrukturierungen und Stellenabbau werden folgen. Es stellt sich daher die Frage, ob der Staat Karstadt eine Mitgift geben sollte oder nicht.

So bitter das klingen mag: Karstadt ist kein staatstragender Konzern. Zudem hat Karstadt keine Substanz mehr. Das Tafelsilber hat Thomas Middelhoff bereits verkauft. Sein Nachfolger, der den Laden „nicht besenrein” übernommen hat, steht mehr oder minder mit dem Rücken zur Wand. Es fehlt eine zukunftsfähige Strategie.

Wer als Politiker jetzt Staatshilfe für Karstadt, für Arcandor fordert, tut dies entweder aus Populismus heraus oder aus Unkenntnis. Sicher lassen sich kurzfristig Arbeitsplätze retten. Dies wird aber auf Kosten kommender Generationen geschehen, die die Lasten der gesamten Staatsbürgschaften und faulen Krediten zu tragen haben. Die vermeintliche Rettung von Karstadt kommt einer Politik der verbrannten Erde gleich. Der Staat kann und darf nicht kurzfristige Erfolge anstreben, ohne dabei die Folgekosten zu berücksichtigen.

Von einem Politiker sollte man erwarten können, dass er weitsichtig genug ist, um den aus der Sicht der Mitarbeiter von Karstadt berechtigten Forderung nach Staatshilfe mit sachlichen Gegenargumenten zu begegnen und um Verständnis zu werben. Das ist sicher nicht angenehm, aber im Interesse künftiger Generationen notwendig, deren Anwalt der Politiker auch sein sollte.

Der Niedergang von Karstadt wird unbestreitbar Arbeitsplätze kosten. Das zu zulassen, hat nichts mit Kapitalismus zu tun, sondern, so hart es auch klingen mag, mit Weitblick.

2 Replies to “Was noch zu retten ist”

  1. Dem würde ich völlig zustimmen. In die bestehenden Strukturen bei Arcandor noch Steuergelder zu blasen wäre reine Verschwendung und würde ein Ende nur hinauszögern. Ich finde aber doch auch, dass man Karstadt nicht unbedingt dem Untergang überlassen muss, sondern dass man doch langsam mal beginnen sollte, konstruktive Vorschläge zu einem Fortbestehen zu entwickeln. Meiner Meinung nach muss Arcandor zerschlagen werden. Dann haben die einzelnen Sparten auch wieder Luft, um individuelle und zukunftsfähigere Strukturen zu bilden, die langfristig Arbeitsplätze schaffen und diese dann auch sichern können.

  2. Das sehe ich genauso. Porsche und Schaeffler können sich hier auch gleich einreihen. Aber ich kenne doch unsere Politiker, die blasen den Dilettanten noch Steuergelder in den A… und nach der Wahl gehen die mit Pauken und Trompeten in den unausweichlichen Konkurs.

    Ich frage mich, warum die Arcandor-Mitarbeiter für Staatshilfen demonstrieren? Die sollen lieber die Managementdeppen rausschmeißen, schließlich haben die es verbrockt.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren