Noch gut lachen

Noch gut lachen

Obwohl die GDL heute wieder Kindergartenfest feiert, sitze ich derzeit bequem im ICE, der derzeit nur fünfzehn Minuten Verspätung hat. Nun gut, ich solle über einen Streik nicht so abwertenden sprechen, denn schließlich ist es absolut unfair, dass sich Lockführer von ihrem Gehalt nicht mehr die Hafengebühren für ihre Yacht bezahlen können.

Nein im Ernst. Ich wäre der letzte, der nicht für eine gerechte, angemessene Bezahlung währe. Allerdings sei es erlaubt zu fragen, was in diesem Fall angemessen ist. Ist es gerecht, wen ein Lockführer mehr verdient als ein Doktorand an einer deutschen Universität? Ist es gerecht, wenn Busfahrer mit ungleich höherer Verantwortung weniger verdienen? Warum muss sich eine aufopfernde Altenpflegerin mit einer Bezahlung abfinden, die einem die Tränen in die Augen treibt?

Die Fragen kann jeder für sich beantworten – vielleicht sogar während des Wartens im Stau, denn viele Pendler sind auf Grund des Streiks aufs Auto umgestiegen. Was das an Umweltschäden anrichten, wäre auch mal interessant zu wissen.

11 Replies to “Noch gut lachen”

  1. Die Frage der gerechten Lohnverteilung habe ich persönlich schon lange aufgegeben. Man sollte besser nicht erst drüber nachdenken, schadet nur der guten Laune bzw. Arbeitsmoral. ;)

  2. Welcher Lokführer bekommt mehr als ein Doktorand.
    Das kann wohl nur auf einem Plakat der DB gestanden haben.

    Der Bahn geht es noch zu gut. Ich hoffe, dass bald ein unbefristeter Streit kommt.

    Selbst die geforderten 31% sind nicht mal ein Drittel von dem, was sich Herr Mehdorn 2005 und 2006 als Lohnerhöhung gönnte.

  3. Ich schätz oft deine Beiträge – doch zum Thema GDL Streik eher nicht. Weder gibts ne Quelle für deine Behauptung mit den Doktoranten (und riecht mir einfach zu sehr nach Stammtisch) und zweitens ist immer die Frage woran man sich orientiert. Wenn dem so sei das Lokführer mehr als Doktoranten verdienen, verdienen vielleicht Doktoranten zu wenig? Deine „Argumentation“ ist ein Beitrag zu Lohndumping und dem drehen der Gehaltsschraube nach unten. Und wenn du es gut findest, dann nimm doch am besten immer die Leute der Lebensmittelindustrie – hab gehört die sollen am wenigstens verdienen und können damit doch super als Status quo herhalten ;)

  4. @Markus: Ich zitiere mich mal selber: „Warum muss sich eine aufopfernde Altenpflegerin mit einer Bezahlung abfinden, die einem die Tränen in die Augen treibt?“

    Ich glaube nicht, dass mein Argumentation ein Beitrag zu Lohndumping ist. Ich bin für eine angemessene Bezahlung, ganz klar. Aber 31 Prozent mehr Gehalt ist definitv nicht angemessen, wenn man als Vergleichsmaßstab andere Mitarbeiter bei der Bahn heranzieht, die ein ähnliches Tätigkeits bzw. Verantwortungsprofil haben.

    Zum Thema Bezahlung von Doktoranden finden sich unter anderem hier etwas. Ein Anfangsgehalt von 2.300 Euro Brutto ist nicht gerade fürstlich…

  5. Ich bin dafür, dass endlich auch einmal der Bahnvorstand in den Streik geht. Es ist wirklich nicht fair, dass ein amerikanischer Manager eines mittelmäßig erfolgreichen Konzerns mehr das dreifache vom dem verdient was Herr Mehdorn heute bekommt.
    Der eine oder andere Hunderttausender müsste da doch noch drin sein!? … das wären immer noch weniger als 10% Gehaltserhöhung!

    … immerhin will die GDL stolze 31%!!

    Naja: Mehdorn erhält nur lächerlich 3 Millionen pro Jahr! Unglaublich! Ob ich mich dafür morgens aus dem Bett quälen würde – bei diesem Stress???

  6. Ich bin Eisenbahner, Gewerkschaftsmitglied und Anhänger der ursprünglichen Sozialdemokratie – aber trotzdem empfinde ich das Verhalten und die Forderungen der GDL eine Frechheit!
    Es gibt in Deutschland ca. 300 Eisenbahnunternehmen, alle kleiner als die DB AG und alle beschäftigen Lokführer. Fast alle zahlen weniger als die DB AG und das bis zu 25%. Gutes Beispiel ist die AKN hier bei uns im Norden: Hier befindet sich die GDL im Moment auch im Tarifkonflikt mit Streik und so. Der AKN-Lokführer verdient z.Z. ca. € 100,– weniger als sein DB-Kollege und die GDL fordert gerade mal 3,5% sofort und nochmal 2,5% ab Juli 2008…. Wo ist hier die Verhältnismäßigkeit wenn man für die gleich Arbeit und Verantwortung im einen Unternehmen mit wenig glücklich ist und im anderen für die gleiche Leistung das 6-fache fordert??

    Ein Assistenzarzt nach 13 Jahren Schule und 5 Jahren Studium bekommt als Einstieg in kommunalen Krankenhäusern zwischen € 2300,– und € 2500,–, der Lokführer soll nach seinem Hauptschulabschluss und maximal 3 Jahren Ausbildung € 2500,– als Einstieg bekommen???

    Es gibt noch viele Punkte, die die GDL unsympathisch machen – alleine dass diese Minigewerkschaft nicht nur den Vorstand des Konzerns erpresst, nein sie nimmt auch gleich 210000 Mitarbeiter in „Geiselhaft“ reicht mir schon!

  7. Da möchte ich dann auch noch kurz erwähnen, dass die Realität und die Forderung einer tariflichen Lohnerhöhung ja nicht unbedingt korellieren. Letztlich geht es der GDL doch gar nicht um die 31%. Wenn von dem Betrag noch 20 übrig bleiben hätten sie trotzdem viel dazu gewonnen. Der eigentliche Kasus knackus ist immer noch die Schaffung eines eigenen Tarifvertrags und wenn der durch geht wird das Schule machen.
    Und dafür lohnt sich auch die lange Streikdauer. Sicher werden die großen Gewerkschaften unter dieser Entwicklung eine Menge an Macht verlieren, aber letztlich ist es doch im Sinne der Arbeitnehmer. Wenn ihre gewerkschaftliche Vertretung nur noch den kleinstmöglichen Konsens erreicht muss sich eben etwas verändern.

  8. Das Thema klingt ganz nach dem „Heyß Eisen“ von dem Hans Sachs gesprochen hat. Aber mal ernsthaft: dieser Streik ist nicht nur ungerechtgertigt, er wird vor allem als Machtspiel missbraucht. Hier geht es doch nicht um die Lohnbedingungen der Lokführer. Die Lokführer lassen sich hier von Herrn Schell instrumentalisieren und zum Werkzeug seines persönlichen Erfolgs machen. Der Mann, die GDL und der Streik sind so sinnvoll wie ein Kaktus am Nacktbadestrand.

  9. @Mitschreiber: Behaupten kann jeder, beleg doch mal was du so anführst, damit man deiner Meinung zumindest eine Begründung anerkennen kann. Zustimmung wirst du von meiner Seite wohl nicht erwarten…

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren