Karneval und Faschismus

Karneval und Faschismus

Das ich, obwohl Rheinländer, nicht wirklich viel mit Karneval und dem der fünften Jahreszeit anfangen kann, habe ich bereits mehrfach erwähnt. Aber, auch wenn ich Karneval nicht mag, so gilt für mich der Spruch: „Leben und leben lassen.” Wenn es anderen Spaß macht (und offensichtlich niemanden, außer der jeweiligen Leber, schadet), dann sollen sie halt feiern. Stört mich nicht (im Gegensatz zu Fußballfans, die randalieren, aber das ist dann wieder eine andere Geschichte).

Jedenfalls, um auch mal endlich zum Punkt zu kommen: Der Spruch eines Mitreisenden am Aschermittwoch, dass die kollektive Geisteskrankheit nun endlich vorbei sei, geht aus meiner Sicht deutlich über die Grenzen, an denen griesgrämige Karnevalsmuffel stehen, hinaus. Fasching nicht zu mögen ist ja kein Thema, aber den Feiernden zu unterstellen, sie wären geisteskrank, geht entschieden zu weit.

Solche Aussagen zeigen eine Form des elitären Faschismus und sagen mehr über denjenigen aus, von dem sie stammen als über die, die mit dem Ausspruch als minderwertige klassifiziert werden sollen. Ein bisschen jeck sind sie schon, die Närrinnen und Narren, aber mehr auch nicht. Wer sie als geisteskrank bezeichnet, hat ein Menschenbild, in dem er sich selbst an der Spitz sieht und von seiner eigenen Meinung mehr hält als von anderen Menschen.

Noch mal: Ich mag Karneval auch nicht so besonders, aber es gehört einfach zum Wesen der Demokratie, in der wir das Glück haben leben zu dürfen, andere Verhaltensweisen zu tolerieren. Das ist nicht geisteskrank, sondern normal, ja sogar Grundvoraussetzung für ein demokratische Gesellschaftsform. Wer das anders sieht, positioniert sich nicht nur außerhalb der Gesellschaft, sondern auch außerhalb der Demokratie.

One Reply to “Karneval und Faschismus”

  1. harte Worte, aber auch verständlich…

    Andererseits: in Mainz hatte ich den Eindruck, dass der Frohsinn gesetzlich verordnet wurde, sprich: ohne wahre Freude gefeiert wurde…

    JBJ

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren