Wirtschaftlichkeit

Wirtschaftlichkeit

Wer sich immer schon mal gefragt, wo den die ganzen Hartz-IV-Empfänger herkommen (und ob es irgendwo in Deutschland vielleicht eine Fabrik gibt, wo fleißige Heinzelmännchen diese backen), für den gibt es ein paar Einschichten von mir.

Heute Mittag hatte ich einen Termin bei meiner neuen Ansprechpartnerin bei der Agentur für Arbeit, um mit ihr noch mal über meinen Fall und die Ablehnung des Antrags auf Förderung der Ausbildungsmaßnahme zu sprechen. Direkt vorweg: Sehr war sehr nett, kompetent und hat sich auch eine Stunde für mich Zeit genommen – also 30 Minuten mehr, als mein bisheriger Berater mir insgesamt in dem dreiviertel Jahr meiner Arbeitslosigkeit an Zeit gewidmet hat.

An der Sache an sich konnte sie leider nichts ändern. Der Ablehnungsbescheid ist so, wie er ist, sachlich nicht falsch – wohl aber der gesamte bisherige Verlauf meiner Beratung. So fehlten in meinem Profil wichtige Einträge, Daten waren ungenau erfasst oder fehlerhaft. Wäre ich von Anfang an bei ihr gewesen, so mein Eindruck, wäre der ganze Fall völlig anders gelaufen. So aber stehe ich mit dem Rücken zur Wand und kann mich nur an einen ganz dünnen Strohhalm der Hoffnung klammern.

Fakt ist, dass die Förderungsmaßnahe selber ist nicht im Bildungszielplan 2006 für die AfA Bielefeld steht und mit einer Dauer von zwei Jahren wohl auch zu lang wäre – zumal es keinen Arbeitgeber gibt, der gegenüber der Agentur für Arbeit die Aussage treffen würde, er würde mich nach der Maßnahme einstellen. So ist es denn eine Frage der Wirtschaftlichkeit, mir die für mich dringend notwendige Förderung zu versagen.

Noch zynischer wird es mit Blick auf Dezember, wenn ich ins Arbeitslosengeld II rutsche. Dann koste ich der Agentur für Arbeit nichts mehr, also besteht von dort aus kein Interesse, mich in irgendeiner Weise zu qualifizieren oder weiterzubilden. Mich als Problemfall erbt dann quasi die Stadt Bielefeld, die dann wie üblich bei Hartz-IV-Empfängern vorgehen wird.

Von einer für mich angemessenen Qualifikation oder Förderung kann ich dann jetzt schon mal verabschieden. Da ja auch noch das Alter bei mir dazukommt, ist der Weg vorgezeichnet – in Farben, die mir überhaupt nicht gefallen.

Um auf den Anfang zurück zukommen: Hartz-IV-Empfänger werden zum Teil auch dadurch gemacht, dass der alleinige Maßstab der Agentur für Arbeit anscheinend nur noch die Wirtschaftlichkeit ist. Das würde auch den im letzten Jahr erzielten Überschuss erklären. Noch mehr einsparen ließe sich dadurch, daß in den zwölf Monaten, wo es einen Anspruch auf Arbeitslosengeld gibt, auf jegliche Beratung und Förderung komplett verzichtet wird. Was danach mit den Menschen passiert, ist schließlich nicht mehr das Problem der AfA.

Ich für meinen Teil werde zumindest so lange ich noch die Kraft dafür habe, weiterkämpfen. Gegen den Ablehungsbescheid habe ich bereits Widerspruch eingelegt und bei der Beschwerdestelle darauf bestanden, dass sich der Leiter der Beschwerdestelle meiner bereits 14 Tage zurückliegende Beschwerde annimmt. Mir wurde zugesagt, dass er sich am kommenden Montag bei mir persönlich melden wird.

Ob das was passiert, denke ich eher nicht, aber zumindest wurde mir seine Durchwahl gegeben. Passiert bis Donnerstag nächster Woche nichts, gehe ich dann zum Direktor der AfA in Bielfeld. Am Wochenende kann ich ja schon Mal die Entwürfe für die Briefe schrieben, die an Politiker und Presse gehen werden. Zwar bezweifle ich, dass das mein Fall überhaupt irgendjemanden noch interessiert, aber versuchen kann ich es ja trotzdem.

5 Replies to “Wirtschaftlichkeit”

  1. Das mit der Wirtschaftlich ist wirklich pervers und mal wieder unverständlich. Ein Skandal. Zieh das auf jeden Fall durch. Das Schlimmste ist, wenn man anfängt sich mit Situationen abzufinden. Aber davon gehe ich bei Dir nicht aus.

    So einen Fall sollte man auch mal im Blogdorf breittreten, wenn Du das willst, bin ich mit meinen bescheidenen Mitteln dabei.

  2. Gerne. Ich bin mal auch gespannt, was meine Beschwerde bringt. Wobei ich fürchte, es heißt dann: Ja, der Herr X, den werden wir dann mal ermahnen, tut uns aufrichtig leid. Und das wars dann. Ich seh mich schon die Hartz-IV-Unterlagen ausfüllen :-(

  3. Du wohnst definitiv in der falschen Stadt. IChhabe bei der AfA, obwohl die schon lange (!) nicht mehr für mich zuständig waren, Beratungsgespräche bekommen wenn ich eins wollte, viele gute Tipps, Hilfe in Form von Schreiben und Anrufen, usw. usf.

    Bei mir war es nämlich die Berufsgenossenschaft die sich 1.5 Jahre lang nen Dreck um alles gescherrt hatte. Denen war es egal. Erst zahlte das AfA, dann Hartz-IV. Erst als ich mit einem Anwalt gedroht hatte und das Arbeitsamt (!) Druck machte, gab es ein Zusage. Ab da musste die BG dann zahlen.

    An manchen Tagen könnte ich mich stundenlang übergeben wenn ich höre wie ständig auf die AfA geschimpft wird. Die können nix, die tun nix, die interessiert nix.
    Komisch, bei mir ist das immer (!) alles ganz anders. Nicht nur bei der AfA, auch beim Job-Center sind die verdammt engagiert. Und da geht alles recht flott, freundlich und kompetent.

    Könnte es vielleicht daran liegen, dass viele Arbeitslose denken sie müssten nur einen Antrag abgeben udn der Rest würde sich von alleine erledigen? Das viele Arbeitslose schon mit einem einfachen Antrag völlig überfordert sind, den sofort zur Seite legen und anfangen zu schimpfen. Könnte es sein, dass die Arbeitslosen, die am lautesten schimpfen, die faulsten und dümmsten Schweine sind? (Ist jetzt nicht auf dich bezogen)

    Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, wenn etwas nicht klappt oder zu lange dauert, dann reichen oft 1-2 Anrufe um die Sache zu klären. Danach fluppt es auch.

  4. @Ralf: Ich fürchte, der erste Satz trifft es wohl auf den Punkt. Wobei: Feundlichkeit in Ostwestfalen, dass sind dann wohl auch zwei Dinge, die nicht zusammen passen. Ich weiß allerdings, dass es bei der AfA in anderen Städten eben anders aussieht.

    Mit Anträgen bin ich nicht überfordert und eine gewisse Hartnäckigkeit habe ich wohl auch – wenn ich aber heute wieder in der Zeuitung lese, dass der Überschuss in diesem Jahr noch größer ist als erwartet, könnte ich kotzen. Wer hat eigentlich die Idee gehabt, die Agentur müsse Gewinne machen?

  5. @tboley: Mein Kommentar bezog sich nicht auf dich. Ich gehe nicht davon aus das du resignierst und tatenlos zu Hause sitzt.
    Dein Beitrag erweckt bei mir allerdings den Eindruck, als wenn die AfA absichtlich untätig ist damit sie Überschüsse erzielen kann. In gewisser Weise bügelst du mit deinem Beitrag alle Angestellten der AfA ab und unterstellst ihnen Untätigkeit. Denn die Überschüsse werden ja bundesweit erzielt, nicht nur in Ostwestfalen von einem untätigen Berater.

    Wer hat eigentlich die Idee gehabt, die Agentur müsse Gewinne machen?
    Ich denke mal du. Und ich. Und alle anderen die mal gearbeitet haben und Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt haben. Und dann alle diejenigen, die sich beschwert haben das Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden weil die Lohnnebenkosten in Deutschland zu hoch sind.
    Ja blöd, ne!? Erst geht man arbeiten und beschwert sich das man so viele Abzüge hat. Dann verliert man seinen Job weil die Firma wegen zu hoher Löhne (und Lohnnebenkosten) in ein Billiglohnland abwandert. Und dann beschwert man sich das Hartz-IV so niedrig ist bzw. die AfA Überschüsse erzielt.

    Ich habe knapp 850 Euro Hartz-IV bezogen und war damit recht zufrieden. Ich kann nicht behaupten das die Regelsätze zu niedrig wären. Denn als ich gelesen habe was derzeit so an Löhnen geboten wird, da dachte ich mir glatt ich könnte besser bei Hartz-IV bleiben. Es gab Angebote von 800 – 1.000 Euro (netto). Wo liegt der Anreiz für 150 Euro mehr 160-180 Stunden im Monat arbeiten zu gehen?

    Aus der Sicht eines Erwerbstätigen ist es nur schwer verständlich warum die AfA nicht zusehen sollte das sie möglichst viel Geld einspart. Das war ja Sinn und Zweck der Hartz-IV Reform. Wirklich sauer werde ich nur dann, wenn die Überschüsse nicht dazu verwendet werden die Lohnnebenkosten, genauer genommen die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, zu senken.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren