Zweite Staffel

Lange haben wir drauf gewartet, sehnsüchtig jeden Tag ihre Seite aufgerufen, jetzt war es am vergangenen Samstag endlich soweit: die zweite Staffel von Angela Merkles Vidocast hat endlich begonnen.

Wie bereits erwähnt, wird die zweite Staffel von einem neuen Team aus München produziert. Die verwandtschaftlichen Beziehung des Firmeninhabers zu Edmund Stoiber soll bei der Auftragsvergabe keine Rolle gespielt haben. Ähnlich verhält sich das wohl auch mit Qualitätsvorgaben. Aber schön der Reihe nach.

Auf der Webseite gibt es den neuen Vidocast zum ersten Mal auch eingebunden in einer Flashplayer, der sich sofort nach Aufruf der Seite dran macht, dass Video zu streamen. Möglicherweise ein erster You Tube Ansatz. Im weiteren Verlauf finden sich noch weitere Parallelen.

Klick mich, ich bin ein Vorspann

Der 14 Sekunden dauernde Vorspann ist auf jeden Fall etwas dynamischer. Allerdings sind die Farben deutlich zu dunkel und der Kontrast ist sehr mau. Statt die Bundeskanzlerin mit bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten zu zeigen, gibt es ein paar Impressionen aus Berlin und dem Kanzler(innen)amt, vermischt mit den Nationalfarben. Die letzte Einstellung im Vorspann hat zwar einen neckischen Mausklick auf eine Pseudoabspieltaste, aber ansonsten wirkt sie wesentlich statischer. An dieser Stelle war die alte Version lebendiger, weniger rückwärts gewannt.

Kann aber auch sein, dass unbedingt Schwarz-Rot-Gold untergebracht werden sollten – damit auch ja niemand vergisst, dass Frau Merkel die deutsche Bundeskanzlerin ist.

Buh, da bin ich wieder!

Dann die ersten Bilder von der Kanzlerin. Meine Güte, was habe ich mich erschreckt! Die Bildqualität ist mit schlecht noch positiv beschrieben. Der Kameramann scheint entweder sehr nervös zu sein oder auf Koks, denn das Bild wackelt die ganze Zeit und vermittelt ein Flair, wie es die meisten Videos auf You Tube haben. Wird den Leuten heute nicht mehr beigebracht, ein Stativ zu verwenden? Oder ist dieser Stiel bewusst so gewählt worden, um den Eindruck einer Kriegsberichtserstattung zu vermitteln?

Die ersten Worte der Bundeskanzlerin würde zumindest dazu passen. Statt einer Begrüßung heißt es:

Wir haben ein Problem in Deutschland

Wäre hätte das gedacht! Eine Aussage, der ich aus ganzem Herzen zustimmen kann. Das Problem hat sogar einen Namen: Angela Merkel
Von der anderen Seite betrachtet, könnte das Problem aber auch sein, dass Frau Merkel das Lächeln endgültig verlernt hat. So schlimm wie diesmal hat sie in den letzten Folgen der alten Staffel nicht ausgesehen. Auch könnte es ein Problem sein, dass das Zentrum für Kreativität in der linken Gehirnhälfte angesiedelt ist. Diese Verortung wirkt sich vermutlich auf die eigene politische Haltung aus und würde erklären, warum die neue Produktionsfirma des Videocasts durch die Abwesenheit von Originalität und kreativen Ideen glänzt.

Da es aber unhöflich ist, Menschen nicht ausreden zu lassen, hören wir mal weiter der Bundeskanzlerin zu:

von dem ich mich frage, ob das immer so bleiben muss

Wir sind ja immer noch bei dem Problem. Selbstverständlich muss das nicht so bleiben. Auch der der Vorgänger im Amt hat bewiesen, dass vorgezogene Neuwahlen ein treffliches Mittel sind, um ganz schnell wieder aus Berlin zu verschwinden. Geben sie sich doch, so wie es Roman Herzog mal in einem anderen Zusammenhang gefordert hat, einen Ruck, Frau Merkel.

Wussten Sie eigentlich, dass der MP3-Player in Deutschland erfunden wurde

Huch, habe ich jetzt doch die falsche Datei runtergeladen und sehe mir da gerade ein Quizsendung an? Hält vielleicht sogar Günther Jauch (der soll ja für Geld so einiges machen) die Kamera?

und dann trotzdem auf den Markt kam von einem ausländischen Unternehmen? So ähnlich ging es auch mit dem Fax.

Ein alter Hut, der gerne immer wieder als Beispiel genommen wird. Wenn ich mich nicht irre, ist die Ursachen für diese Entwicklung aber weniger in verpfuschten Gesetzten zu finden, sondern in der sehr konservativen Haltung deutscher Manager. Dafür, dass diese wichtige Trends verschlafen haben, gibt es zahlreiche Belege. Unter anderem war die Arroganz der deutschen Autobauer die beste Starthilfe, die japanischen Firmen für ihre Wagen bekommen konnten. Diese entwickelten sich vom belächelten Produkte zu einer bedrohlichen Konkurrenz für deutsche Firmen. Wagen aus Fernost liegen nach wie vor in der ADAC-Pannenstatistik auf den besten Plätzen. Gerne wird in diesem Zusammenhang auch an die Sache mit dem Elch erinnert.

Zurück aber zur Bundeskanzlerin. Das was sie mit der Betonung der ausländischen Unternehmen macht, ist eine gefährliche Gratwanderung. Im Abgrund lauern Fremdenfeindlichkeit und beschränkte Nationalpolitik.

Wir wollen uns damit nicht abfinden.

Genau das ist zu befürchten. Ausländische Produkte raus aus Deutschland. Alle macht den deutschen Patenten!

Deutschland liegt zwar vorne bei den Anmeldungen bei internationalen Patenten, aber wenn es um die Einführung von Produkten auf dem Markt geht, dann schaffen wir nicht das, was in uns steckt.

Wir schaffen also nicht dass, was in uns steckt. Was steckt den in uns? „In jedem siebten…” Gut, das gehört jetzt wohl eher nicht hierher. Nicht abfinden sollte sich Frau Merkel auch mit der schwankenden Tonqualität. Das zeitweise auftretende Echo ist nicht wirklich angenehm.

Und dabei ist es doch so:

Da muss ganz dringend die Betonungsfeuerwehr eingreifen. Der Doppelpunkt sollte zur Geltung kommen. Kann aber auch sein, dass Frau Merkel ihn auf dem Teleprompter nicht so gut sehen konnte und nur einen Punkt wahrgenommen hat. Das würde dann die Betonung erklären an dieser Stelle.

Wo liegen unsere Chancen?

Wie bereits gesagt, würden diese in vorgezogenen Neuwahlen liegen – zumindest dann, wenn Frau Merkel nicht mehr antreten würde. Vielleicht sollte Angela Merkel einfach mal die Ratschläge von Eva Braun, nein Hermann heißt sie ja, beherzigen und sich auf die klassischen Rollen einer Frau beschränken. Das würde dann eine politische Tätigkeit ausschließen. Da wir ja aber das Fähnchen der Gleichberechtigung hoch- und von Frau Hermann wenig halten, gestehen wir selbstverständlich der Bundeskanzlerin ein, dass sie genau das gleiche Recht auf Politik und Irrtum hat wie ihre männlichen Kollegen.

Unsere Chancen liegen dort, wo wir neue Entdeckungen machen, neue Entwicklungen haben, die andere noch nicht auf den Markt gebracht haben.

Da wären wir dann beim Thema Klonforschung. Das wäre doch die Chance, gleich für zwei Probleme eine Lösung zu finden. Die Kanzlerin wird geklont und als verbessertes Version auf den Markt gebracht. Im Erfolgsfall könnte dann International das Modell „moderierende Politikerin ohne tatsächliche Richtungskompetenz” angeboten werden. Ich bin mir sicher, dass das ein Verkaufsschlager wäre, denn in zahlreichen Ländern gibt es den Bedarf nach Personen, die im Rampenlicht stehen, während andere im Hintergrund die Strippen ziehen.

Deshalb hat die Bundesregierung eine Hightech-Strategie entwickelt, denn wir wollen das ändern.

Endgegner

Uhu, Cyborg-Angie oder was? Gehört der Videocast auch schon zur Hightech-Strategie? Wenn ja, sollte sich niemand großartiges von der Strategie erhoffen. Im Übrigen werden sich einige Betrachter des Vidcoast wohl an dieser Stelle übergeben müssen. Schuld daran ist nicht die Bundeskanzlerin, sondern Cybersickness. Dieser Kameraschwenk hat was von Egos-Shootern. Eventuell ist das eine versteckte Anspielung. Wäre die Bundeskanzlerin dann ein Endgegner oder eine zu eskortierendes V.I.P.? Moment, lagen da auf dem Boden nicht Healthpacks? Schuldigung, das war nur einfaches Gemüse.

Wir werden in siebzehn Feldern, zum Beispiel in der Nano-Technologie, bei optischen Technologien, in der Energiesicherheitsforschung und in vielen anderen Bereichen ganz gezielt Akzente setzen.

Noch mehr Hall in der Tonspur. Das ist auch ein Art von Akzent, aber vermutlich nicht gemeint.

Wir wollen, dass unsere Unternehmen wieder mehr Arbeitsplätze schaffen können.

Nett. Es wird sich wohl aktuell kein Politiker finden, der das Gegenteil behaupten wird. Allerdings sollten an dieser Stelle die sprachlichen Feinheiten nicht verschwiegen werden. Wer Arbeitsplätze schaffen kann, muss das noch lange nicht tun. Die Unternehmen haben sicher „gute” wirtschaftliche Gründe, warum sie Möglichkeiten nicht nutzen, wenn sie ihnen nicht nutzen.

Wir wollen, dass unsere Unternehmen wettbewerbsfähiger sind

Das schaffen die momentan ganz gut dadurch, dass sie in nicht unerheblicher Zahl Arbeitsplätze abbauen.

und wir wollen, dass mehr Ideen aus Deutschland auch auf den Markt kommen.

Na ja, mit dem Export von Ideen, gerade von politischen Ideen, haben wir in Deutschland ja in der Vergangenheit weniger gute Erfahrungen gemacht. Sowohl Kommunismus als auch Nationalsozialismus würde heute wohl niemand mehr ernsthaft als gute Idee bezeichnen, auch wenn die Exportversuche eine Zeit lang sehr intensiv betrieben wurden.

Allerdings hält sich der Kommunismus in einigen Ländern noch erstaunlich hartnäckig. Das wir in Deutschland nur mittelbar durch Waffenlieferungen daran verdienen, liegt hauptsächlich daran, dass Karl Marx sich damals den Kommunismus nicht hat patentieren lassen. Die draus resultierenden Lizenzgebühren hätten uns sicher die Erhöhung der Mehrwertsteuer erspart. Ableitend davon ließe sich die These aufstellen, dass an der Erhöhung der Mehrwertsteuer letztendlich die Kommunisten, also die Linkspartei und Co, Schuld sind.

Dazu müssen wir Wissenschaft, Hochschulen und Betriebe zusammen bringen. Deshalb wird die Bundesregierung nicht nur 6 Mrd. Euro mehr investieren in Forschung und Entwicklung als in der letzten Legislaturperiode, sondern wir werden auch mit neuen Instrumenten dafür Sorge tragen, dass gute Ideen schnell in die Praxis umgesetzt werden können.

Aus den üblichen oberflächlichen Floskeln sticht etwas hervor. Eine Zahl. Sechs Milliarden Euro. Die müssen auch irgendwo herkommen. In diesem Zusammenhang wäre es interessant, wenn bei solchen Versprechen gleich immer mit gesagt wird, an welcher anderen Stelle das Geld eingespart und Förderungen gestrichen werden. Das erspart dem Bürger das lästige Raten.

Wie wollen wir das machen?

Genau das fragt sich der Wähler auch gerade. Die Bundeskanzlerin geht abe nicht auf die Frage nach der Finanzierung ein, sondern bezieht ihre Antwortung auf das, was für Unternehmen dabei rausspringt:

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein mittelständischer Betrieb, Sie geben einen Auftrag an eine Fachhochschule oder Universität von 100.000 Euro, dann werden Sie in Zukunft von der Bundesregierung 25.000 Euro dazu bekommen, damit besser und mehr geforscht werden kann.

Nett umschrieben, weil es das hässlichen Wort „Subventionen” vermeidet. Den meisten Menschen dürfte es zudem schwerfallen zu verstehen, warum ein Betrieb für seine ureigensten Aufgabe, der Produktentwicklung, noch Geld vom Staat bekommen soll. Die Entwicklung neuer Produkt sollte doch im Interesse eines Unternehmens liegen, da nur dies auf Dauer die Markt- und Konkurrenzfähigkeit garantiert.

Genauso wollen wir die Möglichkeiten verbessern, damit junge Start-Ups, junge Unternehmen an Wagniskapital herankommen.

Das wäre schon eher ein Form der Förderung, die durchaus berechtigt und sinnvoll sein könnte – ob sie das ist, hängt von ihrer Umsetzung ab.

Aber wir sagen auch, wenn die Bundesregierung so viel Geld in die Hand nimmt, dann erwarten wir von der Wirtschaft, dass sie sich ebenfalls mehr um Forschung und Innovation bemüht.

Frau Merkel, sie müssten doch nur zu gut wissen, dass solche Erwartungen auch häufig vergebens sind. So haben zum Beispiel diejenigen, die ihren Videocast ansehen, gehofft, dass mit der neuen Produktionsfirma vieles besser würde – und nicht schlechter. Gerade auch, weil die Bundesregierung für dieses Projekt auch viel Geld in die Hand genommen hat.
Selbst die größten Bemühungen nützen nichts, wenn jemand nicht dazu in der Lage ist, etwas zu (anständig) zu machen. Aus einem Kunstmaler wird selten ein guter Politiker und ein Nichtschwimmer wird auch kaum ohne Hilfe den Ärmelkanal durchschwimmen.

Das heißt, dass wir gemeinsam etwas erreichen, was Deutschland schaffen muss, nämlich drei Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung auszugeben.

Gemeinsam schaffen? Aber bitte ohne mich! Sie sollten erst an anderen Stelle ordentliche Arbeit leisten, Stichwort Gesundheitssystem, bevor sie in großen Tönen neue Baustellen hochziehen. Die gesamte Politik der derzeitigen Bundesregierung ist geprägt von einer Form des Aktionsmuss, der versucht, möglichst viel Wirbel zu verursachen, um von den Kernproblemen abzulenken.

Damit uns nie wieder das passiert, was mit dem MP3-Player und dem Fax statt gefunden hat, damit wir schnell auf den internationalen Märkten sind.

Besonders schnell auf internationale Märkte kommt ein Land durch den Einsatz von Bodentruppen. Aber das wäre dann wieder ein ganz anderes Thema.

Im Abspann zum Videocast ist auf jeden Fall schon mal das Fluchboot zu sehen, welches die Bundeskanzlerin für sich bereitstellen lassen hat.

Nur weg hier!


Das Fazit aus der ersten Folge der zweiten Staffel: der neue Videocast schafft es problemlos, die nicht sehr hohen Erwartungen zu enttäuschen. Zwar ist die unglückselige Diashow im Hintergrund verschwunden, aber die Bundeskanzlerin wirkt noch steifer als vorher. Der Gesichtsausdruck ist erschreckend. Dabei haben die Bilder aus Warnemünde doch gezeigt, dass Frau Merkel auch natürlich lächeln kann.

Wenn es schon keine Neuwahlen gibt, so würde ich an ihrer Stelle zumindest auf einer Neuausschreibung für die Produktion des Videocasts bestehen. In der derzeitigen Form ist er schlimmer den je. Es mag ja sein, dass die Firma von Stoibers Schwiegersohn noch etwas üben und Erfahrung sammeln muss – aber bitte doch nicht auf Kosten des Steuerzahlers.

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