Glitch KO

Glitch KO

Vor ein paar Tagen tobte ein Sturm im Wasserglas. Da die politischen Themen zur Zeit nicht sehr ergiebig sind, wurde über ein anderes „Ereignis” hergefallen. So fand „investigativer” Blogger heraus, daß es möglich sei, bei der Statistik von BlogCounter.de zu schummeln. Für mich ist das ähnlich interessant wie Cheats für Spiele oder die Ausnutzung von Glitsches. Wer sie verwendet, um einen Vorteil gegenüber anderen zu erlangen, schlägt sich letztendlich nur selber k.o.

Die Verlinkung auf den entsprechenden Artikel oder auf die Wellen, die er geschlagen hat, spar ich mir. Ist auch eigentlich nicht wirklich wichtig, sich damit auseinander zu setzten. Meinen blogcounter werde ich nicht entfernen. Nicht nur, weil ich nicht jede Ich-bin-dagegen Protestbewegung mitmachen muß, sondern auch, weil er farblich ganz gut zum Layout passt. Und ja, auch weil ich zu faul bin, jetzt alle Templates noch mal zu überarbeiten. In einer Woche hat das Thema halb Krähwinkel wieder vergessen.

Von einer kurzen Unterbrechung abgesehen verwende ich schon seit über zwei Jahren Site Meter. Der große Vorteil dabei ist, daß die Informationen grafisch aufbereitet werden. Besucher lassen sich sogar anhand einer Weltkarte ablesen. Ein Bild sagt halt wirklich mehr als Unmengen an Zahlen. Einer der Gründe, warum ich Kunden aus dem Callcenter Umfeld im Gespräch immer wieder davon versucht habe zu überzeugen, ihre Statistiken mit Crystal Reports grafisch aufarbeiten zu lassen. Aus diesem Zusammenhang stammt auch mein sehr nüchterner Umgang mit Datenmaterial. Die ganzen Counter sind im Grunde nur schmückendes Beiwerk, die gelieferten Statistiken haben nur Unterhaltungswert, mehr nicht. Wichtig sind sie schon deshalb nicht, weil ich keine Werbeanzeigen verkaufe oder nach Pageimpressions bezahlt werden. Sicher gibt es den Einwand, daß es doch dem Ego schmeichelt, wenn es viele Besucher täglich auf die Seiten zieht.

Nun, das lässt sich auch anders deuten. Wer ernsthaft am Erfolg seines Blog interessiert ist, der sollte eigentlich eine ganz andere Zahl als die der Besucher im Auge behalten. Für mich sind Kommentare und Querverweise ein viel deutlicheres Indiz dafür, ob ein bestimmtes Thema, ein bestimmter Eintrag ein Echo ausgelöst hat oder nicht. Solange ein Echo ausbleibt, ist ein Blog nur eine private Webseite unter sehr sehr vielen. Wenig beachtet im Meer der Informationen. Das muß nicht unbedingt mit der Qualität des Blogs selber zu tun haben.

Sobald aber eine rege Diskussion in den Kommentaren stattfindet, ist dies ein Indikator dafür, daß ein bestimmter Nerv getroffen wurde bei den Lesern, die sonst in der Überzahl nur passiv rezipieren. Das richtige Thema zu finden ist dabei nicht schwer, sondern unmöglich. Auch in der Welt der Blogger gibt es eine Meinungsführerschaft, die sich gemessen an der Anzahl der Kommentaren auf wenige Blogs konzentriert. Je bekannter ein Blog ist, desto bekannter wird er – die einfache Formel scheint in den allermeisten Fällen zu zutreffen. Neuerscheinung in der „Szene” haben es schwer, wenn sie versuchen, vermeintlich Erfolgreiches nachzuahmen. Wer bloggt, sollte vor allem eins sein – ganz er selbst. Besucher werden sich dann irgendwann einstellen genauso wie Menschen, die Kommentare schreiben. Oder auch eben nicht. Wer zerfressen und krank auf die Zahlen starrt, braucht keinen Blogcounter, sondern eine Therapie.

Der Wirbel um Blogcounter ist unbestreitbar eins: Ein gutes Beispiel, wie Virus Marketing funktioniert.Viele Blogger haben in Gefolgschaft der Meinungsführer ihren Counter entfernt.Dabei wäre es ratsam gewesen, einfach mal an die frische Luft zu gehen, eine Tasse Tee zu trinken und das Ganze auf sich beruhen zu lassen. Beim nächsten Redesign fällt dann so ein Fakecounter einfach raus. Anders hätte die Sache nur dann ausgesehen, wenn der Klick auf den Counter plötzlich auf eine Porno-Seite, auf den örtlichen Nazi-Sportverein oder ähnliches geführt hätte. Dann hätte auch ich den Counter sofort entfernt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren