Lissabon – Teil IV

Lissabon – Teil IV

Etwas verloren stand er nach einiger Zeit vor dem schwarzen Riesen. Die Fassade zerfressen wie das Gesicht eines Pestkranken. Eigentlich wusste er, dass er hier genauso wenig verloren hatte wie die alten, verrottenden Gebeine im inneren. Der Dom – erbaut für Diebesgut. Gemächlich schlenderte er zum Eingansportal. Der bekannt muffige kalte Geruch empfing ihn, als er eintrat. Frei von Interesse schweifte sein Blick über die zahlreichen Broschüren für Touristen. Plötzlich hatte er das Gefühl, beobachtet zu werden. Sein Rucksack erschien ihm unpassend. Die Schultern schmerzten vom Druck. Trotz des unwohlen Gefühls ging er weiter, vorbei an abgewetzten Holzbänken. Seine Kehle schnürte sich zunehmend zu und er verspürte dieses unwohle Etwas im Magen. Luft, er brauchte unbedingt frische Luft. Der Stich eines wahnwitzigen Gedankens trübte für einen kurzen Moment sein Sehvermögen. Dann stand sein Entschluss fest. Zielsicher und mit zunehmend festem Schritt ging er zum Aufgang auf den Domturm. Er sah die 509 Stufen schon vor sich, die er zu erklimmen hatte. Wand sich aber enttäuscht wieder ab, da der Zugang erst um 9 Uhr geöffnet wurde.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren