Rasputin und der Krieg

Rasputin und der Krieg

Am Dienstag lief auf arte eine Dokumentation über Rasputin. Die Aufnahme hätte ich mir, wie ich seit gestern weiß, sparen können.

Mediathek von arte

Fangen wir erstmal mit dem wirklich positiven an. Die Mediathek von arte ist wirklich ausgezeichnet. Sie macht nicht nur als App auf dem iPad eine gute Figur, sondern auch, wenn man sie über den Browser aufruft. Übersichtlich, toll gestallte und vor allem aber auch gut gefüllt. Die Dokumentation „Rasputin – Mord am Zarenhof“ ist dort bis zum 2. November abrufbar. Soweit, so gut. Die 52 Minuten, die man zum ansehen benötigt, kann man jedoch auch besser anderswo investieren.
Wirklich gefallen an der Dokumentation über Rasputin hat mir die Erzählstimme von Eva Gerberding (ich vermute, dass es ihre rauchige Stimme war) und die eindrucksvollen Bilder von russischen Schlössern. Ja, und auch die Schneeimpressionen waren nett, wenn auch etwas zu klischeehaft.

Grigori Jefimowitsch Rasputin
Grigori Jefimowitsch Rasputin

Der wahre Rasputin

Den Rest der Dokumentation über Rasputin kann man getrost vergessen. Nur wer noch nie etwas über diese Person gehört hat, dürfte etwas neues erfahren. Allen andere dürfte der Name Grigori Jefimowitsch Rasputin etwa sagen. Das war doch der Wunderheiler am Hof des letzten Zaren von Russland? Genau, der war es. Wesentlich mehr erfährt man über die Person nicht. Das liegt nicht daran, dass es nicht genügend Gerüchte gibt. Sondern genau dran beziehungsweise, wie mit ihnen umgegangen wird.
Über die genauen Umstände des Todes von Rasputin erfährt man in der Dokumentation — nichts. Es gibt mehrere Varianten, die alle logisch klingen, aber nicht wirklich weiter bringen. Die frühen Jahre von Rasputin, auch seine Pilgerjahre werden nur am Rande erwähnt. Im Mittelpunkt steht seine Wirkung auf die Zarin und seine „Fähigkeit“ die Bluterkrankheit des einzigen Zarewitsch „Aleksej zu mildern. Sein Einfluss auf die Zarin, so heisst es, soll den Adel gegen sich aufgebracht haben.

Politischer Einfluss und Krieg

Das wäre aus meiner Sicht eigentlich der spannendste Teil einer Dokumentation über Rasputin, die über das Niveau einer Berichterstattung in der Regenbogenpresse hinaus geht. Gab es wirklich einen Einfluss von Rasputin auf die Politik und wie genau hat er sich bemerkbar gemacht? Wie wirkte sich der Einfluss auf den Krieg Russlands aus? Der Spur nach Großbritannien, die über einen Agenten möglicherweise an der Ermordung Rasputins beteiligt gewesen sein könnten, wird nicht weiter nachgegangen.
Möglicherweise gehe ich mit der Dokumentation zu hart ins Gericht. Das liegt dann dran, dass ich (endlich konsequent) „Die Schlafwandler“ von Christopher Clark lese. Beschäftigt hat mich das Buch schon länger, genau so wie die gesamte Thematik um den 1. Weltkrieg. Die Verwicklungen und der Kontext ist interessant, um zu verstehen, wie es letztendlich zum Krieg kam. In dieser Hinsicht hatte ich mir auch Hoffnungen in Bezug auf die Dokumentation gemacht. Die kratzt leider nur an der Oberfläche und fasst nicht mal das zusammen, was man über Rasputin bei Wikipedia lesen kann. Unter geht im Film etwas, was dort noch mal sehr deutlich in einem Absatz zu Rasputin und dem Krieg steht. Er wurde für die militärische Niederlage verantwortlich gemacht, weil man einen Sündenbock brauchte. Tatsächlich aber war die damalige Rückständigkeit des russischen Reiches die eigentliche Ursache.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren