Minijob macht glücklich

Minijob macht glücklich

Das ein Minijob glücklich macht, ist genau so ein Gerücht wie die Behauptung, man könne davon gut leben. Nicht wenige Minijober gehen daher mehr als einer geringfügigen Beschäftigung nach.

Tauber Mund tut Blödsinn kund

Auf fehlende Erfahrung oder Lebensjahre kann man seine unglückliche Äußerung im Fall von CDU-Generalsekretär Peter Tauber nicht zurück führen. Er wird wohl auch nicht an einem „Be like Trump“-Contest auf Twitter teilgenommen haben, als er sich zum Thema Minijob am Montagabend äußerte. Er wurde von einer Nutzerin gefragt, wie das denn mit der Vollbeschäftigung im Wahlprogramm der CDU zu verstehen sei. Ob man als Minijober dann drei Minijobs annehmen müsse. Die Antwort von Tauber sorgte für einen Sturm der Entrüstung:

Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.

 

Minijob — Kuchen statt Brot
JESHOOTS / Pixabay

Vielleicht liegt es ja daran, dass Tauber als gelernter Historiker besonders viel von der Lebenswirklichkeit weiß — der im Kaiserreich, als es noch Bedienstete gab. Bedienstete in quasi Leibeigenschaft hatten keinen Minijob.

Ein Minijob ist zuwenig

Sicher gibt es eine Reihe von Menschen in Deutschland, die ganz zufrieden sind mit ihrem Minijob. Die das Ganze als Zubrot betrachten, um der häuslichen Tristes zu entkommen. Zahnarztfrauen, die kraftvoll in den Apfel beißen und eine Zahncreme empfehlen. Studenten, die sich auf diese Weise ein Teil ihres Studiums finanzieren. Bei einem nicht unerheblicher Teil der Menschen jedoch dürfte der Minijob eher eine prekäre Beschäftigung sein, mit dem die größten Lücken in der Haushaltskasse mehr schlecht als recht gestopft werden. Geringfügig Beschäftigte sind auch Alleinerziehende mit Kind. Und ja, es auch Geringfügig Beschäftigte, die einen Vollzeitjob haben und trotzdem noch nebenbei auf 450 Euro Basis arbeiten müssen — weil es hinten und vorne nicht reicht.

Was sozial ist

Aussagen wie „Sozial ist, was Arbeit schafft“ wie sie im Wahlprogramm der CDU stehen, sind alles andere als sozial. Dahinter steckt ein Bild von Arbeit und Gesellschaft, was nicht das meine ist. Sozial ist, was gerecht ist. Die Menschen als Mensch annimmt und sie stützt. Ihnen hilft, wenn sie gefallen sind — eine Partei mit dem C im Namen sollte so was wissen. Wobei wir alle wissen, dass dieses C längst Makulatur ist. Grausamkeiten aus der CDU gegen Schwächerer in der Gesellschaft sind nichts neues. Immer wieder versucht man gerade in Koalition mit der FDP, den Sozialstaat auszuhöhlen. Immerhin tut man den Wählerinnen und Wählern diesmal den Gefallen, vor der Wahl die Richtung aufzuzeigen. Klar hat sich Tauber hinterher für seinen Tweet entschuldigt. Sicher weiß er auch, dass es wenig mit Bildung oder dem, was man gelernt hat zu tun hat, ob man einem Minijob nachgeht, nachgehen muss. Statt ihn zu kritisieren, sollten wir uns bei ihm bedanken. So viel Ehrlichkeit ist selten vor einer Wahl.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren