Circle of life

Circle of life

Auswahl zu haben wir in den meisten Fällen als etwas Positives empfunden. Die Wahl zu haben, welcher der Irren die Welt in Brand stecken soll, ist allerdings eher beunruhigend. Wobei man eigentlich keine Wahl hat, denn wenn es zum äußersten kommt, wir man vorher eher selten gefragt.

Mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten wird ein unberechenbarer Choleriker an die Macht kommen, der bereits vor Amtsantritt für gewaltigen Flurschaden sorgt. jemand, der sich auf dem diplomatischen Parkett bewegt wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen — mit einem mal wird einem deutlich, warum die Republikaner in den USA den Elefanten zu ihrem Wappentier erkoren haben, eine Art sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Inde / Pixabay

Neben den neuen Unbekannten in der Gleichung gibt es aber auch alte Bekannte. Länder, die eigentlich schon immer auf der Beobachtungsliste standen oder hätten stehen sollen. Länder, mit denen Europa, ja auch Deutschland gute Geschäfte macht und damit letztendlich Unterdrückung, Kriege und fragwürdig Staatsformen fördert.

Eines dieser Lände mit fragwürdigen Ruf ist Saudi-Arabien (bisher größte Exportschlager: Erdöl, Osama bin Laden). Das Land ist eine „lupenreine“ Monarchie, inklusive Scharia, Todesstrafe, Missachtung von Menschenrechte und Unterdrücken der Frauen. Ein Land, mit dem Deutschland nach wie vor gute Geschäfte macht, auch wenn die Kritik immer lauter wird. nach wie vor werden Waffen nach Saudi-Arabien geliefert oder gleich vor Ort in Lizenz hergestellt wie das Sturmgewehr G 36. Im Kampf gegen den Terror und den IS glaubt man, Saudi-Arabien stünde auf der richtigen Seite.

Fragt sich nur, aus wessen Sicht es die richtige Seite ist. Wie die Süddeutsche Zeitung heute schrieb, stehen religiöse „Organisationen aus Saudi-Arabien und den Golfstaaten Kuwait und Katar stehen im Verdacht, mit Billigung ihrer Regierungen deutsche Salafisten zu unterstützen“.

Salafisten, die den deutschen Staat und die Demokratie ablehnen, Kämpfer für den IS rekrutieren und Terroranschläge in Deutschland planen (auch wenn wir bisher verdammtes Glück hatten, dass es noch zu keinem bekommen ist, bleibt es nur eine Frage der Zeit).

Noch mal im Klartext. Deutschland liefert Waffen nach Saudi-Arabien während Saudi-Arabien mehr oder weniger indirekt die deutsche Salfistenszene unterstützt.

The circle of life

Das die Unterstützung nicht offiziell durch das Königreich erfolgt, sondern „lediglich“ durch religiöse Organisationen (die zufällig dem Königshaus nahe stehen) macht keinen Unterschied. Der deutsche Staat macht somit Geschäfte mit seinen Feinden. Klingt plump, ist es sicher auch aber ebenso schwer von der Hand zu weisen.

Für mich zeigt sich einmal mehr, wie viel Arroganz und Dummheit in der gesamten den Nahen Osten betreffenden Politik steckt. Hier wurden über Jahrzehnte Fehler auf Fehler begangen, die letztendlich nicht nur die gesamte Region zum Dauerkrisenherd werden ließen, sondern die auch Grundlage für viele andere aktuelle Krisen und Probleme sind. Mit gesunden Menschenverstand lässt sich kaum erklären, wie man ein Land mit einem dermaßen fundamentalistischen und rückständigen System wie Saudi-Arabien mit seinem Wahhabismus überhaupt so lange die Stange halten konnte.

Gleichzeitig wurde der Iran als Feindbild aufgebaut (erst jetzt scheint man langsam zur Besinnung zu kommen), was nie hätte passieren dürfen. Hätte man nicht ständig versucht, einzelne Länder und Regierung gegeneinander auszuspielen und wäre die Region nicht auch zu einem weiteren Spielball des Kalten Krieges damals geworden, dann würden die Situation im Nahen Osten heute eine ganz andere sein.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren