Was mich verunsichert

Was mich verunsichert

Das Länderspiel zwischen den Niederlanden und Deutschland in Hannover wurde am Dienstag abgesagt. Anlass war eine konkrete Gefährdung der Sicherheitslage, die jedoch bisher nicht konkretisiert wurde. Die Bevölkerung darf daher wild über die Hintergründe spekulieren. Angefeuert werden sie dabei noch vom Bundesinnenminister Thomas de Maizière, der auf einer Pressekonferenz über Details schwieg. Das erklärte er dann mit folgenden Worten:

Ein Teil der Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.

Die angeblich verunsichernde Antwort blieb aus.

crjsmit / Pixabay

Was mich als Bürger wirklich verunsichert, ist genau so ein Verhalten. Statt uns die Wahrheit aufzutischen, wird geschwiegen — oder gelogen. Vor allem ist es die Geisteshaltung, die hinter dem Satz von de Maizière steckt. Man verheimlicht der Bevölkerung etwas, behandelt sie wie kleine Kinder. Mündige Bürger sehen anders aus als wir derzeit.

Mit der Argumentation von de Maizière kann man weit aus mehr Schaden anrichten. Hintergründe eines Chemieunfalls? Die Antwort würde sie verunsichern! Schmiergelder von Lobbyisten für Politiker? Die Antwort würde sie verunsichern!

Das erste Opfer von Terrorismus ist die Wahrheit. Es ist auch schwer zu sagen, ob Schweigen wirklich bei der Aufklärung und Bekämpfung hilft oder ob es sich lediglich um Nebelkerzen handelt.

Mir macht Angst, wenn ich die Richtung sehe, in die so ein Satz führt. Es ist die erste Einschränkung der Freiheit. In diesem Fall der Informationsfreiheit. Man zwingt uns darauf zu vertrauen, dass die zuständigen Stellen schon wissen, was sie tun. Ob das stimmt, können wir nicht beurteilen, weil uns die Grundlagen dafür entzogen werden.

Es lässt sich ein zudem ein fiktives Bedrohungsszenario inszenieren, ohne das es eine konkrete Bedrohung gibt. Wir werden zu Gefangenen im eigenen Land, gefangener unserer Ängste und derer, die vorgeben uns zu beschützen.

Was mich verunsichert, was mir Angst macht, sind Polizisten wie heute morgen am Kölner Hauptbahnhof mit Maschinenpistolen im Anschlag. Mir gibt es eher weniger ein Gefühl der Sicherheit.

Andererseits verunsichert mich auch die Vorstellung, dass Deutschland jederzeit zu einem Anschlagssziel werden könnte. Selbstmordattentäter auf Weihnachtsmärkten. Bomben in vollen Zügen. Wie sollen so was verhindert werden?

Mich verunsichern die Behauptungen, mit dem Verzicht auf Grundrechte können man uns besser schützen. Was nicht möglich ist. In Frankreich gibt es ein umfassende Vorratsdatenspeicherung und trotzdem gab es dort die Anschläge.

Wenn wir unser Leben nicht in gewohnter Form weiterleben können, haben die Terroristen, die Mörder gewonnen. Auch das verunsichert mich.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren