ES erklärt sich

ES erklärt sich

Manche Menschen finden Clowns nicht komisch. Anderen macht Sigmar Gabriel als Kanzlerkandidat der SPD Angst. Ich finde beides nicht zum lachen. Bis vorgestern hatte ich noch Hoffnungen, der Kelch würde an der SPD vorbeigehen. Nun aber hat sich Gabriel erklärt, in einer Zeit, wo sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gefühlten Stimmungstief befindet.

In einem Interview mit dem Stern sagte Gabriel, er wolle Bundeskanzler werden, sofern die SPD in aufstelle. Wörtlich liest sich das dann so:

Natürlich will ich Bundeskanzler werden, wenn die SPD mich aufstellen will
Quelle: Stern

So ist das in der modernen Sozialdemokratie. Statt solche Fragen vorab unter sich zu klären, geht man an die Presse, rückt sich ins Rampenlicht und setzt die eigenen Parteimitglieder unter Druck.

ddouk / Pixabay

Nach wie vor vertrete ich die Meinung, die SPD würde mit Gabriel als Kanzlerkandidat die schlechteste Wahl treffen. Mehrfach habe ich mich auf dahingehend geäußert, für den Fall, dass er aufgestellt wird, als Wahlkampfhelfer nicht zur Verfügung zu stehen — so wie auch zuletzt bei Jochen Ott in Köln. Ein Kandidat für den ich mich einsetze, muss mich überzeugen. Nicht unbedingt zu 100 Prozent, aber auch jeden Fall mindestens zu 50 Prozent.

Gabriel selber ist weder der natürliche Kandidat (weil Parteivorsitzender) noch genießt er uneingeschränkte Zustimmung in der SPD. Nicht wenige Genossen können sich besseres vorstellen — besseres verdient hätte die SPD allemal. Etwas ratlos, muss ich zugestehen, bin ich allerdings in Bezug auf die Frage nach Alternativen. Ein Kandidat, möglichst jemanden, der in keinerlei Verbindung zum derzeitigen Umfragetief der SPD steht? Schwierig. Vor allem muss er ja alle Lager, pardon Flügel, in der Partei überzeugen.

Was die diskutierte die Urwahl eines Kandidaten angeht, bin ich noch nicht zu einer abschließenden Meinung gekommen. Sicher, mehr Demokratie wagen würde der SPD gut tun. Im Hinterkopf habe ich beim Urwahl-Gedanken aber auch den Vorschlag, eine solche auch für Nicht-Parteimitglieder zu öffnen. Das ist etwas, was ich entschieden ablehnen.

Auf der anderen Seite, sollte Gabriel als Kandidat aufgestellt werden, weiss ich bereits heute, wen ich wähle. Es hat ja auch was für sich, wenn man begreift , warum die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler so entschieden hat, wie sie bei der letzten Wahl entschieden haben.

Für den Fall, dass Gabriel den Kanzler macht, habe ich auf jeden Fall noch eine Idee in der Hinterhand, eine witzige Aktion. Allerdings sollte ich mich sputen und rechtzeitig bestellen, bevor das wichtigste Teil dafür aus dem Sortiment verschwindet.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren