Gebrauchte Domstadt günstig abzugeben

Gebrauchte Domstadt günstig abzugeben

Das beste für Köln wäre wirklich, die Stadt würde sich für den berühmten symbolischen Euro an eine andere Stadt verkaufen. An eine Stadt, die Verwaltung besser kann. Denn mal ganz ehrlich, was gelingt hier in Köln? Bauprojekte? Wahlen? Verkehrsführung? Böswillig ließe sich sagen, dass es unter preußischer Verwaltung früher besser war. Oder aber mit einem Oberbürgermeister, der weiter als bis zur nächsten Legislaturperiode dachte.

Wirklich, ich bin niemand der Konrad Adenauer verklären würden. Die Süddeutsche Zeitung hat aber mit ihrem Artikel gestern auf Seite drei „Macht euch locker“ die Finger in eine offene Wunde gelegt. Ohne Adenauer hätte Köln keinen Grüngürtel, auf den die Bürgerinnen und Bürger jetzt so stolz sind — als das Projekt damals umgesetzt wurde, waren die Widerstände in der Domstadt wohl ziemlich groß.

Wahlhelfer, abgesagter
Wahlhelfer, enttäuschter

Schwelgen wir aber nicht in der Vergangenheit, sondern schauen nach vorne. Die OB-Wahl am 13. September wurde endgültig abgesagt, es wird einen neuen Wahltermin geben. Die Kosten dafür liegen bei rund 1 Millionen Euro. Dabei kann Köln kaum von sich behaupten, eine übervolle Kasse zu besitzen. Eher im Gegenteil. Vieles bleibt liegen, Bauprojekte werden grundsätzlich teurer oder gehen völlig in die Hose. Statt zu sparen, macht man aber lieber auf dicke Hose und baut sich ein Rheinboulevard. So was ist auch ein politisches Statement.

Das Demokratie kostet, ist einfach so. Das die Verschiebung der Wahl notwendig war, ebenfalls. Was mich heute morgen jedoch wirklich entsetzt hat, war die E-Mail von Jochen Ott. Ehrlich, ich schäme mich für die Kölner SPD. Und für Aussagen wie diese:

Die OB-Wahl in Köln wird verschoben, weil die Stadt es nicht geschafft hat, die Wahl so zu organisieren, dass wir am 13. September ordnungsgemäß wählen können und ein rechtssicheres Ergebnis bekommen.

Ja, Herr Ott, wessen Parteimitglieder haben denn wichtige Schlüsselpositionen in eben dieser kritisierten Verwaltung besetzt? Na, fällt der Groschen (ähm Cent)?

Noch schlimmer ist jedoch, dass Ott die Schuld an der verschobenen Wahl ausschließlich bei Henriette Reker und ihren Unterstützern sieht.

Die anderen Parteien haben nichts, außer der gemeinsamen Absicht, einen Oberbürgermeister Jochen Ott zu verhindern. Dazu haben sie eine Kandidatin aufs Schild gehoben, die keine Antworten auf die Herausforderungen geben kann, weil sie keine hat. Sie hat sich bisher weggeduckt, wenn es eng wurde. Sie tut so, als gehöre sie nicht zur Stadtspitze. Sie kann nicht sagen, wohin sie mit Köln will, aber zieht in unerträglicher Weise über unsere Partei her.

Wenn hier jemand über jemand anders herzieht, dann ist es die SPD über Frau Reker. Und zwar ziemlich massiver meiner Wahrnehmung nach. So führt man, wie ich mehrfach schon betont habe, keinen demokratischen Wahlkampf! Gegenseitiger Respekt, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist, ist unabdingbar.

Es ist wirklich nicht zu fassen: Die CDU prangert wenige Tage vor der OB-Wahl an, dass der Stimmzettel fehlerhaft sein könnte. Eine Stimmzettelgestaltung, mit der sich die CDU seit 1999 hat mitwählen lassen und die 2004 der CDU-OB und 1999 und 2000 der CDU-Wahlleiter zu verantworten hatten.

Das ist kein Argument. Soll man den Mund halten, weil es immer schon so gelaufen ist? Ein ganz feiner Politikstil scheint da durch. Nein lieber Jochen, ich stimme dir aus ganzem Herzen zu wenn du schreibst „So kommen wir nicht weiter.“ Allerdings haben wir offensichtlich grundverschiedene Ansichten, warum das so ist und wie die Lösung aussehen könnte.

Ott geht in die Verlängerung. Schön für ihn und die Kölner SPD. Für die Bürgerinnen und Bürger ist das jedoch keine gute Nachricht. Es glaubt vermutlich auch nur noch eine Minderheit, nach der Wahl würde sich alles ändern.

Wie gesagt, ich wäre dafür, die Stadt einfach zu verkaufen. Es kann ja nur besser werden. Selbst wenn die Ratspolitik für Köln künftig in Düsseldorf gemacht wird.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren