Das Geld anderer Leute

Das Geld anderer Leute

„Ich will Feuerwehrmann werden“ — zumindest in meiner Generation ein Berufswunsch, der unweigerlich zu einem Serienhelden der Kindheit gehört. Grisu der kleine Drache. Ein Drache als Feuerwehrmann, ist in etwa so, als wenn man zuHause die Mäuse auf den Käse aufpassen lässt.

Nun denn, Grisu ist ein kleiner Drache und wenn man noch klein ist, darf man Träume und auch völlig unrealistische Berufswünsche haben. Meine waren damals wohl eher bodenständig. Eine ganze Zeit lang wollte ich einfach nur Elektriker werden. Dieser Wunsch überlebte jedoch nicht den Kontakt mit der Realität. Nach einem Betriebspraktikum in der Mittelstufe (die Praktikumsmappe habe ich heute noch) stand für mich unweigerlich fest, ich würde auch nach der zehnten Klasse noch weiter bis zum Abitur machen.

falco / Pixabay

Recht kurze Zeit stand „Pilot“ auf meiner Wunschliste, aber ich erkannt schnell selber, das ich niemals würde fliegen. Dann wollte ich Journalist werden, es war die Zeit, wo ich mich mit Elan und Freude aktiv bei der Schülerzeitung beteiligte.

Kleine Anmerkung: Aus heutiger Sicht bedaure ich, an diesem Berufswunsch nicht weiter festgehalten zu haben, denn vermutlich wäre es wohl das Beste, was mir hätte passieren können.

Später rückte dann „Sozialarbeiter“ in meinen Fokus, hier war es dann der Zivildienst, welcher mir die Augen öffnete und zu einem erneuten Wechsel des Berufswunsches führte — schon eine Phase, wo man eigentlich ein festes Ziel vor Augen haben sollte. Mit dem Entschluss, Grundschullehrer zu werden, begab ich mich dann zum Studium nach Bielefeld. Wir wissen ja, was daraus dann wurde.

Wäre es damals nach meinem Großvater gegangen, hätte ich mich beim Finanzamt beworben und wäre „Finanzwirt“ geworden. Festanstellung Verbeamtung, Karriere in der Behörde. Mir erschien das zu trocken.

Noch heute weiß ich nach wie vor nicht, was die Mitarbeiter beim Finanzamt wirklich treiben. Was sie machen sollten schon. Nämlich zum Beispiel die Steuererklärung von meiner Frau und mir zeitnah zu bearbeiten und die Steuerrückzahlung zu veranlassen. Darauf warten wir jetzt schon in diesem Jahr seit April.

Bei den vielen Meldungen in den Zeitungen habe ich bisher in meinem Leben noch nie eine gelesen, die über einen Finanzbeamten berichtete, der an Arbeitsstress verstarb.

Ja, ich bin etwas ungerecht und ungeduldig. Man sehe mir das nach, aber nach fast einem halben Jahr stellt sich schon ein gewisser Unmut ein. Zumal ich der festen Überzeugung bin, bei einer Nachforderung seitens des Finanzamtes schon erheblich früher den Bescheid bekommen zu haben. So bleibt es das Geld anderer Leute, mit denen der Staat wirtschaftet. Ein Einzelfall, so weiss ich mittlerweile, sind wir dabei nicht. Und es scheint auch nicht nur aktuell ein Problem in Köln zu sein, sondern in Nordrhein-Westfalen, sogar in anderen Bundesländern.

2 Replies to “Das Geld anderer Leute”

  1. Das ist sehr schade! Das Geld was man zurück bekommt ist häufig das Geld, welches man für einen Urlaub oder eine Besonderheit nutzt, wofür sonst das Geld nicht übrig wäre. Schließlich hat man ja nicht damit gerechnet etwas zurück bekommen, aber wenn es einen positiven Saldo von der Steuersoftware gibt, freut man sich.

    Hast Du denn schon einmal nachgefragt? Es ist auch dein gutes Recht Druck zu machen. Das macht das Finanzamt ja auch, wenn Du deinen Bescheid nicht innerhalb von einen Monat bezahlst.

    Ich hab es schon vergessen: Womit verdienst Du denn aktuell dein Brot? :)

    1. Den positiven Saldo hat, ganz professionell, unser Steuerberater ausgerechnet. Da meine Frau Lehrerin ist, wurde mir das mit den vielen Option etwas zu viel für Steuersoftware.

      Nachgefragt haben wir schon zwei Mal — bringt aber nichts. Und meine Brötchen stammen aus einer Internetagentur, für die Tätigkeit als „Senior Consultant“. Angebote Schreiben, Kunden beraten, Lösungen finden und Datenbankstrukturen aufbauen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren