Homeoffice auf Rezept

Homeoffice auf Rezept

Machen wir uns nichts vor, in vielen deutschen Betrieben gibt es nach wie vor nur sehr beschränkte Möglichkeit, wenn der Mitarbeiter zu Haus bleiben will. Entweder die Kündigung oder aber, in dem er sich krank schreiben lässt. Homeoffice quasi auf Rezept, mit dem Unterschied, dass die betreffende Person zwar zu Hause ist, aber nicht arbeitet — oder halt „für Nachbarn und gute Freunde“.

Das ich ein begeisterter Anhänger von echtem Homeoffice bin, habe ich hier im Blog bereits Mehrfach kundgetan. Für mich ist es eine entspannte Form des Arbeitens, ich kann zu Hause meine Zeit besser einteilen, bin nachweislich produktiver und spare mir vor allem die elende Fahrerei. Nicht das ich die Bahn wirklich hasse, aber täglich von Köln nach Essen und wieder zurück zu fahren ist kein Zuckerschlecken.

pascalmwiemers / Pixabay

Sicher, es gibt Menschen, die unbedingt die soziale Interaktion im Büro brachen. Zu denen gehöre ich nicht, mein soziales Leben findet auch anderswo statt. Und wenn ich mich unbedingt unterhalten möchte, greife ich wenn es beruflich ist, zum Telefon — ansonsten aber wird getwittert.

Gestern wurde online bei der t3n über ein neues Gesetz in den Niederlanden berichtet. Das Land soll, so wurde berichtet, einen Rechtsanspruch auf Homeoffice gesetzlich verankert haben. So lange keine schwerwiegenden Gründe vorliegen und der Betrieb mindestens zehn Mitarbeiter hat, soll es seit dem 1. Juli möglich sein, schriftlich einen Antrag auf Homeoffice zu stellen. Diesem muss dann entsprochen werden, sofern es keine schwerwiegenden Gründe gibt, welche dagegen sprechen. Die Beweislast hierfür liegt dann beim Arbeitgeber.

Meiner Meinung nach ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Selbstverständlich kommt es nach wie vor auf die Branche an, in der man tätig ist. Fliesenleger zum Beispiel funktioniert in der Homeoffice-Variante nicht. Viele andere Tätigkeiten dagegen schon. Im Bereich der Neuen Medien, Internetdienstleistungen und bei der Programmierung von Software (um nur ein paar Beispiele zu nennen) dagegen schon.

Ob ich in Essen in einem Büro sitze oder in der Karibik unter Palmen (bei mir wäre es eher ein Fjord in Norwegen oder ein See in Schottland) sollte keinen Unterschied machen. Es muss lediglich die Infrastruktur vorhanden sein sowie die Fähigkeit, sich selber zu organisieren. Wie man sich seine Arbeit einteilt, ist im Prinzip egal, so lange sie (termingerecht) erledigt wird.

Wer als erwachsene Menschen Probleme mit der Selbstorganisation hat, unbedingt die Peitsche eines Vorgesetzten im Rücken spüren muss um arbeiten zu können, der ist nicht nur ungeeignet für die Arbeit im Homeoffice, sondern hat irgendwo im Leben vorher schon die falsche Abzweigung genommen.

Eine stärker Verbreitung der Arbeit im Homeoffice in Deutschland würde ich für meinen Teil auch begrüßen. Sowohl ganz persönlich, als auch generell. Bei mir sind es derzeit zwei Homeoffice-Tage zu drei Büro-Tagen pro Woche. Das ließe sich auch umdrehen oder aber auf einen Büro-Tag, vornehmlich für Besprechungen und ähnliches, reduzieren — Termine mit Kunden natürlich ausgenommen.

Auch Arbeitgeber sollten sich überlegen, ob der Gewinn von Flexibilität für den Arbeitnehmer nicht auch ein Gewinn für sie als Arbeitgeber ist. Gerade wenn es draußen wie in den letzten Tagen so warm ist, hätte der Mitarbeiter so die Möglichkeit, morgens ganz früh anzufangen um dann bei steigenden Temperaturen ins Freibad zu gehen.

Damit man mich nicht falsch versteht: für mich das wichtigste Prinzip bei jeder Form von Homeoffice ist die Einhaltung der Work-Life-Balance. Ansonsten wandelt sich das Homeoffice vom Segen zum Fluch — und ein Recht auf Homeoffice würde zur Verpflichtung werden für den Arbeitnehmer.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren