Gentechnik — Fluch oder Segen?

Gentechnik — Fluch oder Segen?

Als Kind hatte ich so eine Phase, in der ich Sachbücher förmlich verschlungen habe. Sowohl die aus einer ganz bekannten Reihe als auch alle andere, die altersgerecht Wissen über unsere Welt erklärten. Neben dem obligatorischen Buch über Dinosaurier (das ist schon ziemlich lange ein Trend-Thema für Kinder) gehörte ein Buch bei uns zu Hause im Regal über die Welt von Morgen zu meinen Lieblingssachbüchern.

saicxi / Pixabay

In der Welt von morgen wurde Strom aus Sonnenlicht erzeigt, Autos fuhren unter der Erde und es ging auch darum, wie wir uns künftig ernähren würden. Als Beispiel dafür wurde Soja genannt und Produkte draus als Fleischersatz angepriesen. Das wollte ich natürlich selber ausprobieren und nach langem quengeln (ein Talent von mir) hatte ich meine Eltern soweit, dass sie einem Versuch zustimmten.

Um es kurz zu machen: es war ekelig. Es hatte uns auch keiner gesagt, dass man die Soja-Schnitzel nach dem kochen in heißem Wasser wie ganz normale Schnitzel würzen und braten sollte. Mich hat das allerdings kaum davon abgehalten, ein paar Jahre später in meiner vegetarischen Phase wieder auf Soja-Produkte zurück zugreifen.

Bleiben wir bei der Soja-Pflanze, denn sie passt auch gut zum eigentlichen Thema. Soja und Produkte daraus (wie zum Beispiel aus Tofu) wird nicht nur von Vegetariern und Veganern geschätzt, sondern auch von der Nahrungsmittelindustrie. Soja ist ein trefflich gute Futterpflanze zum Mästen von Rindern und Schweine. Regenwälder verschwinden auf diesem Planten, damit noch mehr Soja angebaut werden kann, um noch mehr Tiere in Massentierhaltung zu füttern und als Burger zu servieren.

Soja steckt auch in vielen Nahrungsmittel drin. Und Soja hat in Bezug auf Gentechnik einen ziemlich bescheidenen Ruf. Zwei Seiten einer Pflanze. Lichtgestalt im Kampf gegen den Welthunger und Beispiel für gentechnische Versuche am Konsumenten ohne dessen Einverständnis.

Mit dem Welthunger ist das allerdings so eine Sache. Sven hat in seinem Blogbeitrag richtig erkannt, dass weltweit nicht zu wenig Nahrungsmittel vorhanden, sondern diese nur ungleichmäßig verteilt sind. Das die Weltbevölkerung weiter wächst, stimmt ebenfalls. Für mich ist das aber gleichzeitig schon Teil eines Problems. Greifen wir wieder zurück auf die Sojabohne. Wenn ich davon eine Hand voll nehme, in ein Schraubglas (mit ein paar Luftlöchern) gebe, mehrmals täglich gut wässert, werden die Bohnen keimen und wachsen. Irgendwann wird es allerdings zu eng in dem Glas. Es einfach nicht genug Platz für alle da. Genau so ist das mit der Erde. Ein grenzenloses Wachstum ist in einem begrenzten System einfach nicht möglich. In der Natur kommen Arten, die sich unkontrolliert ausbreiten und dabei ihre eigene Lebensgrundlage vernichten nicht besonders häufig vor.

Wenn es um den Welthunger geht, steht für mich persönlich daher nicht die Gentechnik im Vordergrund, sondern gerechte Verteilung vorhanden Ressourcen und Beschränkung des Bevölkerungswachstums.

Ob Gentechnik Fluch oder Segen ist, wird damit allerdings noch nicht beantwortet. Häufiger wird die Gentechnik im landwirtschaftlichen Sektor damit verteidigt, dass Menschen schon sehr lange dabei sind, Erträge zu optimieren und widerstandsfähigere Arte hervorzubringen. Dabei wird aber übersehen, dass Auslese und Kreuzung von Pflanzen und Tieren (gemeinhin auch als Züchtung bezeichnet) etwas anderes ist als ein direkter Eingriff ins Erbgut. Vor allem dann, wenn Erbanlagen eingebaut werden, die niemals auf den Weg der Züchtung Teil der DNA werden würden wie beim Gen-Mais MON 810, der Bestandteile eines Bakteriums enthält, damit die Pflanze Giftstoffe gegen Schädlinge entwickelt.

Meiner Meinung nach wird hier versucht, Gott zu spielen. Oder anders gesagt, der fehlbare Mensch greift in etwas ein, was er nicht ansatzweise versteht. Dabei wir ein kaum abzuschätzendes Risiko eingegangen in Bezug auf Nebenwirkungen und Folgen für die Umwelt. Wie sich gentechnische manipulierte Pflanzen (und Tiere) auf Dauer behaupten, ob sie andere Arten verdrängen — alles nur Spekulationen.

Meine Bauchschmerzen, die ich mit der Gentechnik habe, kommen von bedingungslosen Fortschrittsglauben einiger Menschen. Fortschritt (und auch Gentechnik) ist kein Allheilmittel. Viel zu schnell ist man leider dabei, mit aller Macht eine Sache durchzudrücken, ohne das über die Folgen diskutiert oder nachgedacht wird. Sind erstmal Fakten geschaffen worden, ist eine Umkehr nur schwer bis unmöglich. Gutes Beispiel dafür ist die Atomkraft zur Energiegewinnung, die vor gar nicht all zu langer Zeit als Segen der Menschheit angepriesen wurde.

Ein weiteres Problem bei der Gentechnik ist die Patentierung von Saatgut. Nur eine Handvoll Firmen erlangt so die Kontrolle über die Zukunft der gesamten Menschheit. Firmen, die nicht nur Saatgut, sondern gleich auch das passende Düngemittel und kompatible Pestizide verkaufen. Firmen, die ganz bewusst Saatgut entwickelt haben, welches sich nicht vermehren kann, sondern immer wieder neu gekauft werden muss.

Die Gentechnik geht freilich über den Bereich der Nahrungsgewinnung hinaus. An vielen Stellen wird geforscht und entwickelt, angeblich zum Wohle von uns allen. Oft ist es aber weniger das Wohl aller, sondern der Gewinn weniger, der im Vordergrund steht.

Gentechnik ist die berühmte Büchse der Pandora. Ist sie einmal geöffnet, haben wir keine Kontrolle mehr darüber, was passieren wird. Bei all dem, was die Gentechnik Gutes oder vermeintlich Gutes bringen könnte sollten wir erstmal versuchen, die Probleme zu lösen, die wir in der Vergangenheit durch unsere Leichtgläubigkeit verursacht haben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren