Kampfdrohnen verteidigen Mindestlohn

Kampfdrohnen verteidigen Mindestlohn

Im Verteidigungsministerium kursieren derzeit, sofern man den Presseberichten Glauben schenkt, Plänen, zum Schutz der Truppen künftig Kampfdrohnen einzusetzen. Dabei wird das Leben der Soldaten jedoch lediglich indirekt geschützt. Während der Laie sich vorstellt, die Infanterie vor Ort würde von Kampfdrohnen begleitet werden, die auf das Leben unserer Jungs in Krisenregionen aufpassen, fehlt in der Wirklichkeit die Infanterie vor Ort.

Zum Schutz der eigenen Truppe wird dieser erst gar nicht eingesetzt, sondern durch Kampfdrohnen substituiert. Aus ganz sicherer Entfernung, nämlich dem eigenen Heimatland, wird die Drohnen von einem Soldaten dann gesteuert. Ein ganz normaler acht Stunden Job, bei dem auch bequem im Trainingsanzug min Homeoffice sitzen könnte. Zwischen den Beinen wuselt die zweijährige Tochter herum, während man a Schreibtisch sitzend ein paar Islamisten terminiert. Mit ethischen Argumenten dar man den Befürwortern von Kampfdrohnen jedoch nicht kommen, denn dann fangen sie direkt an, in der Geschichte zu kramen. Schließlich sei ja bereits die Armbrust eine Distanzwaffe gewesen, mit der man auf Entfernung seinen Gegner töten konnte. Das Töten erfolgt schon lange nicht mehr von Angesicht zu Angesicht. Ob man dann mit einem Artilleriegeschoss oder einer Rakete tötet, macht im Prinzip kein Unterschied. Beides erfolgt anonym, den Feind sieht man als Schütze nicht.

Ein Kampfdrohnen wäre dann die logische Weiterentwicklung, die sogar einen humanitären Vorteil böte. Schließlich erlaube sie präzisere Operationen, so das sich die Kollateralschäden in Grenzen halten. Apropos Kollateralschäden. Solche gibt es wohl auch bei der geplanten Einführung des Mindestlohns. Die SPD distanziert sich zunehmen von dem, was sie in ihrem eigenen Wahlprogramm im vergangene Herbst gefordert hat. Mittlerweile gibt es dermaßen viele Übergangsregelungen und Ausnahme, dass das Vorhaben insgesamt geradezu lächerlich wirkt. Neben Langzeitarbeitslosen, Zeitungszusteller und Saisonarbeitern sind es insbesondere Praktikanten, die an der Nase herumgeführt werden. Bei freiwilligen Praktika im Umfang von drei Monaten gilt der Mindestlohn nicht. Man darf gespannt sein, wie viele „freiwillige“ Praktikanten ist demnächst gibt, die nach drei Monaten wieder verschwinden — oder ein weiteres, ganz und gar freiwilliges Praktikum in einer anderen Abteilung machen. So ganz falsch liegt Linkspartei-Chef Bernd Riesiger mit seiner Aussage „Das Nahles-Gesetz liest sich wie eine Satire auf das SPD-Wahlprogramm“ nicht.

Wobei es gar reicht so einfach ist, Satire von ernst gemeinte Vorschlägen und Vorhaben zu unterscheiden. Die Deutsche Post plant künftig, ihre Briefträger auch als Kontaktpersonen für Hilfebedürftige und ältere Menschen einzusetzen. „Post Persönlich“ nennt sich das neue Produkt, welches ab morgen in Mülheim und Gelsenkirchen getestet werden soll. Moment, neues Produkt? Genau, das ist kein Tippfehler. Was auf dem Dorf nach wie vor selbstverständlich ist, der persönliche Kontakt zum Briefträger, ein nettes Schwätzchen beziehungsweise ein einfaches „Wie geht’s?“ soll künftig bei der Post 40 Euro im Monat zusätzlich kosten. Mehr als zwei Minuten darf sich der Zusteller aber nicht Zeit lassen für den neuen Service.

Ob „Post Persönlich“ wirklich Leben rettet, sei dahingestellt. Zumindest wird auf diese Weise wohl ein überquellender Briefkasten verhindert, der für die Zusteller weitaus unangenehmer ist als der tote Besitzer des Briefkastens hinter der Wohnungstür. Wirklich Lebend retten können dagegen Warnwesten für Autofahrer. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ist davon felsenfest überzeugt, gehört er doch zu den stärksten Befürwortern der ab morgen geltenden Warnwestenpflicht. So eine Warnweste schützt bei Pannen, Unfällen, Dunkelheit und allgemein schlechten Lichtverhältnissen. Präventiv wäre es auch denkbar, Warnwesten an die Zivilbevölkerung von Krisenregionen zu verteilen. Aus den Erfahrungen der US-Amerikaner mit Kampfdrohnen wissen wir schließlich, dass nicht immer nur die Böse erwischt werden, wenn die Drohne versucht „präzise Operationen“ vorzunehmen. Warnwesten könnten helfen, die Guten und Bösen besser voneinander zu unterscheiden. Zumindest so lange, bis sich auch Terroristen Warnwesten überziehen und damit im Nebel deutsche Autobahnen unsicher machen, aus Protest gegen die Einführung der PKW-Maut. Aber das wäre jetzt wirklich ein ganz anderes Thema.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren