LaTeX meets iOS

LaTeX meets iOS

Als ich letzte Woche an meiner neue LaTeX-Briefvorlage bastelte, gab es ein Detail, was mich störte. Ein Briefvorlage ist nur halb so toll, wenn sie an eine ganz bestimmte Umgebung gebunden ist. Anders ausgedrückt: um einen Brief mit der Vorlage zu schreiben, würde ich immer den an meinem Mac mini sitzen müssen.

Im Prinzip ist so was halb so schlimm, aber ein großer Teil meiner Workflows ist so konzipiert, dass es egal ist, ob ich am Schreibtisch sitze, gemütlich auf dem Sofa liege oder unterwegs in der U-Bahn stehe. Mit der Überzeugung, nicht der Einzige mit merkwürdigen Anwandlungen zu sein, machte ich mich heute auf die Suche nach einer iOS-App, die LaTeX versteht. Dabei wollte ich keinen simple Editor, sondern eine App, die auch dazu fähig ist, das Dokument zu setzen.

zuletzt geöffnete Dateien
zuletzt geöffnete Dateien

Der Appstore bietet eine deutliche Anzahl an Apps rund um LaTeX. Von einfachen Referenzen hin zu Programmen, die vorgeben, eine vollwertige LaTeX-Umgebung zu bieten. Ins Finale Schaffen es zwei Apps. TEX Writer und texpad. Beide Apps wirkten sehr vielversprechend. Die Hersteller versprachen bei beiden, dass die Apps dazu in der Lage wären, zusätzliche Pakete zu installieren — eine wichtige Voraussetzung, gerade wenn man KOMA-Script nutzt. In den Rezensionen zu texpad fand ich dann einen Hinweis zu KOMA-Script. Die App würde dies unterstützen, hieß es. Es kamen noch zwei weitere, für mich wichtige Punkte hinzu. Die Webseite von textpad strahlt meiner Meinung nach mehr Vertrauen aus und die Screenshots von der GUI wirkte einfach leckerer.

LaTeX Editor
LaTeX Editor

Kurzum: App gekauft, Dropbox angebunden und die Briefvorlage geladen. Bei der PDF-Gernerierung spuckte die App dann erstmal ein Haufen Fehlermeldungen aus, die aber dankenswerter Weise so aussagekräftig waren, dass sich alle Fehler beheben ließen. Es fehlten in allen Fällen zusätzliche Pakete, die ich ohne Problem nachträglich installieren konnte. Dann lief das so genante Typesetting zum ersten Mal durch. Es kam der spanende Moment, wo ich auf die PDF-Ansicht tippte. Das Ergebnis entsprach zu 100 Prozent dem, was ich letzte Woche am Mac mit Texmaker erstellt hatte. Aber das Beste kommt noch. Da es eine Universal-App ist, kann ich auch auf dem iPhone damit arbeiten. Um einen Text anspruchsvoll aussehen zu lassen, gibt es nichts besseres als LaTeX. Wer einen Brief aus einem dieser unsägliche Textverarbeitungsprogramme vergleicht mit einem, der mit LaTeX erstellt wurde, merkt sofort warum.

Ein mit LaTeX gesetztes PDF
Ein mit LaTeX gesetztes PDF

Auch wenn es ein paar Wermutstropfen gibt, wie zum Beispiel das fehlende deutsche Tastaturlayout in der App (lässt sich aber umstellen auf Standard-Tastatur) und eine Anbindung an TextExpander, so bietet die App durch genügend, um einen Kauf zu rechtfertigen. Für schnelle Notizen eignet sich zudem der Markdown-Modus, bei dem ein in Markdown geschriebenes Dokument automatisch in ein LaTeX-Dokument zur Seite gestellt wird. So hat man das Beste aus zwei Welten.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren