Pazifismus als Zelbstzweck

Pazifismus als Zelbstzweck

Gleich vorweg, ja ich habe den Dienst mit der Waffe verweigert und meinen Zivildienst, als es so was noch gab, geleistet. Wie ich mich heute entschieden würde, wenn man mich erneut vor die Wahl stellen würde, kann ich nicht sagen. Wohl aber, dass sich meine Haltung gegenüber der Bundeswehr erheblich geändert hat. Das bekannte Zitat von Kurt Tucholsky war etwas, was im Freundeskreis die gängige Meinung zum Thema Bundeswehr auf den Punkt brachte.

In einer sich verändernden Welt sollte man allerdings in der Lage sein, den eigenen Standpunkt zu überdenken. Wenn anderswo Menschenrechte mit Füßen getreten, wenn Andersdenken hingerichtet und man wegen seiner Religion oder auf Grund seines Geschlechts verfolgt wird, kann man sich nach wie vor in seinen moralischen Elfenbeinturm zurückziehen. Man kann weiterhin der Meinung sein, dass Gewaltfreiheit die einzige Lösung ist. Absoluter Pazifismus wird auf diese Weise jedoch zum Selbstzweck. Sicher, der Pazifist rettet die Leben seiner Nächsten. Das Leben von Menschen in anderen Länder opfert er aber dabei auf dem Altar seiner Prinzipien.

Jürgen Todenhöfer bezeichnete vor kurzem den Bundespräsidenten Joachim Gauck als „Jihadisten“, weil Gauck sich für mehr internationales Engagement der Bundeswehr ausgesprochen hatte. Um das Überleben unschuldiger Menschen zu retten oder Menschenrechte durchzusetzen, sei es, so Gauck, „manchmal erforderlich, auch zu den Waffen zu greifen“. Ein Satz, hinter den ich mich als ehemaliger Zivildienstleistender stellen kann. Weil er wahr ist. Gauck macht sich weder zum Sprachrohr der Rüstungsindustrie noch ist er ein Kriegstreiber, der deutsche Soldaten sinnfrei in den Tod schickt.

Quelle: aus dem Facebook-Post von Jürgen Todenhöfer
Quelle: aus dem Facebook-Post von Jürgen Todenhöfer

Das schlimmste jedoch ist die durch die sozialen Netzwerke geisternde Bildmontage, die offensichtlich Todenhöfer angefertigt hat. Gauck als Aiman al -Zawahiri, einen Führer der al-Qaida darzustellen, ist mehr als nur geschmacklos. Wer so was macht, dem sind die Argumente ausgegangen.

Es geht bei Bundeswehreinsätzen nicht um einen Angriffskrieg, sondern um Einsätze gemeinsam mit anderen (europäischen) Ländern um Menschenleben zu retten. Das hat sein Preis. Auch wird das Leben deutscher Soldaten gefährdet. Deutschland kann und darf aber nicht zusehen, wenn anderswo ganz Bevölkerungsgruppen abgeschlachtet werden. Nur über Verhandlungen lassen sich nicht alle Konflikte lösen. Verhandlungen sollten immer die erste Option sein, aber damit sie erfolgreich sein können, bedarf es eines glaubwürdigen Druckmittels. So sieht die Realität aus. Das kann einem gefallen oder nicht, gibt aber niemanden das Recht, ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt gleichzusetzen mit einem Terroristen, der ohne Rücksicht Menschen ermorden lässt.

3 Replies to “Pazifismus als Zelbstzweck”

  1. Nun, dann bitte ich dich jetzt einmal in die Länder zu schauen, in denen Kriegseinsätze aus „Humanitären“ Gründen stattgefunden haben. Wie sieht die Lage dort jetzt aus? Sterben dort jetzt weniger Menschen? Nehmen wir den Irak. Ist es eine Demokratie geworden? Oder nehmen wir Afghanistan – leben dort die Menschen jetzt in Frieden?

    In beiden Fällen ist das nicht der Fall. Der Grund dafür ist, dass es in den meisten Kriegen nur um wirtschaftliche Interessen geht und nicht um die Menschen. Demokratie und Menschenrechte kannst du nicht von außen in ein Land bringen. Die Bevölkerung muss dazu bereit sein und sie muss auch dazu bereit sein, diese Dinge dann zu verteidigen. Erst dann stehen diese Dinge auf einem festen Fundament.

    Wenn du Kriegseinsätze damit rechtfertigst, dass damit Menschenleben gerettet werden, dann nenne dafür bitte auch Beispiele. Wo haben Kriegseinsätze dazu beigetragen, dass Länder WIRKLICH befriedet wurden? Wo hat das Morden nach solchen Kriegseinsätzen wirklich aufgehört?

    Wer Frieden will, der sollte als erstes aufhören Waffen zu exportieren und der sollte dann auch aufhören Waffen zu produzieren. Wer Frieden will, der muss Perspektiven in die Länder bringen, der muss die Ausbeutung beenden – der muss all das abstellen, was zu Hass zwischen Menschen und Religionen führt. Das klappt nicht mit Bomben und auch nicht mit Gewehren.

    1. Gegenfrage an dieser Stelle: Kann man mit Terroristen verhandeln? Lassen sich Schlächter von der ISIS mit Argumenten überzeugen? Ich denke nicht.

      Was den Waffenexport angeht, da sind wir uns auf jeden Fall einige. Ein sofortiges Verbot von Rüstungsexporten wäre dringend notwendig.

      Perspektiven schaffen, auch richtig. Ebenso wie der Standpunkt, dass man die Menschen in einem Land überzeugen muss. Gelungene Beispiele, dass wissen wir wohl beide, sind selten. Leider aber auch in beiden Fällen.

      Für mich, der bis dahin jeden Einsatz der Bundeswehr abgelehnt hatte, gab es vor ein paar Jahren einen Wendepunkt. Eine Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung in Bielefeld, wo Mitarbeiter aus dem Büro in Afghanistan, Kabul, von ihrer Arbeit und dem Alltag dort berichteten. Unter anderem versucht die Böll-Stiftung in Afghanistan, „die Rechte von Frauen und deren politische Partizipation zu verbessern“.

      Auf der Veranstaltung wurde berichtet, für wie wichtig nicht wenige Afghanen den Einsatz der Bundeswehr hielten.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren