Mehr Kühlschränke für die Truppe

Mehr Kühlschränke für die Truppe

Ein hässliches Bild entstand bei mir im Kopf, als ich den Artikel zur „Wohlfühloffensive für die Truppe“ im Kölner Stadt-Anzeiger von diesem Samstag las. Es ging um die Vorschläge der Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, mit denen die Bundeswehr als Arbeitgeber attraktiver gemacht werden sollte. Hängen blieb bei mir erstmal nur „Kühlschränke für die Truppe“. Als Krimi-Autor denkt man spontan eher weniger an die haushaltsüblichen Geräte in der Küche zum kühlen von Speisen, sondern an die Kühlfächer in der Rechtsmedizin. Bei zunehmenden Auslandseinsätzen der Bundeswehr und gesteigerten Risiko wäre es, so mein Gedanke, durchaus nicht verkehrt, in der Truppe für mehr Kühlfächer zu sorgen.

Mit ziemlicher Sicherheit hatte unsere Bundesverteidigungsministerin so was nicht im Kopf, als sie von einer notwendigen Modernisierung der Stuben sprach. Ihr geht es viel mehr darum, das „Unternehmen“ Bundeswehr fit zu machen für die Zukunft, gerade vor dem Hintergrund einer nicht mehr existierenden Wehrpflicht. Flachbildfernseher, Kühlschränke, Gratis-Telefonate und Laptops für die Mannschaft. Zusätzlich Option für familienfreundliche Teilzeitarbeitsplätze, sogar eine neue Möbelserie, die Wohnambiente schafft, klang an.

Gut vorstellbar, dass Frau von der Leyen dafür aus sehr unterschiedlichen politischen Lager ein scharfer Wind entgegen wehen wird. Da sind die Hardliner in der Bundeswehr, denen Frauen in der Truppe genauso ein Dorn im Augen sind wie die Abschaffung der Wehrpflicht und alles, was das den Image aus ihrer Sicht schadet. Sie sehen die Bundeswehr als das, was schon lange nicht mehr ist — und damit gehören sie genau so zum alten Eisen wie ihr Weltbild.

Auf der anderen Seite gibt die Ultra-Pazifisten, welche die Bundeswehr und alles, was nur entfernt an Krieg, Waffen und Gewalt erinnert, liebe heute als morgen abschaffen wollen. Die Bundeswehr als normaler Arbeitgeber, für sie ist so was schlicht nicht vorstellbar. Von einer Wohlfühloffensive fühlen sie sich daher genau so bedroht wie die Hardliner.

Als ehemaliger Zivildienstleistender, der seine Augen nicht vor einer sich wandelnden Welt verschließt, nehme ich eine andere Position ein. Eine realpolitische, würde ich behaupten. Krieg wir es in der einen oder anderen Form immer geben. Man kann ehrlicherweise bei gewaltsamen Auseinandersetzungen nicht einfach wegschauen. Die Bundeswehr verteidigt keine Landesgrenzen, sondern Freiheit, Demokratie und Menschenrechte. Eben auch am Hindukusch. Darüber kann man streiten, man kann es komplett anders sehen. Lassen wir es aber für meine folgende Betrachtung einfach so stehen.

Wenn die Bundeswehr auf internationalem Parkett wichtige Aufgaben erfüllt, die verkürzt gesprochen, für Frieden und Stabilität sorgen — warum soll sie diese Aufgaben nicht mit dem besten Personal, welches sie bekommen kann, erfüllen? Jeder Arbeitgeber ist doch bemüht darum, die qualifiziertesten Mitarbeiter für sein Unternehmen zu gewinnen. Das erreicht man weniger durch miserable Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung. Ist die Bundeswehr kein Arbeitgeber, weil ihre Angestellten potentiell in Lebensgefahr bei der Ausübung ihrer Tätigkeit schweben? Ja? Also so, wie Feuerwehrleute und Polizisten auch?

Wie gesagt, man kann über die Rolle der Bundeswehr streiten — sollte man auch. Über angemessen Arbeitsbedingungen jedoch sollte schnell ein Konsens erzielt werden können.

3 Replies to “Mehr Kühlschränke für die Truppe”

  1. Kann man so sehen, unrealistisch ist es trotzdem, weil die 100 Mio, die vorgesehen sind, ohne zusätzliche Haushaltsmittel bereitgestellt werden sollen. Sprich: Sie müssen woanders eingespart werden. Wer aber den Verteidigungshaushalt und dessen Entwicklung der letzten 20 Jahre kennt, fragt sich: Wo denn? Und: Wäre es nicht wichtiger, den Soldaten, die bereits jetzt für Freiheit und Demokratie ihren Kopf hinhalten, eine bessere Ausrüstung zu geben, als jenen, die Soldat werden wollen, eine schönes zweites Kinderzimmer?
    Der Dienst in der Bundeswehr ist nunmal kein Zuckerschlecken und wer Soldat wird, der sollte wissen, worauf er sich einlässt. Was nutzen kuschelige Unterkünfte in der Heimat, wenn es in den Krisengebieten so ungemütlich wird, dass viele das allein seelisch nicht verkraften? Und was ist mit Programmen für die Ehefrauen und Kinder der Soldaten, die monatelang im Einsatz sind? Wären auch hier nicht Gelder sehr viel angebrachter als für Kühlschränke und Flatscreens?
    Sorry, aber es klemmt an allen Ecken und Enden, und gerade so popularistische Ideen wie diese zeigen mal wieder, wie von den Laien gedacht wird.

    1. Stattgegeben. Der Einwand mit der bessere Ausrüstung ist schon für sich berechtigt. Entscheidender finde ich jedoch das Argument in Bezug auf die (seelische) Betreuung. Heimkehrende Soldaten werden, soweit ich es gelesen habe, zum Teil ziemlich alleine gelassen mit ihren traumatischen Erfahrungen. Ein Nachbetreuung des Einsatzes wäre hier sicher besser als jeder Flatscreen und Kühlschrank.

  2. Soldat ist zwar kein Job wie jeder andere, aber es ist und bleibt nun einmal ein Job. Und heute kann es sich kein Arbeitgeber mehr leisten, auch nicht die Bundeswehr, den Mitarbeitern schlechte Arbeitsbedingungen zuzumuten. Zumindest wenn er noch länger erfolgreich operieren will.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren