Homeoffice – Segen oder Fluch?

Homeoffice – Segen oder Fluch?

Immer wieder freitags die süßen länge des Homeoffice. Wenn man schon seit über zehn Jahren werktäglich mindestens 85 Kilometer pro Strecke zurücklegt, freute man sich, an einem Arbeitstag nicht fahren zu müssen. Sich nicht um einen Sitzplatz im Zug prügeln zu müssen, kein Bangen auf Grund von Zugverspätungen, Streckensperrung und anderen Widrigkeiten. Einfach zur heimischen Kaffeemaschinen schlurfen könne am Morgen, in egal welcher Sachen am Schreibtisch sitzend die beruflichen E-Mails durchlesen.

Für mich persönlich konnte ich in den letzten Jahren Homeoffice feststellen, dass ich in der Zeit zu Hause am Schreibtisch konzentrierter und produktiver bin. Manche Probleme lösen sich mitunter sogar schneller. Gleichzeitig bin ich ausgeglichener — was allerdings weniger mit der Arbeit an sich sondern mit dem fehlenden Pendler-Streß zu tun hat.

Sicher, es gibt einige Arbeitgeber, die der Vorstellung, ihre Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten zu lassen, wenig abgewinnen können. Von den vielen Argumenten gegen Homeoffice stechen zwei besonders hervor. Die fehlende Kontrollmöglichkeit verbunden mit dem Verdacht, der Arbeitnehmer würde in seinen eigenen vier Wänden zum Freizeitnehmer. Es mag mit Sicherheit Menschen geben, für die der heimische Schreibtisch kein geeigneter Platz zum arbeiten ist. Aus den unterschiedlichsten Gründen kommen sie damit nicht zurecht. Die Störungen aus dem Umfeld sind zu groß, statt Konzentration rückt Ablenkung in den Vordergrund. Oder aber es handelt sich um einen Menschen, der einfach gerne seinen eigenen „Projekten“ nachgeht, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Der Teil, zu dem auch ich mich zähle, kann mit der eingeräumten Freiheit umgehen. Diese Freiheit führt auf Grund des vertrauten Umfeldes eben auch zu einer höheren Produktivität. Befreit von Fahrplänen kann man auch problemloser kontinuierlich an einem Projekt arbeiten und eine Idee zu Ende führen, ohne gleich dran denken zu müssen, dass eine Minute länger am Schreibtisch zu einer ganzen Stunden später Feierabend führt, da man den Zug verpasst hat. Andersherum setzt man sich sogar auch mal früher an den Schreibtisch, wenn der Kopf bereits hellwach ist — so ging es mir am vergangenen Freitag, als ich nach einem Einkauf auf dem Wochenmarkt bereits um 8 Uhr statt 9 Uhr am Schreibtisch landete.

Bleibt noch der Punkt der fehlenden Kontrolle des Arbeitnehmers. Da sei die Gegenfrage berechtigt, ob diese noch im „klassischen“ Sinne notwendig ist oder ob sie eher ein Merkmal grundsätzlichen Misstrauens ist. Wirklich kontrollieren lässt sich ein Mitarbeiter auch im Büro nur durch Überwachung. Abgesehen von rechtlichen Aspekten, die dabei berührt werden (abhängig davon, ob der Arbeitgeber gewisse Grenzen überschreitet) ist rigide Kontrolle Gift für Kreativität und kann zum Hindernis für die Selbständigkeit des Mitarbeiters bis hin zur inneren Kündigung führen.

Meiner Meinung nach spricht aus Arbeitgebersicht einiges dafür, Mitarbeitern mindestens einen Homeoffice Tag pro Woche zu zu gestehen. Nicht in jeder Branche ist das möglich, ganz klar. Je vernetzter die Arbeitswelt wird, desto leichter sollte es fallen, Mitarbeiter von der klassischen „Käfighaltung“ zu befreien. Von der gewonnenen Flexibilität profitieren beide Seiten.

2 Replies to “Homeoffice – Segen oder Fluch?”

  1. Das kann ich alles so unterschreiben!

    Ich habe seit mittlerweile 6 Jahren die Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten und mir meine Zeit dort auch relativ frei ein zu teilen. Das mache ich auch regelmäßig, 1-2 Tage in der Woche.

    Die Effiziens meines Arbeitstages ist dabei im Homeoffice deutlich höher. Das fängt schon damit an, das ich mich am Morgen nicht durch den Berufsverkehr ins 40 Kilometer entfernte Büro quälen muß. Aufstehen, Bad, Kaffeemaschine und los geht es. Ebenso sieht es am Nachmittags aus. 10 Minuten früher oder später raus aus dem Büro, können auch 5 Kilometer mehr oder weniger Stau bedeuten.

    Ich erwische mich allerdings im Homeoffice oft dabei, das ich kein Ende finde, mit der Arbeit. Es ist ja so schön bequem, der Kaffee ist lecker – machen wir noch ein Stündchen. Daher sehe ich bei mir die Gefahr eines „Freizeitoffice“ nicht, eher ist das Gegenteil der Fall.

    Ein weiterer Vorteil ist es besonders im IT-Bereich, wo ich tätig bin. Einige Dinge kann ich nur erledigen, wenn die lieben Kollegen nicht mehr arbeiten. Updates auf Terminalserver ist so ein Fall. Diese kann ich aber gemütlich aus dem Homeoffce erledigen, auch am späten Abend noch.

    LG Thomas

    1. Den Punkt „Freizeitoffice“ haben ich ganz bewusst außen vor gelassen. Darüber kann man ziemlich lange und auch kontrovers diskutieren. Ich handle die Homeoffice Verfügbarkeit weitestgehend wie die Anwesenheit im Büro. Feste Zeige, danach wird alles abgeschaltet. Ständige Verfügbarkeit sollte nicht sein.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren