Mindestlohn für den Würstchenbaron

Als normal arbeitender Bürger, der brav seine Steuern zahlt muss man schon viele Lottoscheine ausfüllen um auf die staatliche Summe von 27,2 Millionen Euro kommen. So hoch ist nach neustem Stand die Summe, die Uli Hoeneß an Steuern hinterzogen hat. Das sind weder Peanuts noch handelt es sich bei seinem Vergehen um ein Kavaliersdelikt. Unabhängig wie das Strafmaß für Honeß ausfallen wird, lässt sich eine Frage auf jeden Fall schon mal beantworten: Lohnt sich Steuerbetrug? Für die beteiligte Bank auf jeden Fall.

Der galoppierende Hoeneß wird noch ein paar Tage die Medien beschäftigen, bevor er von der Bildfläche verschwindet und vermutlich nur noch als Beispiel für angehende Juristen und Steuerberater in den Prüfungsaufgaben vorkommen wird. Interessanter sind dagegen Randartikel aus der Zeitung, die unbeachtet eigentlich viel fundamentaleres hervorbringen. Allen Ernstes klagen Jäger derzeit vor dem Verwaltungsgericht in Nordrhein-Westfalen, um als Tierschützer anerkannt zu werden. Jäger und Tierschützer? Warum eigentlich nicht. Schließlich gelten Soldaten mittlerweile als Friedensstifter. Es wird nicht mehr lange dauern, bis sich Metzger als Vegetarier bezeichnen lassen, denn schließlich wissen Verbraucher seit den letzten Lebensmittelskandalen, dann ist den meisten Produkten alles andere als das drin ist, was laut Verpackung drin sein sollte. Wer es geschickt anstellt, kann mit Würstchen sogar groß rauskommen.

In einem Artikel von gestern im Wirtschaftsteil des Kölner Stadt-Anzeiger ging es, mal wieder, um Hetze gegen den Mindestlohn. Land auf, Land ab wird gerne immer wieder behauptet, die Einführung eines Mindestlohnes würde Tausende von Arbeitsplätzen kosten. Also so ungefähr wie das Nichtraucherschutzgesetz zur Schließung sämtlicher Kneipen geführt hat. Fast ist man geneigt, von einem Mythos „schädigender Mindestlohn“ zu sprechen. Laut Artikel würde von 160.000 Zeitungsträgern mindestens 10 Prozent ihre Arbeit verlieren, wenn für die Austräger ein Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt würde. Das klingt mindestens genauso viel wie merkwürdig. Wenn 16.000 Stellen wegfallen, wer trägt dann die Zeitungen aus?

Es ist kaum anzunehmen, dass die Arbeit komplett auf die restliche Boten verteilt werden kann (zumal die ja zu den besseren Konditionen entlohnt werden). Es müssten also entsprechen viel Abonnements wegfallen. Weniger Arbeit bedeutet dann entsprechend weniger Personal. Das Wegfallen geschieht von ganz alleine. Wer morgens nicht zur gewohnten Zeit seine Zeitung auf dem Tisch hat, wird auf die Fortführung seines Abos ohne weitere Argumente verzichten. Vielleicht bekommt man sogar eine Kündigungsprämie.

Wer Austräger einspart, schadet sich selber. Ob mit oder ohne Mindestlohn. Die meisten Menschen sind aber zur kurzsichtig um zu erkennen, wann sie am eigenen Ast sägen. Andernfalls gäbe es solche eklatanten Fälle von Steuerhinterziehung wie bei Honeß schließlich auch nicht. Um noch mal auf Uli Hoeneß zu kommen: es gäbe für ihn und andere Steuersünder eine Strafmaß, bei dem nur ein paar Gesetze angepasst werden müssten. Damit würde man nicht nur Hoeneß das Gefängnis ersparen, sondern dem deutschen Steuerzahler auch die Kosten, für den Aufenthalt dort auch noch aufzukommen. Machen wir uns nichts vor. Besserung wird wohl kaum niemand von Uli Hoeneß erwarten und bei aller berechtigten Freude, ihn hinter Gittern zu sehen schmeckt doch die Erkenntnis bitter, dass für die Unterbringung der Staat, also wir, aufkommen wird.

Aber zurück zum Lösungsvorschlag. Ein einfaches Verfahren zur Ausbürgerung und Aberkennung der staatsbürgerlichen Rechte bei Auflage, lebenslang Deutschland nicht mehr betreten (und auch vertreten) zu dürfen. Das Land, in dem die Bank ihren Sitz hat, über die der Steuerbetrug gelaufen ist, hätte automatisch die Verpflichtung, den ausgebürgerten Steuersünder aufzunehmen. Auch wenn das absurd und utopisch denkt, drüber nachdenken könnte man ja mal.

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