Gelesener Glaube

Seit über einem Jahr wohnen meine Frau und ich bereits in der Siedlung Stellwerk 60. Bei einem Umzug passieren oft Dinge im Hintergrund, die man erstmal nicht mitbekommt. Sofern man noch einer der beiden größten Glaubensgemeinschaften in Deutschland angehört, wird die Adressänderung über die Stadt auch an die Kirche weiter gegeben. Sicheres Zeichen dafür ist der Gemeindebrief, der sich irgendwann dann bei einem im Briefkasten einfindet. Bisher blieb bei uns der Briefkasten leer.

Auch wenn ich nicht zu den regelmäßigen Kirchgänger zähle, eher sogar zu denen, die einmal im Jahr in den Gottesdienst finden, so ist der Glaube für mich dennoch Bestandteil meines Lebens geworden. Es hat zwar etwas länger gedauert (wir reden hier über einen Zeit von mehr als 20 Jahren), aber letztendlich bin ich an den Punkt angelangt, wo ich mich selber als glaubenden Menschen bezeichnen würde. Im Gegensatz zu anderen habe ich dabei der evangelischen Kirche zu keinem Zeitpunkt den Rücken gekehrt. Mein Standpunkt dabei war stets, dass man auch ohne Glauben gemeinsame Werte teilen kann.

Gestern lag der aktuelle Gemeindebrief der Lutherische Nippes bei uns im Briefkasten. Ein Stück weit fühlte sich das wie ein zweites Mal ankommen an. Viele Sachen lassen sich inzwischen über das Internet machen. Termine und Text liegen bei vielen, auch anderen Gemeinden, längst in digitaler Form vor. Dennoch ist es zumindest für mich ein anderes Gefühl, den auf Papier gedruckten Gemeindebrief in den Händen zu halten.

Im Gegensatz zu früher, als ich noch in Wesel gewohnt habe, hat sich einiges geändert. Statt triste Schwarz- und Grautöne ist der Gemeindebrief der Lutherkirche farbig — kommt aber dennoch im genau gleichen Format daher wie der Gemeindebrief der Lauerhaas Kirche in Wesel. Gestern Abend schaffte ich es nur, ein wenig zu blättern, zum lesen bin ich nicht gekommen. Das was ich aber gesehen habe, strahlt Wärme aus. So was lässt sich schwer erklären. Entweder weiß man genau, was ich meine oder aber wird es nie verstehen. Der Gemeindebrief in meiner Hand ist verbunden mit der Erkenntnis, dazu zu gehören. Zu wissen, warum man evangelisch ist.

Mittlerweile nimmt bei mir das Bedürfnis zu, sich einzubringen. Mehr zu machen, als nur einmal im Jahr zu Weihnachten (jetzt ist es raus) in die Kirche zu gehen.

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