Kein Stück Heimat nirgendwo

Geboren in Wesel am Niederrhein, zum Studium ins ostwestfälische Bielefeld geweht und mittlerweile in Köln gelandet. Dennoch immer in Nordrhein-Westfalen geblieben. Die Blogparade von Katja Wenk zum Thema Heimat führt auch beim mir dazu, mich mit dem was Heimat für mich bedeutet zu beschäftigen.

Heimat ist für mich nicht dort, wo ich geboren wurde. Mag sein, dass ich dort die ersten 20 Jahre meines Lebens verbracht habe. Die nächsten 18 Jahre lebte ich woanders und auch dass hat nur ein paar Furchen in meiner Erinnerung hinterlassen, kein Gefühl von Heimat. Umzüge fallen mir dennoch schwer, wohl aber mehr aus Bequemlichkeit. Theoretisch meine ich eine Pflanze zu sein, die man nahezu überall ansiedeln kann. Aber so ganz wahr ist es wohl nicht. Und ebenfalls nicht so einfach.

Heimat ist da, wo man sich wohl fühlt, wo eine Sprach gesprochen wird, die man versteht. Heimat ist auch ein großes Stück Sicherheit. Je älter ich werde, desto deutlicher zeichnet sich ab, was ich an dem Land, in dem ich derzeit lebe, schätze. Keine Angst zu haben, wenn man krank wird, weil man ordentlich versichert ist. Der Umstand, jederzeit zu einem Arzt gehen zu können. Ebenso wichtig der Umstand, in einer Demokratie, in einem Rechtsstaat zu leben. Aber ist das Heimat? Eher nicht, denke ich. Es sind Parameter für eine Umgebung, in der man sich wohlfühlen kann. Schutz und Geborgenheit, aber nicht zwangsläufig Heimat.

Ein Ort, an dem die Seele Frieden findet. Möglicherweise führt das zu einer Vorstellung von dem, was Heimat sein könnte. Heimat ist auf jeden Fall für jeden Menschen etwas anders. Heimatland, Vaterland, Blut und Boden. Alte Vorstellungen, an denen man sich reiben kann. Ohne an den historischen und politischen Ballast zu denken, das Wort Heimat völlig neutral anzunehmen, komme ich doch immer wieder zu dem Punkt wo ich glaube, keine Heimat gefunden zu haben.

Wenn alles mit allem verbunden ist, moderne Möglichkeiten der Kommunikation uns genauso so offen stehen wie die Fortbewegung mit Reisemitteln, die uns in Rekordzeit an jeden Ort der Welt bringen können, dann ist Heimat nicht mal mehr der Ort, an dem unser Familie, unsere Freunde sind. Denn tatsächlich sind sie meisten verstreut über das Land, wenn nicht sogar über den Kontinent oder die Welt.

Heimat ein Buch, ein Lied oder ein virtueller Ort? Auch eine der vielen möglichen Vorstellungen. Ich denke, mit der Heimat ist es wie mit der Liebe. Man kann sie schwer greifen, man kann sie auch nicht theoretisch beschreiben. Wenn sie einen erwischt hat, dann weiss man es. Daher spreche ich gerne von einer gefühlten Heimat. Etwas, bei dem man von einem auf den anderen Augenblick weiss, man gehört da hin und nirgends anders. Möglicherweise sogar etwas, was tief versteckt an einen über mehrere Generationen weiter gegeben wurde.

Das im Hinterkopf gibt es eigentlich nur eine Region, die ich als Heimat bezeichnen würde. Schottland. Wenn ich an die Region denke, erhöht sich mein Puls, meine Stimmung verändert sich, ein Gefühl wie frisch verliebt zu sein erfasst und trägt mich. Dabei wurde ich dort weder geboren, noch habe ich in Schottland längere Zeit gelebt. Lediglich Urlaub gemacht. Und dennoch. Gefühlt ein, nein meine Heimat. Erklären kann ich es nicht. Es ist einfach so.

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