Aufbackbrötchen

Beim Thema Brötchen ließe sich lang und breit über die Preisentwicklung oder regionale unterschiedliche Bezeichnungen referieren. Rundstück, Schrippe, Semmel. Preis und Bezeichnung sind mir allerdings egal, wenn die Qualität stimmt. Genau da aber muss man zunehmend Abstriche mache. Zumindest dachte ich das. Und manchmal nimmt man eine bestimmte Qualität als gegeben hin, ohne sich weiter Gedanken zu machen.

Richtig bewusst geworden ist mir das an zwei zurückliegenden Tagen, Sonntag und Montag. Gelegentlich erwerben meine Frau und ich Sonntagsbrötchen. Mittlerweile wieder etwas häufiger, denn wir haben in der autofreien Siedlung mit dem Speisewagen einen freundlichen Nahversorger, der auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet hat. Die Brötchen von dort sind mindestens passabel, dachte ich. Vergangenen Sonntag gab es wieder nichts zu bestanden an dem, was wir in der Tüte hatten.

Am Montag Abend stand Finger-Food auf dem Speiseplan, ein Gericht mit gebratener Hähnchenbrust. Die sollte in einem Aufback-Baguette (aus einem anderen Supermarkt) serviert werden. An sich ließ sich an dem Rezept grundsätzlich wenig konkretes aussetzen, auch wenn Aufwand und Ergebnis nicht im idealen Verhältnis zueinander standen (es kamen noch ein paar weitere Zutaten hinzu). Das Gericht selber ist auch eigentlich unerheblich. Entscheiden ist, dass ich mich beim essen am Gaumen geschnitten habe. Scharfkantige Baguette-Kruste. Das ist eben der Preis, den man bei Aufbackbrötchen bezahlt.

An genau dieser Stelle wird es zumindest für mich richtig interessant. Denn das Schneiden an der Kruste von Brötchen ist ein Phänomen, welches ich noch zu gut aus Bielefeld kenne. Unabhängig davon, wo wir die Backwaren kauften – und auch egal, ob es unter der Woche war oder am Sonntag. Die Art der Bäckerei spielte auch eher eine untergeordnete Rolle.

Es muss auch einen Grund gegeben haben, warum wir in Bielefeld noch bis vor Umzug regelmäßig Brot selber gebacken haben. Etwas, was wir in Köln eher zu besonderen Anlässen machen. Mein Verdacht in Bielefeld hinsichtlich der Brötchen schloss die Möglichkeit von aufgebackenem Teigdinger nicht aus. Die Auswahl an Brotsorten ist dort in Ostwestfalen auch eher mager.

Kommen aber wieder zurück zu den Brötchen vom Speisewagen. Erst am Montag wurde mir so richtig bewusst, dass ich mir an ihnen nicht den Gaumen aufgeschnitten hatte. Da spricht für den Bäcker, wie ich finde. Es bestätigt auch erneut meine Theorie des besseren Brot-Angebotes in Köln im Vergleich zu Bielefeld.

Meine Meinung und Beobachtungen kann man sich in Frage stellen. Man sollte dann aber zumindest den Versuch unternehmen, im kommenden Herbst einen ordentlichen Weckmann (Stutenkerl) in Bielefeld aufzutreiben. In Köln gibt es die bis weit in den Dezember hinein. Gut, aber jetzt ist erstmal (hoffentlich) Sommer. Und damit frische Sonntagsbrötchen für eine Frühstück auf dem Balkon.

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