Und keiner geht hin

Und keiner geht hin

Stell dir vor es ist ESC und keiner geht hin. Beziehungsweise, niemand schaltet den Fernseher ein. Das Abendland würde davon auf jeden Fall nicht untergehen. Böse Stimmen behaupten sogar, ein Verzicht auf den Eurovision Song Contest würde zur Rettung des Abendlandes beitragen.

Es gab eine Zeit, in der habe ich mir die Veranstaltung angesehen. Ein paar Jahre davor sogar noch recht regelmäßig und alles andere liegt im Dunkel der Vergangenheit, was vermutlich auch ganz gut so ist. Gestern jedenfalls fand der ESC 2013, wenn ich mich irre , in Malmö statt. Gewonnen hat – nicht Deutschland.

In der Geschichte des ESC mit immerhin 58 Veranstaltungen gab es gerade einmal zwei Beiträge aus Deutschland, die siegreich waren. Man könnte daraus schließen, dass es mindestens zwei Dinge gibt, die wir Deutschen nicht können. Singen und Krieg führen. Wobei auch die Schlussfolgerung möglich ist, manche Beiträge beim ESC wäre schon so etwas wie Kriegsführung. Mit Geschmack jedenfalls hat die Veranstaltung wenig bis gar nichts zu tun.

Ein weiter um sich greifender Trend beim ESC scheint zu sein, nicht in der Landessprache zu singen, sondern das der englischen Sprache anzutun. Der einigermaßen gebildete Zuschauer (soweit es kein Widerspruch ist) hat dann das fragliche Vergnügen, den gestammelten Text verstehen zu können. Manchmal wäre Unwissenheit ein Segen.

Gewonnen hat in Malmö Emmelie de Forest aus Dänemark mit dem Lied „Only Teardrops“. Hört sich in etwa so an, als ob man bekifften Elfen Abführmittel eingeflößt hätte – etwas Folklore, eine simple Melodie und so viel Trommeln, dass die Stimme der Sängerin im Hintergrund absäuft. Etwas besonders jedenfalls ist das Lied nicht.

Um das beurteilen zu können, muss man wirklich nicht die Sendung in voller Länge gesehen haben. Es reicht die Zusammenfassung auf der Webseite des ESC.

Wirklich den Hut ziehen muss man vor der Band aus Griechenland mit dem Song „Alcohol Is Free“. Das ist angesichts der jüngsten Finanzkrise mehr als nur Selbstironie – es scheint das Einzige zu sein, was den ESC erträglich zu machen schein. Zumindest wirkt es bei dem Beitrag von Ungarn, die einen Hipster-Schlumpf ins Rennen schickten (Platz 10, immerhin).

Kleine Auffälligkeit am Rande: Auf der Webseite des ESC steht unter den Videos nicht „XYZ“ singt / sang den Beitrag, sondern „performte“. Das ist eine deutliche Aussage. Und Deutschland, na ja, ist eben ein Underperformer, wie der Börsenkenner sagen würde.

2 Replies to “Und keiner geht hin”

    1. Und tatsächlich hätte mir am besten der Beitrag aus der Schweiz gefallen. Aber der war ja nicht mal im Finale…

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren