Papst ohne I

Generell sollte man sich als jemand, der einem anderen Verein angehört, eigentlich aus den Angelegenheiten der katholischen Kirche raus halten. Oft genug betone ich schließe: „Gott sei Dank bin ich evangelisch“. Aber ganz so einfach ist es nun doch nicht.

Erstens ist der Papst auch eine öffentliche Person, deren Einfluss über die katholische Kirche hinausgeht (ob einem das gefällt oder nicht). Und zweitens liegt die Auseinandersetzung quasi in der Familie – aber dazu komme ich später noch.

Mir als Laie ist bisher die Besonderheit bei Namen des Papstes nicht aufgefallen. Dabei ist sie eigentlich offensichtlich. Jorge Mario Bergoglio heisst als Papst nicht Franziskus der I. oder Franziskus I., sondern lediglich Franziskus. Seit dem zwölften Jahrhundert gab es nur einen einzigen Papst, der in seinem Namen die römische eins trug. Und das sogar zu Lebzeiten. Johannes Paul I., der 33-Tage Papst, um den sich einige Verschwörungstheorie ranken.

Auffällig zwischen Johannes Paul I. und Franziskus ist ihre Art, ihr Amt nicht über die Menschen zu stellen. Beide Päpste zeigen eine beeindruckende Bescheidenheit, unabhängig von ihren sonstigen Positionen zum Beispiel in Bezug auf die kirchliche Positionen zur Homosexualität. Wie Franziskus sein Amt ausfüllt, wird sich zeigen. Auch welchen Kurs die katholische Kirche insgesamt einschlagen wird.

Kommen wir aber noch mal zurück auf den 33-Tage Papst. Eines der Verschwörungsbücher stand auch in einem Regal in meinem Elternhaus. Mein Vater ist katholisch getauft, hat sich aber für einen Verbleib in der Kirche entschieden. Mit dem Ergebnis, wenn ich das so schreiben darf, dass er sich seit dem ein Stück weit an der Kirche abgearbeitet hat. Irgendwie bleibt man doch an den Glauben gebunden, auch wenn man seiner Kirche den Rücken kehrt.

Die Katholiken dienen Gott auf ihre Weise, wir Protestanten dienen unserem Herren auf SEINE Weise.

Für mich führte diese Erkenntnis dazu, nicht aus der Kirche auszutreten – wobei, wie gesagt, auf Grund meiner evangelischen Taufe der Leidensdruck erheblich geringer war. Von meinem Vater mitbekommen habe ich den kritischen Blick auf die katholische Kirche, was ich insbesondere in einer Stadt wie Köln merke. Hinzu kommt hier auch noch, dass mein Vater gebürtiger Kölner ist, aber das nur am Rande.

In der Minderheit zu sein, was in Köln ist, wenn man sich zu den Protestanten zählt, ist eine neue Erfahrung. Es schärft die eigene Beziehung zum Glauben, weil man viel mehr durch die Abgrenzung erkennt, was es eigentlich bedeutet, evangelisch zu sein (möglicherweise auch eine altersbedingte Entwicklung). Im Religionsunterricht, soweit ich mich dran erinnern kann, ging es vornehmlich um das Verbindende zwischen den beiden Glaubensrichtungen.

Die Ökumene stellt mich immer wieder vor ein Rätsel. Ich frage mich dann immer, was die Katholiken dran hindert, zu konvertieren. Vor allem dann, wenn sie der eigenen Kirche kritisch gegenüber stehen, wie mein Vater. Statt auszutreten, hätte er auch konvertieren können wie Arnd Brummer, der seinen Wechsel wunderschön im Buch „Unter Ketzern“ beschrieben hat.

Gut, das war jetzt ein etwas weiterer gedanklicher Weg vom neuen Papst zur evangelischen Kirche, aber das sei so kurz nach Ostern mal erlaubt. Und vielleicht überrascht uns Franziskus und konvertiert – das wäre dann mal wirklich kirchenrechtlich spannend.

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