Tod eines Schnitzels

Über Geschmack lässt sich streiten. Das mag zwar für Mode gelten, aber definitiv nicht für Essen. Was gut schmeckt, wissen wir selber – glauben wir zumindest.

Was uns schmeckt, wird uns quasi in die Wiege gelegt. Unsere Ernährunsgewohnheiten sind geprägt durch das, was wir früher als Kinder und Jugendliche zu Hause zu essen bekommen haben. Das gilt auch dann, wenn wir bestimmte Gerichte nicht mochten. Den auch durch Ablehnung entstehen eigene Präferenzen.

Geschmack kann sich aber auch im Laufe des Lebens verändern und weiterentwickeln. Früher mochte ich weder Parmesan noch Oliven. Mittlerweile esse ich beides sehr gerne. Allerdings ist hier dir Qualität ausschlaggebend. Sägemehl oder etwas, was besser zu Schmieröl verarbeitet worden wäre, kommt mir nicht auf den Tisch.

Spannend ist es bei Gerichten aus der Kindheit, zu denen es eine positive emotionale Bindung gibt. Wir verwenden dafür häufiger den Begriff „schmeckt wie bei Mama / Oma“, wohl wissend, dass es auch genügend gab, was uns damals nicht geschmeckt hat. Die Lieblingsgerichte von früher müssen, wenn wir ihnen heutzutage begegnen, möglichst genau so schmecken, wie man es in Erinnerung hatte. Das gilt dann für die Donauwelle genauso wie für Erbseneintopf und gerade auch für das Schnitzel.

Schnitzel zu machen ist ganz große Kunst. Das merkt man immer dann, wenn man eins isst, was eher an einen Küchenunfall erinnert. Wer den Aufwand des Selbermachens scheut oder andere Gründe hat, außer Haus zu essen, bestellt sich sein Schnitzel in irgendeinem Restaurant, Gaststätte oder Kneipe. Damit wird Essen zum Experiment, denn Schnitzel ist nicht gleich Schnitzel und anders schmeckt es eben auch anders, wie man in speziellen Blogs zum Thema erfahren kann.

Wer selber „auf die Jagd“ gehen will, sollte sich vorher Gedanken über die eigenen Mindeststandards machen. Ein original Wiener Schnitzel ist etwas besonders. Flach geklopftes Kalbsfleisch, lockere Panade und vor allem wichtig: in der Pfanne gebraten. In Köln gibt es für so etwas einen „Geheim“-Tipp: Bei Oma Kleinmann. Schmeckt genau so, wie es schmecken soll.

Wer die eigene Ansprüche etwas herunterfährt, gibt sich auch mit einem Schweineschnitzel zufrieden. Man sollte jedoch nicht so tief sinken, ein Schnitzel auf dem Teller zu akzeptieren, das nicht aus der Pfanne kommt. Mein erster und definitiv letzter Besuch des „Schweinske“ im Kölner Bahnhof hinterließ den Eindruck, das Schnitzel dort würde in der Fritteuse zubereitet. Geschmacklich ist das eine Katastrophe, vor allem, wenn das Fleisch innen noch leicht rosa ist.

Bedingt durch die Zubereitung hat man entweder ein Schnitzel, was noch nicht durch ist (so was mag ich nur bei Steak) oder aber ein Teil, das so trocken ist, das die Sahara schon wie ein Feuchtgebiet wirkt.

Sicher, mit einer Fritteuse kann man auch ohne Kochausbildung ein Schnitzel zubereiten. Leider schmeckt es in den meisten Fällen aber auch genau so. Wenn Schnitzel, dann lieber richtig und dafür lecker. Oder eben eine Curry Wurst, wobei das dann wieder eine ganze andere Geschichte wäre.

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