Vor Nachbars Garten

Auch wenn der Umzug in die autofreie Siedlung in Bezug auf die vorherige Wohnsituation vieles verbessert hat, war mir eins jedoch klar. Stellwerk 60 ist nicht das Paradies. Daher hat man es mit ganz normalen Nachbarn zu tun.

Das Verhältnis im Haus selber ist höflich – zumindest fehlen derzeit noch die negativen Erfahrungen. Die Wasserbomben auf dem Balkon fallen eher unter die Kategorie „spielenden“ Kinder. Sicher war das auch nur ein Versehen. Aber es gibt auch noch andere Nachbarn, die nicht im Haus, sondern gegenüber wohnen. Richtung Süden sind das die Besitzer von Reihenhaushälften (in diesem Fall dürfte der richtige Begriff Stadthaus sein). Jetzt, wo der Sommer genauso zu Ende gegangen ist wie die Ferien, bekommt man vom Treiben der Nachbarn auch wieder mehr mit. Dazu gehören leider auch einige Unsitten.

Gestern entsorgte eine der Nachbarinnen ein Kinderfahrrad. Statt zum Speermüll wurde einfach ein Zettel „zu verschenken“ angeklebt. Das ist an sich nicht verwerflich, finde ich. Solange man zumindest nicht hingeht und das Fahrrad vor einen anderen als den eigenen Hauseingang stellt. Genau das aber machte die Nachbarin mit einer Selbstverständlichkeit, die abstoßend ist.

Mich persönlich stört so ein Verhalten ziemlich. Es erinnert mich stark an ein Zitat aus „Animal Farm“ von George Orwell:

All animals are equal, but some animals are more equal than others.

Sich über andere erheben, ein Verhalten an den Tag zu legen, weil man meint, sich das rausnehmen zu dürfen. Genau das macht bereits im Kleinen das Leben für andere weniger lebenswert. Diese Menschen sind für mich daher „Rüpel, Ignoranten, Sozialallergiker und Ichlinge“. Und mit der Ansicht stehe ich nicht alleine, wie ich auch seit dem Wochenende weiß. Jörg Schindler hat ein Buch geschrieben, welches sich genau mit diesem Phänomen beschäftigt: Die Rüpel-Republik.

In einer spontanen Aktion habe ich beim schreiben dieser Zeilen dazu entschieden, genau diese Buch für die Zugrückfahrt zu kaufen. Schon der Klappentext erinnert mich stark ein Gefühl, welches mich immer stärker beschleicht:

Als Querulant gilt mittlerweile nicht mehr derjenige, der unter grober Missachtung von Anstand und Fairness jede Grenze überschreitet, sondern derjenige, der die Einhaltung von Regeln anmahnt.

Hoffentlich ist das Buch nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern bietet auch den einen oder anderen Tipp. Und was das Fahrrad angeht: Merkwürdigerweise stand das heute morgen an anderer Stelle.

Kommentar verfassen