Vogelscheuche

Wenn man mich fragte, ich finde ja nicht, dass ich wie eine Vogelscheuche aussehe. Aber gut, über Aussehen und Geschmack lässt sich streiten. Dagegen sollten bestimmte soziale Umgangsformen eigentlich allgemein gültig sein.

Das dem nicht so ist, konnte ich gestern vor der Rückfahrt am Essener Hauptbahnhof erleben. Ich stand vor der Auslage von Yorma’s, drehte mich dann wieder um und wurde von einem Mann fast umgerannt, der es auch genau darauf angelegt hatte. Mein freundlicher Hinweis, mir doch bitte Platz zu machen, wurde dann wie folgt kommentiert:

Ey! Komm her! Ey! Vogelscheuche!

Was soll man dazu noch groß sagen. Ich bin einfach meines Weges gegangen, da mir angesichts der Sprachkompetenz des Mannes klar war, dass ich ihm argumentativ eindeutig unterlegen bin.

Möglicherweise habe ich gestern im Kalender etwas übersehen. Vielleicht gab es da wirklich einen Hinweis auf einen besonderen Tag, denn am Bahnhof Köln-Deutz gab es ein ähnlich gelagertes Erlebnis. Ein horizontal benachteiligter Mann kam mir, den ganzen Bahnsteig für sich beanspruchend, entgegen. Da ich nicht vorhatte, ihm den Platz zu überlassen und ins Gleisbett zu springen, bekam er meinen Ellbogen ab. Sein Kommentar dazu:

Was soll das? Spinner!

Mag sein das ich spinne. Aber lebensmüde bin ich nicht, angesichts eines einfahrende Zuges am Rand der Bahnsteigkante zu balancieren.

Auf den letzten Metern zur Wohnung gab es dann den Klassiker. Drei Mitbürger älteren Semesters, die so nebeneinander gingen, dass man sich entweder gegen die Hauswand drücken oder auf die Straße ausweichen musste. Ich habe mich für keine der beiden Alternativen entschieden. Auch hier wieder voller Körpereinsatz. Eine Reaktion nach dem Zusammenstoß blieb aus. Kein Kommentar, nichts.

Mir ist es ein echtes Rätsel, was die Menschen dazu treibt, sich dermaßen rücksichtslos im öffentlichen Raum zu benehme.

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