Geldgier

Am Ende hilft einem das Geld nicht. Es ist sogar der Grund, warum man sterben musste. Wen man friedlich im Kreise seiner Familie stirbt, nach einem erfüllten Leben, wie es so schön heisst, dann hat man im Tod so etwas wie Würde. Ein Würde, die einem nicht mehr genommen werden kann. Halb nackt an einen Bettpfosten gefesselt vorgefunden werden, um den Hals noch den Gürtel, mit dem man erdrosselte wurde, hat nichts würdevolles.

Auf diese Weise möchte man nicht enden. Wer will das schon. Wäre es möglich, würde man sich davon loskaufen, mit dem Geld, was hat. Nur ist es genau diese Geld gewesen, was einen so enden ließ. Ende mit Ende vierzig. Was heisst schon zu früh. Den richtigen Zeitpunkt für den eigenen Tod gibt es nie. Meistens kommt er ungelegen. Schlimmer noch, er hintergeht uns, sucht unsere Bekanntschaft und wie fallen auf ihn rein.

Elisabeth fand den jungen Mann, der nicht nur elegant aussah, sondern sich auch in vielen Sprachen zu Hause fühlte, auf den ersten Blick anziehend. Ein Altersunterschied von zwanzig Jahren, was macht das schon aus. In die Disco, wo sich trafen ging man, um Spaß zu haben. Da auch nicht jeder reingelassen wurde, glaubte man, unter seinesgleichen zu sein. Selbst ein Bier kostete hier über acht Euro. Der Mann, sie hielt ihn für einen Franzosen, trank selbstverständlich kein Bier, sondern was wesentlich teureres. Wer sich so kleidete und so benahm, hatte Geld. Das es bei ihm nur eine Masche war, hätte sie nicht gedacht. Auch nicht, dass er auf der Suche nach einem neuen Opfer war.

Sein Leben war teuer, ständig brauchte er Geld. Mehr Geld. Seinen Lebensstil finanzierte er mit dem Tod seiner Bekanntschaften. Das er viele Sprachen beherrschte, ergab sich aus seinen ständigen Aufenthalten in wechselnden Ländern. Niemals ein Mord in einem Land innerhalb von zwei Jahren. Schön den Abstand waren, nicht auffallen. Immer das Muster wechseln. Rene hieß nicht Rene, sondern Reinhardt. Bei der Wahl des Namens war er nicht originell. Seine Sprüche passte er jedoch immer seiner Beute an. Oft reichten ihm wenige Minuten, eine belanglose Plauderei, um die wichtigsten Information zu bekommen. Ob das Opfer vermögend war und vor allem alleinstehend. Alles andere lohnte sich nicht. Nicht selten gab er vor, sich mit der Verwaltung von Vermögen auszukennen. Auf diese Weise bekam man raus, ob in der Wohnung des Opfers lohnenswertes zu holen war. Was nützte ein volles Banknote, wenn man da nicht ran kam. Schmuck, Wertpapiere oder auch wertvolle Kunstgegenstände. Vor allem Kunstgegenstände. Dafür fand sich immer ein Abnehmer, der schweigen konnte, weil er insgeheim schon daran gedacht hatte, dass sich für diese oder jenes Stück ein Mord lohnen würde, nur um es in Besitz zu bringen.

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