Kulturbotschaft

Auf dem Gelände der Alten Feuerwehrwache hier im Agnesviertel soll eine Kulturbotschaft gebaut werden. Erstmal hört sich das gar nicht so schlecht an. Der Begriff „Kulturbotschaft“ klingt auch ganz nett. Wie immer, wenn Veränderungen anstehen, gibt es Befürworter und Gegner. Daher war es auch nicht überraschend, dass es eine Bürgerinitiative gegen den Kulturbotschaft gibt.

Im wahren Leben ist es allerdings oft anders wie in Romanen oder Filmen. Die Bösen sind immer die mit den schwarzen Hüten. Als selbst in der Fiktion trifft das längst nicht mehr zu. Bei der Alten Feuerwehrwache ist es erstrecht komplizierte. Neben den Befürwortern gibt es nicht nur eine Initiative dagegen, sondern eine Vielzahl von Gruppierungen, die alle mehr oder weniger ihre eigenen Interessen verfolgen. Gemeinsamen habe sie nur eins: nicht soll sich ändern, die Kulturbotschaft muss daher verhindert werden.

Für mich selber war es schwer, aus den unterschiedlichen Informationen heraus zu einer eigenen Meinung zu finden. Vergangen Sonntag wurden während eines Flohmarks auf dem Geländer der Alten Feuerwache Flugblätter verteilt, in denen ein gewisser Walter Hermann eindeutig Stellung nahm gegen den Bau der Kulturbotschaft. Zwei Argument blieben dabei bei mir hängen. Die Finanzierung des Projekts, die als nicht solide bezeichnet wurde und die Erhaltung einer großen Platane vor dem Eingang. Beides konnte ich nachvollziehen, auch wenn mir der Ton, welcher in den Flugblättern angeschlagen wurde, nicht gefallen hat.

Zur Person Walter Hermann ließen sich einiges schreiben. Der umtriebige Aktivist ist unter anderem Initiator der Kölner Klagemauer. Eines möchte ich jedoch an dieser Stelle festhalten. Unabhängig von den möglichen Lebensleistungen eines Menschen muss jede Handlung neu bewertet werden. Niemand darf erwarten, dass er Anspruch auf Narrenfreiheit hat. Aber ich greife an dieser Stelle vor.

Zunächst war ich in Bezug auf die Kulturbotschaft skeptisch. Dankenswerterweise hatte der SPD Ortsverein für letzten Dienstag zu einer Mitgliederveranstaltung eingeladen, auf der sowohl Vertreter der der Initiative Kulturbotschaft als auch Vertreter der Gegenseite Gelegenheit bekommen sollten, ihre Gründe dazulegen. Ein faires Angebot für alle, dachte ich.

Der Abend wurde jedoch sehr einseitig, da ausschließlich die Befürworter das Wort hatten. Und das obwohl die Gegenseite eingeladen war (wohlgemerkt von der SPD als mehr oder weniger neutrale Instanz) und sich noch mal einer der Befürworter explizit dafür eingesetzt hat, dass Mitglieder der Bürgerinitiative gegen den Bau der Kulturbotschaft die Gelegenheit zur Gegenrede bekommen. Anwesend waren von denen nur zwei, die betonten, sie seinen lediglich als Privatpersonen gekommen. Im weiteren Verlauf verschwanden sie auch aus der Veranstaltung. Offensichtlich trafen siech ein Teil der Gegner draußen auf dem Hof, um dort an einem Tisch zu diskutieren. Teilnehmen an der gemeinsamen Diskussion wollte sich nicht, obwohl sie mehrfach vom Ortsvereinsvorsitzenden darum gebeten wurden.

Am Ende des Abends war ich von dem Projekt „Kulturbotschaft“ überzeugt. Das lag nicht nur an den sachlichen (zum Teil leider sehr trocken vorgetragenen Argumenten), sondern vor allem an der Verweigerungshaltung der Gegner. Wer sich so verhält, eine Diskussion verweigert, handelt wenig klug. Er verspielt eine Chance. Hinzu kam dann noch, dass Teile der Gegner auch mit nicht sehr sauberen Mittel Stimmung gegen die Kulturbotschaft gemacht haben. Kindern wurde gesagt, dass die Tischtennisplatten im Hof verschwinden würden (was nicht der Wahrheit entspricht). Ebenfalls sollten Kinder auf den Unterschriftenlisten unterschreiben, Anwohnern wurde erzählt, dass ihre Parkplätze verschwinden würden. Unfair waren auch Videoaufnahmen (die sich bei Youtube finden), die gegen den Willen der Betroffenen dort hineingestellt wurden (zum teil auch verfälschend geschnitten).

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