Drei Seiten Erleuchtung

Viele Autoren, die so wie ich noch ganz am Anfang der Erfolglosigkeit stehen, können in aller Ausführlichkeit über ihr aktuelles Schreibprojekt reden. Sie wissen ganz genau, welche Sorte von Eichhörnchen der Halbschwager der Nebenfigur, die nur einmal kurz in Kapitel 14 auftaucht, züchte.
Kann man uns mit der Frage nach dem Plot nach einigen halb fertigen Versuche nicht mehr aus der Ruhe bringen, so gibt es doch ein Wort, bei dem es sofort zu akuten Schweißausbrüchen kommt: Exposé

Die eigene Geschichte auf drei bis vier Seiten zusammen zu fassen, stellt eine der größten Herausforderungen da. Dann doch lieber tausend Seiten schreiben. Letztendlich kommt man wohl nicht um ein Exposé herum, wenn man mit seinem fertigen Werk etwas anderes vorhat als es zu den anderen in die Schublade zu legen. Literaturagenten und Lektoren erwarten zu jedem Manuskript ein Exposé, heißt es. Gerüchten zufolge soll so ein Exposé auch beim Schreiben des Romans helfen.

Für mich gab es daher ausreichend Gründe, mich damit zu befassen. Von den vielen Ratgebern zum Thema ist mir der von Hans Peter Roentgen aufgefallen. Das lag nicht nur am Titel „Drei Seiten für ein Exposé“ sondern auch am Preis. Mit 12,90 Euro kann man erstmal nicht viel falsch machen. Inwieweit das Geld gut angelegt ist, vermag ich noch nicht zu beurteilen, da ich gerade mal auf Seite 40 angelangt bin. Schuld dran sind die Übungen, die zumindest mir weiterhelfen.

Interessant fand ich schon auf den ersten Seiten den „Pitch“. Sich vorzustellen, man würde einen Verleger im Fahrstuhl treffen und hätte genau eine Minute Zeit, ihn von der eigenen Romanidee zu überzeugen. Das ist schwieriger, als man denkt, aber sehr hilfreich. Die eigen Idee in drei bis vier Sätzen zu formulieren. Wenn man das schafft, hat man zumindest schon mal einen Hinweis, dass man nicht für die Schublade schreibt. Wenn man damit auch noch Freunde und Fremde überzeugen kann – um so besser.

Die ersten richtigen Übungen haben es dann in sich. Für das letzte Buch was einem positiv in Erinnerungen geblieben ist, soll man ein Exposé schreiben, danach eines für das letzte Buch, was einem nicht gefallen hat. In der dritten Übungen heisst es dann „Formulieren Sie, worum es in beiden geht. Was auf dem Spiel steht.“ Ich hab das für zwei Bücher, die ich auch hier im Blog schon vorgestellt habe, durchlaufen. Einmal für „Winterkartoffelknödel“:

Es geht um die Aufklärung der „Mehrfachmorde“ in Niederkaltenbach. Die restliche Reputation von Franz Eberhofer steht auf dem Spiel. Gelingt es ihm nicht, die Morde als solche aufzuklären, wird er zukünftig als Polizist nur noch den Verkehr regeln.

Und dann für „Fliege machen“:

Es geht darum, das die junge Lisa als Partnerin in der Detektei akzeptiert wird. Deshalb hängt sie sich mit vollem Einsatz in die Aufklärung des Falls rein. Angestoßen werden die Ermittlungen durch den Wirt und Vermieter, der droht, sie und ihren Partner vor die Tür zu setzen.

Entweder habe ich etwas falsch gemacht, den Kern der beiden Krimis nicht richtig erfasst oder aber sie sind wirklich so banal, wie es in der Kurzfassung klingt. Was wirklich wichtiges steht nicht auf dem Spiel. Gut, im einen Fall ist es die Ehre, im anderen Aufmerksamkeit. Selbst bei „Winterkartoffelknödel“ bin ich mir nicht mehr sicher, ob dass wirklich ausreichend Spannung für einen ganzen Roman erzeugt.

Unabhängig davon, ob man selber schreibt oder nicht, helfen einem die Übungen, noch mal über das Gelesene nachzudenken – mitunter schreibt man dann bessere Kritiken für amazon oder andere Seiten. Über das, was bei mir im rahmen der nächsten Übung entstanden ist, breite ich lieber den Mantel des Schweigens. Man sollte ein Exposé für eine eigene Liebesgeschichte schreiben – fragt erst gar nicht.

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