EHEC

Seit rund fünf Wochen wir eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Nach BSE, Vogelgrippe und Schweinepest wieder ein neuer Trend im Bereich der Lebensmittel-Skandale. Wer alle Risiken vermeiden will, verhungert sicherheitshalber.

Wirklich erfreulich ist das alles nicht. Bei EHEC waren es zuerst die Gurken, dann die Tomaten, dann Sprossen, dann wieder nicht und am Ende doch die Sprossen, die die gefährlichen Keime auf sich trugen. „Angst essen Seele auf“ nennt sich ein Film von Rainer Werner Fassbinder. Der hat zwar ein ganz anderes Thema, aber der Titel passt perfekt auf die derzeitige EHEC-Panik. Ist es tatsächlich Panik oder berechtigte Angst? Das man selber drauf keine genau Antwort weiß, ist schon Teil des Problems. Mir selber ist vor einigen Tagen der Appetit auf Tomaten gründlich vergangen. Schade eigentlich, denn ich hab jahrelang gebraucht, bis ich an denen Geschmack gefunden hatte.

Überall in den Restaurant sieht man Hinweise, dass entweder auf bestimmte Zutaten zur Sicherheit verzichtet werde oder man garantiere, dass alles einwandfrei sei. Komisch nur, dass ich das nicht glauben will. Analogkäse und Kochschinken aus Pressfleisch sind auch unbedenklich, aber trotzdem ekele ich mich bei Gedanken, so was zu essen. Billige Nahrungsmittel sind genau das. Ob EHEC seine Wurzeln im Biobetrieb hat oder nicht, spielt letzen Endes keine Rolle mehr. Besonders nicht für die Menschen, die ernsthaft erkrankt oder bereits daran gestorben sind. Unabhängig davon, was sich letzten Endes wirklich als Auslöser herausstellen wird, bin ich fest davon überzeugt, dass es vor allem zwei Dinge sind, die Schuld an immer wieder neuen Skandalen bei der Herstellung von Lebensmitteln sind: unsere Gier und Maßlosigkeit – Avaritia und Gula, zwei der sieben Todsünden.
Der Verbraucher will möglichst günstig möglichst viel Nahrungsmittel erwerben, die er in sich hineinstopfen kann. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist ihm egal. Das letzen Endes nicht das Mastschwein oder das Turbo-Rind Opfer der Völlerei werden, sondern der Mensch selber, scheint eine gerechte Strafe zu sein. Auf der anderen Seite steht die Gier derjenigen, die an der Erzeugung von Nahrungsmitteln profitieren. Firmen und Konzerne, denen kein Trick zu abseitig ist, um den Profit noch weiter zu maximieren. Geld stinkt nicht, und Abfälle kann man mit einer geschickten Kombination von Zusätzen wieder zu Produkten verwerten, bei denen dem dummen Verbraucher voller lauter Lust darauf das Wasser im Mund zusammenläuft.

Wer glaubt, wir würden aus EHEC lernen, liegt so entsetzlich falsch. Natürlich lernen wir nicht draus, genauso wie wir schon aus vorherigen Skandalen nicht lernen wollten. Nach ein paar Wochen haben wir längst wieder vergessen, was eigentlich die Ursache war. Pflanzenfresser mit Tierkadavern zu füttern, erscheint uns dann wieder als die normalste Sache der Welt.

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