Freunde in der Nacht

Es wurde Zeit, einen Gefallen einzufordern. Zweimal klingelte es am anderen Ende, dann wurde abgenommen.

„Ja?“

„Ich bin’s“

„Hallo Udo“

„Du erinnerst dich sicher noch an unserer Vereinbarung?“

„Scheiße ja. Was willst du von mir? Moment war, da hat gerade jemand an der Tür geklopft.“

Danneberg verzog sein Gesicht, was aber in dem Moment außer ihm niemand merkte. Er hörte aus dem Telefon die Stimme seines Freundes im Hintergrund.

„Wie kommen sie ihn meine Wohnung. Hey, was soll das.“

Dann ein dumpfes Geräusch, wie wenn etwas schweres zu Boden fällt. Danneberg hörte Schritte näher kommen. Der Hörer vom Telefon wurde aufgelegt. Er wählte erneut die Nummer. Das Telefon klingelte, ohne das jemand abnahm. Freunde sind dass, die ich da habe, dachte Danneberg. Jeder andere währe in Panik verfallen und würde sich jetzt Sorgen machen. Nicht Udoo Danneberg. Er wusste zweierlei noch ganz gut. Sein Freund war nicht nur faul, wenn es darum ging, jemanden einen Gefallen zu erweisen, sondern auch ein besonders guter Schauspieler. Mit seinem Talent hatte er sich nicht nur erfolgreich durch die Schulzeit gebracht, sonder hatte als einziger aus dem Jahrgang nicht an der Waffe dienen müssen, ohne das es für ihn Konsequenzen hatte. Es war die Sorte Mensch, die sich erfolgreich durchs Leben manövrierten, nicht selten auf Kosten anderer. Dennoch war Danneberg mit ihm befreundet. Sie teilten sich ein Geheimnis, dass auch eins bleiben sollte. Zumindest wenn er Danneberg jetzt helfen würde. Die einzige Möglichkeit wäre jetzt, ihm persönlich gegenüber zu treten. Dann konnte er auf keinen Fall nein sagen.

Dannberg gingt an der Straße entlang zurück nach Hause. Um diese Uhrzeit würde er keinen durchgehenden Zug mehr bis Magdeburg bekommen. Es sei denn, er ließe sich darauf ein, über acht Stunden mit vielem Umsteigen unterwegs zu sei. Die andere Möglichkeit, mit dem Auto dorthin zu fahren, verwarf er. Der Zettel hatte, musste er sich eingestehen, einen ziemlichen Schrecken eingejagt. Auf der Autobahn konnte viel passieren, was sich hinterher nur schwer rekonstruieren ließe. Besonders dann, wenn es Interessen gab, das es so war. Allerdings konnte auf einer langen Zugfahrt viel passieren. Zu viel. Auch das Risiko wollte er jetzt nicht eingehen. So wie die Dinge standen, würde er auf seiner eigenen Couch übernachten. Die Datscha lag noch so da, wie er sie vor einer halben Stunde verlassen hatte. Zumindest schien man ihm momentan in Ruhe zu lassen. Danneberg ging hin, tastete nach dem Lichtschalter und zog sich im Hellen die Schuhe aus.

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