Hamburg am Tag danach

Hamburg am Tag danach

Die SPD mit Olaf Scholz an der Spitze hat also tatsächlich die Wahl in Hamburg gewonnen. Herzlichen Glückwunsch erstmal dazu.

Als Mitglied dieser sehr traditionsreichen Partei könnte man sich jetzt wahnsinnig darüber freuen. Könnte man. Wenn man nicht wüsste, dass der Sieg zu weiten Teilen eben nicht ein Verdienst der SPD, sondern der Hamburger CDU zu verdanken ist. EinenBundestrend kann man da bestimmt nicht herauslesen. Auf der anderen Seite: was, wenn es die SPD trotz so guter Randbedingungen nicht geschafft hätte in Hamburg? Dann wäre nicht die CDU daran schuld, sondern nur sie alleine.

Wie man es auch dreht und wendet, das Wahlergebnis hinterlässt ein Zwiespältiges Gefühl. Dabei ist es nicht mal die SPD, die sich am lautesten freut (sie tut es eher etwas verhalten, vorsichtig, aus tiefen Misstrauen heraus), sondern die FDP. Plötzlich steht der Parteivorsitzende Guido Westerwelle nicht mehr als der große Verliere da. Es geht aufwärts, man hat es ja gewusst, weiter so, der Kurs stimmt. Es ist nicht zu fassen, wie ignorant diese Partei ist. Dagegen ist die CDU geradezu aufrichtig selbstkritisch. Bei der FDP muss man sich ernsthaft fragen, ob an welcher Stelle die liberale Hand auf Bundesebene noch zu sehen ist (außer vielleicht in den Geldbörsen der Wählerinnen und Wähler). Wofür steht diese Partei?

Hamburg zeigt uns auch noch andere Dinge. Da wären bei den „Sonstigen“, unter fünf Prozent liegenden Parteien allen voran die Piraten mit 2,09 Prozent. Waren das nicht mal mehr? Scheint so, also ob diese Partei sich auf einem absteigenden Ast befände.

Der große Verliere aber ist wieder einmal die Demokratie selber. Ganze 57 Prozent Wahlbeteiligung in Hamburg im Vergleich zu 63,5 Prozent vor drei Jahren. Das macht wirklich betroffe

One Reply to “Hamburg am Tag danach”

  1. Das Problem der Piraten ist, dass sie sich intern noch nicht mal einig sind wo sie überhaupt stehen. Man zerfleischt sich intern und vergisst dabei vollkommen an der Außenwirkung zu arbeiten und Werbung für sich zu machen. Ich lese hier in Berlin zum Beispiel die Mailingliste mit und was ich dort täglich lesen muss, ist schon nicht mehr schön. Da fragt man sich dann doch, ob man diesen Kindergarten überhaupt wählen darf. Die Piraten können so nicht Punkten und bis sie das merken, wird es mit den Prozenten überall wieder bergab gehen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren