Bericht von der Baustelle

Wer im Blog in letzter Zeit das Thema Kurzgeschichte bei mir gelesen hat, wird sich vielleicht fragen, wann es denn endlich weiter geht mit „Keine halben Sachen“. Erstmal sei angemerkt, dass es weiter geht.

Und dann muss ich gestehen, dass ich etwas untreu war und einfach eine andere Kurzgeschichte vorgezogen habe, nämlich „Der böse Wolf“. Die ist aber derzeit noch nicht öffentlich verfügbar. Zwar könnte man von ihr sagen, dass sie nahezu fertig ist (nach der dritten Überarbeitung), sieht bleibt aber unter Verschluss. Der Grund dafür ist recht einfach. Wenn sie bei den Testlesern wirklich gut ankommt, würde ich sie gerne einer (Literatur-)Zeitschrift anbieten. Das geht allerdings nur, wenn sie vorher noch nicht veröffentlicht wurde. Falls jemand hier freiwillig als Testleser melden möchte, kann ihm gerne das PDF per Mail schicken (unter den üblichen Bedingungen wie Verschwiegenheit, sauberes polizeiliches Führungszeugnis und keinen negativen Vermerk bei der Schufa).

Auch wenn es an dieser Stelle (vorerst) diese Geschichte nicht gibt, so möchte sie doch zum Anlass nehmen, etwas aus dem Nähkästchen zu plaudern – etwas darüber, wie die Geschichte entstanden ist und mit welchen Werkzeugen sie von mir geschrieben wurde.

Zu Beginn hatte ich nur das Ende im Kopf. Eine Idee, die ich im Halbschlaf hatte, ein rettenden Anker, um bis zum 20. Februar noch eine Kurzgeschichte fertig zu bekommen (Termin des Autorentreffens). Mit der anderen zog und zieht es sich etwas, weil ich den Entstehungsprozess im Blog protokollieren will (dazu stehe ich auch nach wie vor). Recht schnell ergab sich dann der Titel der Geschichte und ein Motiv, was sich durch den Text zieht. Das es (wieder) um einen Mord geht, scheint mir schon kein Zufall mehr zu sein. Da hat jemand sein Genre gefunden, würde ich sagen.

Titel und Schluss ergeben allerdings noch lange keine fertig Geschichte. Für mich war der nächste Schritt ein sehr technischer, denn ich machte mir tatsächlich Gedanken, wie lang der Text werden sollte. Etwas Recherche im Internet ergab, dass für diverse Einsendungen (zu Wettbewerben oder Zeitschriften) die Vorgaben bei 1.000 bis maximal 1.500 Wörtern liegen. Damit hatte ich wie beim NaNoWriMo (mit seinen 50.000 Wörtern) eine Zahl, ein Ziel. In Scrivener, meinem seit November mein absolutes Lieblingsprogramm (perfekt für Autoren), lässt sich praktischerweise ein Wortziel für ein Projekt festlegen.

Das Ende und die Schlussszene, deren Handlungsort sich aus dem Ende heraus ergab, führten mich zu einer Reihe von Fragen. Wo befindet sich die Hauptfigur am Anfang der Geschichte? Wenn sie nicht schon am Handlungsort ist, muss sie dorthin kommen. In welchem Zustand ist sie und warum? Stück für Stück hatte ich meine Szenen, die ich in Scrivener auf der Korkwand anordnen konnte.

Scrivener


Für so manchen Leser und auch Autor mag es sich merkwürdig anhören, aber ich bin recht mathematisch weiter an die Sache herangegangen. Insgesamt gibt es in der Kurzgeschichte, wie man auf dem Bildschirmfoto sehen kann, neun Szene. 1.500 geteilt durch neun ergibt dann rund 170 Wörter pro Szene – kann man auch wieder sehr gut einstellen.

Die folgenden Überlegungen drehten sich dann bei mir darum, aus welcher Perspektive die Geschichte erzählt wird. Für die Thematik bot sich eine Ich-Erzählerin geradezu an. Einstiegen wollte mit einer Traumsequenz, für die ich einen Gedankenstrom nutzen wollte. Nach er Namensfindung ging es für mich im vorletzten Schritt darum, aus einem klassischen Märchen bestimmte Motive zu adaptieren, Stichwörter herauszufiltern, über die sich Parallelen schaffen lassen. Abschließend notiere ich mir dann auf den Karteikarten weitere Stichpunkte zur jeweiligen Szene. Auf einen vollständigen Plot habe ich bewusst verzichtet, da mir das bei einer Kurzgeschichte etwas zu „oversized“ vorkam.

In der darauffolgenden Zeit habe ich mich dann von einer Szene zur nächsten gearbeitet und mein Gerüst mit Leben gefüllt. Insgesamt habe ich von der Idee bis zur Umsetzung (die ersten drei Überarbeitungen eingeschlossen) zehn Tage gebraucht. Wobei das eine Zahl ist, die für mich, im Gegensatz zu meiner Zielplanung, unerheblich ist. Man kann auch ein halbes Jahr oder länger an einer Kurzgeschichte sitzen. Wichtig ist nur, dass etwas lesbares herauskommt, was den Leser fesselt, ihn in den Bann zieht. Ob das bei „Der böse Wolf“ gelungen ist, werde ich nicht selber beurteilen.

Kommentar verfassen